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Ausgabe November 2017

Sport-Informations-Dienst (SID)

Düsseldorf (SID) Der Etappensieg von Marcel Kittel in Lüttich war die Krönung. Düsseldorf sah trotz des schlechten Wetters einen stimmungsvollen Grand Départ der Tour de France. Die deutschen Radprofis waren begeistert.

André Greipel fand es „gigantisch“, Simon Geschke war „absolut begeistert“ und Rick Zabel sah den Beweis, „dass der Radsport in Deutschland lebt“. Der erste Auftakt der Tour de France in Deutschland seit 30 Jahren hat nicht zuletzt bei den deutschen Fahrern großen Eindruck hinterlassen – auch wenn das Wetter nicht mitspielte.

Der Etappensieg von Marcel Kittel im belgischen Lüttich krönte am 2. Juli die deutschen Tour-Festtage. „Es war ein unglaublicher Tag, ein unglaublicher Auftakt, vor allem mit so vielen Menschen in Deutschland an der Strecke“, sagte der Thüringer, der beim Start am Düsseldorfer Rheinufer das Bad in der Menge noch sichtlich genossen hatte.

Auch Tony Martin hatte dort einen großen aufmunternden Applaus erhalten nach seiner Enttäuschung vom Samstag. „Ich kann das ohne Druck noch einmal richtig genießen und alles noch einmal befreiter und bewusster wahrnehmen“, sagte Martin dem SID vor dem Start der zweiten Etappe, die für ihn nach einem Sturz blutend und mit großem Zeitrückstand endete.

Rund um den Burgplatz in Düsseldorf und entlang der Strecke in Richtung Belgien hatte sich ein Millionenpublikum versammelt, um die Festtage des deutschen Radsports zu zelebrieren. Die Begeisterung erinnerte an den Tour-Start vor drei Jahren in der britischen Grafschaft Yorkshire.

„Es war gigantisch. Man hat gesehen, dass der Radsport nicht tot ist. Ich bin sehr stolz“, sagte Greipel. Geschke pflichtete bei: „Sich bei dem Wetter an die Straße zu stellen: ich war absolut begeistert, was los war.“ Martins Teamkollege Nils Politt fand, „dass wir bewiesen haben, der Radsport in Deutschland ist nicht kaputt. Das war das richtige Ausrufezeichen.“

Dass Zeitfahr-Weltmeister Martin nicht wie erhofft das Gelbe Trikot trug, war kein Stimmungstöter. Nur bei Sonnenschein und bestem Sommerwetter wäre es noch schöner gewesen, meinte jedenfalls Ex-Profi Rolf Aldag, Sportdirektor im Team Dimension Data. „Dann wäre es supergeil geworden. So fand ich es trotzdem extrem bemerkenswert und tapfer, wie viele Menschen gekommen sind“, sagte er dem SID.

Beim feierlichen Start des Teilstücks nach Lüttich regnete es im Gegensatz zum Vortag beim 14 km langen Zeitfahren in Düsseldorf immerhin nicht, und unzählige Handys wurden gezückt, als der Tour-Tross sich in Bewegung setzte. Erst einmal ging es dann noch im Genusstempo durch die Innenstadt, bevor in der Fischerstraße der scharfe Start erfolgte.

Ob der erste deutsche Grand Départ seit Berlin 1987 nun den Aufschwung im Radsport weiter verstärkt, wird erst einmal kaum zu messen sein. Weltverbandschef Brian Cookson sagte dem SID, es sei „eine große Freude“ gewesen, so viele glückliche deutsche Fans am Straßenrand zu sehen: „Das demonstriert das neu gewonnene Vertrauen der Deutschen in den Radsport.“ BDR-Präsident Rudolf Scharping fand, Düsseldorf sei eine „wunderbare Werbung“ gewesen.

Selbst die Wetterkapriolen konnten das Publikum nicht bremsen. Es herrschte Karnevalsstimmung im Dauerregen. „Das war der Wahnsinn. Düsseldorf hat den Radsport gefeiert und ich hab‘ jetzt einen Hörschaden“, meinte Kittel. Martin berichtete, dass er während seines Zeitfahrens nicht einmal die Anweisungen im Teamfunk verstanden habe. „Ich hatte null Informationen, aber die Zuschauer haben das wettgemacht.“