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Ausgabe September 2017

Landessportbünde

Seit fünf Jahren ist er Sprecher der Bünde und LSB-Präsidiumsmitglied: Reinhard Ulbrich. Der 66-jährige gebürtige Viersener war viele Jahre Oberbürgermeister von Remscheid und ist dort seit 2000 Vorsitzender des Stadtsportbundes. „Wir im Sport“ im Gespräch mit einem Mann, der von beiden Seiten des Schreibtisches aus die kommunalen Belange des Sports kennt.

Waren Sie immer Sportler und Kommunalpolitiker gleichermaßen?

Reinhard Ulbrich: „Das war eine Entwicklung. Ich will Ihnen ganz ehrlich sagen: Ich war eigentlich nie so der richtige Sportler. Z.B. Barren- und Reckturnen in der Schule – ich habe es gehasst. Klar, ich habe Handball mit großem Spaß gespielt. Aber später in der Politik war mein Fokus auf die Sozialpolitik gerichtet und ich habe die Vertreter des Sports als ‚Sportmafia‘ wahrgenommen. Ich weiß, harte Worte. Aber so habe ich es gesehen. Erst als Oberbürgermeister bin ich dem Sport sehr nahe gekommen, war viel bei den Vereinen und habe erkannt, wie eng Sport und Soziales miteinander verbunden sind.“

Auf der Mitgliederversammlung des Landessportbundes NRW wurden im Jahr 2008 die Bünde neben den Verbänden als Mitglieder aufgenommen. Was hat sich dadurch verändert?

Ulbrich: „Das verlieh den kommunalen Vertretungen des Sports ein ganz anderes sportpolitisches Gewicht in NRW. Bis dahin hatten wir quasi immer am Katzentisch gesessen. Und man muss es so sagen: Der Einfluss der Bünde war nahe Null.“

Aber es gab doch schon damals verschiedene starke Vertretungen…

Ulbrich: „Das stimmt, traf aber nur für einige Ruhrgebietsstädte oder Städte an der Rheinschiene zu. Von flächendeckender Präsenz konnte keine Rede sein. Das hat sich grundlegend gewandelt. Heute sind wir überall der zentrale Ansprechpartner der Politik vor Ort. Und wir sind gegenüber den Verbänden auf Augenhöhe.“

Näher nachgefragt: Was bedeutet Politikfähigkeit vor Ort genau?

Ulbrich: „Der Sport ist zwar die größte Bürgerbewegung in jeder Stadt. Trotzdem ist der Sport nur eine zweitrangige Aufgabe der Stadt. Da muss man dauernd Einfluss geltend machen.“

Geben Sie uns ein Beispiel…

Ulbrich: „Nehmen wir ruhig Remscheid. Vor einigen Jahren waren wir sehr unzufrieden mit dem Zustand unserer Sporthallen. Die Vereine mussten aber trotzdem Sportstättennutzungsgebühren bezahlen. Wir haben dann auf einer Mitgliederversammlung öffentlichkeitswirksam beschlossen, diese Gelder einzufrieren. Kaum hatten wir den Beschluss gefasst, begann ein echter Reisezirkus der aufgeschreckten Parteien. Mit dem Ergebnis, dass uns über 500.000 Euro für die Hallensanierung zur Verfügung gestellt wurden. Das ist Politikfähigkeit in Aktion! Und das kann nicht ehrenamtlich organisiert werden.“

Das gesamte Interview ist in der Juli-Ausgabe der „Wir im Sport“ nachzulesen.

Quelle: www.lsb-nrw.de