arag sid

Ausgabe August 2017

Sport-Informations-Dienst (SID)

Frankfurt/Main (SID) Die Stiftung Deutsche Sporthilfe feierte am 26. Mai ihr 50-jähriges Bestehen. Durchaus ein Grund zum Feiern – doch der Vorstandsvorsitzende Michael Ilgner will mehr.

Eigentlich könnte Michael Ilgner mehr als zufrieden sein. Die Einnahmen sprudeln, und ein 50-jähriges Bestehen feiert man schließlich auch nicht alle Tage. Doch der Vorstandsboss der Stiftung Deutsche Sporthilfe will mehr, „denn die Fördersumme“, sagte er dem SID vor dem Jubiläum am 26. Mai, „ist noch nicht dort, wo wir sie gerne hätten.“

Rund 50.000 Athleten aus 50 Sportarten hat die Stiftung seit ihrer Gründung 1967 in Berlin gefördert, unterstützte Sportler gewannen auch deshalb unter anderem 247 Goldmedaillen bei Olympischen und 338 Goldmedaillen bei Paralympischen Spielen. „Die Sporthilfe hat viel erreicht und viel Renommee erworben“, sagt Ilgner stolz.

Nicht immer aber agierte die Sporthilfe glücklich, etwa bei der Debatte um die Aufnahme des DDR-Radsportidols Gustav-Adolf „Täve“ Schur in die von der Stiftung mitgetragene Hall of Fame. Anstatt klare Kante zu zeigen, gab die Sporthilfe die Verantwortung an die Juroren weiter. Vielleicht, um es sich mit potenziellen Unterstützern nicht zu verscherzen.

Weil die Sporthilfe als private Stiftung nahezu keine direkte staatliche Unterstützung erhält, sind die Förderer vor allem aus der Wirtschaft umso wichtiger. „Wir haben die Erträge aus der Wirtschaft in den vergangenen Jahren vervielfacht“, sagte Ilgner – und schiebt mit bestimmendem Ton nach: „Vervielfachen müssen, weil andere Einnahmequellen wie die aus den Sportbriefmarken rückläufig sind. Wir werden das Jubiläum nutzen, um Wirtschaft und Gesellschaft für unsere Athletenförderung weiter in die Pflicht zu nehmen.“

Diese Beharrlichkeit und die Gabe, auch in schwierigen Zeiten den Blick meistens für das Wesentliche – den Sportler – zu behalten, finden in politischen Kreisen höchste Anerkennung. Bundeskanzlerin Angela Merkel würdigte die Sporthilfe wegen der „unverzichtbaren Rahmenbedingungen“, welche die Stiftung mit ihrer Förderung für die Athleten schafft. Der frühere Bundespräsident Joachim Gauck sprach auch deshalb mit Blick auf das Jubiläum „von einem Erfolg, der sich sehen lassen kann“.

Zudem wirkte die Sporthilfe bei der Gestaltung der Spitzensportreform, über die Ilgner abschließend noch kein Urteil fällen will, entscheidend mit. „Es war mir wichtig, die Stiftung von Beginn an in unsere Überlegungen einzubinden“, sagte der für den Sport zuständige Bundesinnenminister Thomas de Maizière. DOSB-Präsident Alfons Hörmann lobte die Sporthilfe zudem als „zuverlässigen Förderer und unersetzlichen Unterstützer, der in Zukunft noch wichtiger wird“.

Dass dies der Fall ist, liegt laut Ilgner auch an der in Deutschland fehlenden Begeisterung für die Olympischen Spiele. Als „verpasste Chance“ bezeichnete er die fehlgeschlagene Bewerbung für die Sommerspiele 2024 in Hamburg, „denn wir wissen, dass Olympia auch Jahre bzw. Jahrzehnte nach der Austragung noch einen enormen Schub geben kann“.

Weil es für das Kulturgut Sport in der Gesellschaft „keine Alternative“ gebe, fuhr Ilgner fort, müsse sich der Sport in Deutschland nun eben selbst „weiterentwickeln, Antworten auf die bekannten Verfehlungen finden, und auch auf zunehmende Eventisierung, Digitalisierung, Individualisierung reagieren“. Auch auf die Unterstützung der Sporthilfe wird es dabei ankommen.