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Ausgabe Oktober 2017

Sport-Informations-Dienst (SID)

Frankfurt/Main (SID) Der frühere Nationalspieler Thomas Hitzlsperger wird den DFB als neuer „Botschafter für Vielfalt“ im Kampf gegen Homophobie bei der WM 2018 in Russland unterstützen.

Thomas Hitzlsperger kam ein paar Minuten zu spät. Doch trotz des ausgefallenen Linienfluges nach Frankfurt/Main startete der 35-Jährige, der sich vor drei Jahren als erster prominenter deutscher Fußballer offen zu seiner Homosexualität bekannt hatte, in seinem neuen Job als „Botschafter für Vielfalt“ beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) gleich voll durch – die Zeit drängt.

Der Ex-Nationalspieler, der 2007 mit dem VfB Stuttgart die Meisterschaft gefeiert hatte, soll eine zentrale Rolle im Kampf gegen Homophobie beim Confed Cup (17. Juni bis 2. Juli) und bei der WM 2018 in Russland einnehmen. Dort ist die Verfolgung von Homosexuellen in manchen Kreisen immer noch mehr Kavaliersdelikt als Straftat.

„Wir müssen Dinge erarbeiten, die Russland und Deutschland hoffentlich näher zusammenbringen“, sagte Hitzlsperger, der DFB-Präsident Reinhard Grindel bei zahlreichen Gesprächen rund um den Confed Cup begleiten wird. „Das ist Neuland für mich“, sagte der Vize-Europameister von 2008 (52 Länderspiele): „Ich weiß um die Situation aus deutscher Sicht. Wir werden versuchen, Lösungen zu finden. Entscheidend ist, dass man sich trifft und spricht – nur dann kann es Veränderungen geben.“

Eine enorme Veränderung hatte Hitzlsperger einst selbst herbeigeführt. Im Januar 2014, vier Monate nach seinem Karriereende, outete sich der frühere Profi der Stuttgarter und des VfL Wolfsburg in der Öffentlichkeit. „Es gab sehr viel Aufmerksamkeit, es war eine sehr aufregende und spannende Zeit“, sagte er rückblickend. Das Coming-out „hat mein Leben bereichert und in einer schönen Art und Weise verändert“.

Vielleicht, sagte er, „kann ich ein Beispiel sein“. Schließlich könne er kaum Schlechtes von der Zeit danach berichten. „Aber daraus kann ich auch nicht ableiten, jetzt jedem zu empfehlen, sich zu outen“, sagte Hitzlsperger, der für sein Engagement gegen Homophobie mehrfach ausgezeichnet worden war: „Ich bin Ansprechpartner und Ratgeber“. Und zwar für jeden, der das möchte.

Allerdings beinhalte seine neue Aufgabe beim DFB („Ich bin sehr stolz, den Verband repräsentieren zu dürfen“) mehr als nur das Thema Homophobie. Als Schlagworte nannte er auch den Einsatz für sexuelle Vielfalt im Breiten- und Spitzensport, Religion und das Ehrenamt.

„Der Fußball kann helfen, Vorurteile abzubauen, da gibt es für mich keine Grenzen“, sagte Hitzlsperger, der zudem gerade seinen Trainerschein macht: „Ich möchte alle Gruppen, die sich dem Fußball zugehörig fühlen, unterstützen und für Toleranz werben.“

Für Grindel ist der Ex-Profi geradezu prädestiniert. „Thomas hat mit seiner Persönlichkeit, mit seinem Einsatz für Zivilcourage eine enorm hohe Glaubwürdigkeit“, sagte der DFB-Präsident: „Es soll inhaltliche Arbeit leisten. Zum Beispiel, wie wir mit Diskriminierungsfällen an der Basis umgehen, welche Hilfestellungen wir geben können.“