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Ausgabe Oktober 2017

Sport-Informations-Dienst (SID)

Lahti (SID) Mit seinem vierten Titel hat sich Johannes Rydzek endgültig zum Kombinierer-König von Lahti gekrönt. Nach dem letzten Kraftakt fiel die große Party aber aus – Rydzek sehnte sich nach Ruhe.

Am triumphalen Ende seiner Gold-Mission von Lahti fühlte er plötzlich tiefe Müdigkeit. „Ich will jetzt nur noch ins Bett, dann nach Hause, dann auf die Couch“, sagte der Kombinations-König der Nordischen WM nach seinem Titel-Grand-Slam. Die Verschnaufpause hatte er sich redlich verdient – schließlich soll Rydzek ja auch im kommenden Jahr Sportgeschichte schreiben, bei den Olympischen Spielen.

Vier Wettkämpfe, viermal Gold, in beiden Einzel-Wettbewerben sowie in der Staffel und zuletzt im Teamsprint mit Eric Frenzel – das hatte vor Rydzek noch kein Kombinierer geschafft. „Diese Tage hier in Lahti werde ich nie vergessen. Jetzt muss ich alles realisieren und den Akku aufladen“, sagte Rydzek, der nun sechsmaliger Weltmeister, Rekordweltmeister ist.

Am Samstagmorgen nach dem Gold im Teamsprint saß Rydzek um 5.45 Uhr schon im Bus Richtung Flughafen Helsinki – kaum zehn Stunden nachdem sein großartiger Titel-Spurt gegen den Norweger Magnus Moan das deutsche „Dominierer“-Märchen vollendet hatte. Kurze Nacht, kurze Sause. Die eigentliche Party mit den Teamkollegen, teilte Bundestrainer Hermann Weinbuch mit, soll nachgeholt werden, sobald sich Rydzek und Frenzel im Kampf um den Gesamtweltcup fertig beharkt haben. In den Adelsstand wollte Weinbuch seinen „eisernen Johann“ aber schon jetzt erheben.

„Ich habe große Sportler trainieren dürfen, Ronny Ackermann, Eric Frenzel – Johannes gehört jetzt auch dazu“, sagte der Meistermacher: „Er hat sich aus dem Schattendasein gelöst, ist selber eine Lichtgestalt und kann sich in einem Atemzug mit den größten Kombinierern der Geschichte nennen.“ 

Team(sprint)-Kollege Frenzel dankte derweil Johannes sehr, „dass er das heute wieder rumgerissen hat. Es war ein krönender Abschluss“. Frenzel, bisherige Lichtgestalt der deutschen Kombinierer, rückte in Lahti ein wenig in den Schatten. Dabei strickte auch der Olympiasieger weiter an seinem Legendenstatus.

Zwei Titel holte Frenzel, gewann als erster Kombinierer Gold bei vier Weltmeisterschaften. Mehr als seine fünf WM-Titel hat weltweit nur Rydzek, mit zwölf Medaillen ist er nun ebenso Weltrekordler wie Björn Kircheisen, der im Team-Wettbewerb seine so ersehnte erste Goldene holte. So viele Rekorde, dass es einem schwindlig wird – und der Vater all dieser Erfolge ist Weinbuch.

„Ach, jeder im Team ist wichtig“, sagte der 56-Jährige, in dessen Amtszeit seit 1996 nun 14 Siege bei WM oder Olympia fallen, „wenn ich einen kleinen Teil dazu beigetragen habe, freue ich mich.“

Wo Weinbuch denn unter diesen Triumphen die Traumtage von Lahti einordne? „Den Olympiasieg für Schorsch Hettich 2006 hätte ich nie für möglich gehalten. Die zwei Goldmedaillen für Ronny Ackermann 2005 bei der Heim-WM in Oberstdorf, Olympia-Gold von Eric 2014 – das war alles sehr intensiv. Das ist jetzt ähnlich“, sagte er.

Unter Weinbuchs Regie ging es noch immer Jahr für Jahr aufwärts. Und so soll es bleiben. Dank Rydzek und Frenzel. Trotz sechs von acht möglichen Medaillen in Lahti, denn so ist schließlich noch Luft nach oben. „Damit bauen wir jetzt den Druck fürs nächste Jahr auf“, sagte Weinbuch lachend.