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Ausgabe November 2017

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München (SID) Zwei Titelgewinne innerhalb von nur drei Tagen, dazu ja nach wie vor Weltmeister – was die Auswahlmannschaften des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) leisten, gefällt offensichtlich auch den Bundesliga-Klubs. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) jedenfalls bedankte sich am Montag nach dem gewonnenen Confed-Cup-Finale umgehend mit einer ganzseitigen Anzeige im kicker: „CONFETT. U21GLAUBLICH.“, stand da, und etwas kleiner darunter: „Wir sind stolz auf euch.“

Die Freude ist verständlich: Für die Bundesliga ist es alles andere als geschäftsschädigend, was Ende Juni, Anfang Juli in Polen und Russland geschah – die Einschaltquoten für die beiden Turniere waren beeindruckend, die Neugier auf Spieler, die bislang bundesweit zum Teil unter dem Radar flogen, sehr groß. DFL-Geschäftsführer Christian Seifert lobte daher den „bemerkenswerten“ Erfolg von Bundestrainer Joachim Löw und seiner jungen Mannschaft“.

Auch die U21, ergänzte Seifert, habe dazu beigetragen, dass der deutsche Fußball ein „großartiges Wochenende“ erlebt habe. „Die erfreuliche Vielzahl an Talenten in beiden Mannschaften zeige zudem die guten Perspektiven für den deutschen Fußball“, sagte Seifert, und DFL-Präsident Reinhard Rauball betonte, nach dem Titel für die U21 sei der Gewinn des Confed Cups „ein weiterer großartiger Erfolg für den deutschen Fußball“.

Weltmeister. Confed-Cup-Sieger. U21-Europameister. Im Internet kursiert bereits eine neue Weltrangliste. Platz 1: Deutschland, Platz 2: Deutschland B, Platz 3: Deutschland U21. Was bleibt Reinhard Grindel, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) anderes übrig als zu sagen: „Jetzt geht es darum, alle Abergläubigen zu widerlegen. Denn wir wollen wieder Weltmeister werden. Das ist die Zielrichtung“, betonte er nach dem 1:0-Sieg im Finale des Confed Cups gegen Chile.

Noch nie hat der Gewinner der Test-WM im Jahr darauf den Titel gewonnen, die Voraussetzungen für Joachim Löw könnten freilich schlechter sein. Der Bundestrainer, sagte Grindel, habe „die große Chance, mit einer Mischung aus Erfahrung und junger Dynamik einen ganz starken Kader zusammenzustellen“. Die Titel bei der U21-EM und nun beim Confed Cup haben ja gezeigt:  „Wir haben einen großen Pool, aus dem wir schöpfen können“, sagte Grindel.

Es klingt ein wenig nach dem Satz von Franz Beckenbauer nach der WM 1990, als dieser behauptete, jetzt, die die Spieler aus der DDR dazukämen, sei Deutschland auf Jahre hinaus unschlagbar. Nun hat der DFB, hat Joachim Löw Spieler aus einer erfolgreichen U21, einer erfolgreichen „A2“ und zahlreiche Stammspieler der „A“-Mannschaft, die in diesem Sommer urlaubten – also gut 50 Mann. Ein Potenzial, das Laune macht. Auch bei den Bundesliga-Klubs.

„Beide Ereignisse waren wunderbar für den deutschen Fußball. Vor allem das Spiel der U21. Wie wunderbar dominant unsere Mannschaft das Endspiel gegen Spanien kontrolliert und total überlegen gewonnen hat“, sagte Uli Hoeneß, Präsident von Meister Bayern München: „Aber auch die Mannschaft, die Jogi Löw nach Russland gebracht hat, hat die deutschen Farben wunderbar vertreten. Ich bin überzeugt, dass wir für die nächsten fünf bis zehn Jahre gut gerüstet sind.“

Ähnlich äußerte sich Olaf Rebbe. „Insgesamt ist das natürlich ein großartiges Wochenende für den deutschen Fußball“, sagte der Wolfsburger Sportdirektor, der sich verständlicherweise und in erster Linie über seine zwei U21-Europameister Maximilian Arnold und Yannick Gerhardt freute und umgehend betonte: „Beide haben bewiesen, wie wichtig sie für die Nationalmannschaft, aber auch für den VfL sein können.“

Der Österreicher Peter Stöger, Trainer des 1. FC Köln, zog derweil den Hut vor den DFB-Erfolgen. „Ich habe festgestellt, dass die Deutschen gewinnen, egal in welchem Wettbewerb sie antreten und egal mit welcher Mannschaft. Das ist erfreulich. Beide Mannschaften haben ein echt tolles Turnier gespielt“, sagte Stöger.

Der ehemalige Nationalmannschaftskapitän Philipp Lahm weiß jedenfalls, was er nach seinem Rücktritt auch beim FC Bayern mit der überschüssigen Freizeit machen wird. An das „DFB-Team“ twitterte er in etwas hölzernem Deutsch: „Ich freue mich schon auf die kommenden Jahre euch weiter zuzusehen.“