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Ausgabe Dezember 2017

Sport-Informations-Dienst (SID)

New York (SID) Rafael Nadal hat seine emotionale Saison mit dem Titel bei den US Open gekrönt und die perfekte Grand-Slam-Saison des Traumpaars Nadal/Federer besiegelt. Nach der Erfüllung seines amerikanischen Traums wartete auf den Spanier ein ganz besonderer Gratulant: Im „Bauch“ des Arthur-Ashe-Stadiums drückte Tiger Woods den neuen US-Open-Champion kurz an sich. Es war dem inzwischen tief gefallenen Golf-Superstar deutlich anzusehen, wie sehr ihn das besondere Comeback von Nadal in dieser Saison beeindruckte.

Dass Woods in den Katakomben immer wieder auf die Uhr blickte, hatte Symbolcharakter. Seine Zeit scheint abgelaufen, die im Welttennis ist längst zurückgedreht. Branchenprimus Nadal hatte mit seinem 6:3, 6:3, 6:4 im Finale von New York gegen Kevin Anderson (Südafrika/Nr. 28) dafür gesorgt, dass sich erstmals seit sieben Jahren sämtliche vier aktuellen Major-Trophäen in den Händen des Spaniers beziehungsweise seines ewigen Widersachers Roger Federer (36) befinden.

„Es war schwierig, sich genau das vor acht, neun Monaten vorzustellen. Aber: Hier sind wir!“, sagte der amtierende French-Open- und Flushing-Meadows-Sieger Nadal – und lächelte kurz. Auch der 31-Jährige hatte berechtigte Zweifel daran gehabt, dass eine der faszinierendsten Rivalitäten im Weltsport eine Renaissance erleben würde.

Während „Rafa“ eine dreijährige Durststrecke ohne Major-Titel überstehen musste, waren es beim aktuellen Australian-Open- und Wimbledon-Champion Federer sogar sechseinhalb Jahre. Viele hatten das kongeniale Duo schon abgeschrieben, weil der Zahn der Zeit an beiden zu nagen schien. Die derzeit angeschlagenen Novak Djokovic und Andy Murray hatten aus den „Big Two“ zeitweise die „Big Four“ gemacht.

Doch Federer (19 Major-Titel) und Nadal (16) schlugen zurück. „Man konnte vielleicht erahnen, dass wir nach unseren langen Verletzungspausen wettbewerbsfähig zurückkommen. Aber nicht so – das ist schon etwas überraschend“, sagte Federer, der in New York im Viertelfinale gescheitert war.

Erstmals seit März 2011 stehen Nadal und der Schweizer, die ihre Saison im vergangenen Jahr wegen Blessuren vorzeitig beendeten, wieder auf den ersten beiden Plätzen der ATP-Weltrangliste.

„Es wird ein sehr spannendes nächstes Jahr. Beide nehmen sich nicht viel“, meinte der im Finale gegen einen bärenstarken Nadal überforderte Anderson und prophezeite: „Die größte Herausforderung für Rafa und Roger wird es sein, gesund zu bleiben“.

Auch Nadal weiß um die Faszination des ultimativen Duells. „Wir sind sehr unterschiedlich: Unser Spielstil, unsere Charaktere“, sagte der Linkshänder. Er sieht aber auch Parallelen: „Wir wollen uns auch immer weiter verbessern und sind harte Arbeiter. Wir haben eine große Leidenschaft für das, was wir tun.“

Die spanische Sporttageszeitung Marca bließ dann auch gleich zur Grand-Slam-Aufholjagd. „19:16, Nadal hat die Verfolgung von Federer aufgenommen“, schrieb das Blatt und feierte Nadal als „Kaiser“, „Supermann“ und „Koloss mit dem Schläger“. Wahlweise boten die spanischen Medien auch den „enormen, ewigen Nadal“ (El Mundo Deportivo) oder einfach nur „die Legende“ (AS) an.

Künftig allerdings wird Nadal nicht nur in den Matches gegen Federer auf seinen wichtigsten Mann in der Box verzichten müssen. Sein Onkel und Coach Toni Nadal, der oft mit harter Hand regierte, feierte im Big Apple den Abschied von der Grand-Slam-Bühne. Nach 28 Jahren als Trainer von Nadal wird sich Toni ab kommender Saison um Nadals Tennis-Akademie auf Mallorca kümmern.

„Er ist einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben – und wird es auch bleiben“, meinte der New-York-Triumphator. Es übernimmt nun Carlos Moya komplett das Ruder, der frühere Weltranglistenerste ist seit Dezember 2016 im „Team Nadal“. Neue Vorzeichen also für ein ewig junges Duell.