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Ausgabe Oktober 2017

Sport-Informations-Dienst (SID)

Dallas/München (SID) Kein Tag ohne Protest und Widerspruch, auch Dirk Nowitzki äußert sich: US-Präsident Donald Trump wird von Sportlern, Trainern und Klubbesitzern weiter hart kritisiert. Dirk Nowitzki lebt nun seit beinahe zwei Jahrzehnten in den USA, doch Tage wie diese hat er dort noch nicht erlebt. „Es sind enttäuschende Zeiten“, sagte er beim Medientag der Basketball-Profiliga NBA über das Thema, das den Sport in seiner Wahlheimat beherrscht: Donald Trump und dessen Tiraden gegen protestierende Sportler. „Es ist eine Zeit der Spaltung, man muss zusammenhalten und die Liebe fördern“, sagte Nowitzki.

Besonders deutlich wurde wieder mal LeBron James. Er hat Trump schon als „sogenannten Präsidenten“ bezeichnet, ihn sogar einen „Penner“ geheißen, jetzt sagte er nur: „dieser Kerl“. Seine Botschaft an den Mann, dessen Namen er nicht mehr in den Mund nimmt, war klar. „Die Menschen regieren dieses Land. Nicht ein Einzelner. Und ganz bestimmt nicht er“, betonte der beste Basketballer der Welt.

Seit Trump erst die Spieler der Football-Profiliga NFL, die während der Nationalhymne gegen Rassendiskriminierung und Polizeigewalt protestierten, als „Hurensöhne“ beleidigte und dann Basketballstar Stephen Curry von Meister Golden State Warriors vom Besuch im Weißen Haus auslud, vergeht kein Tag ohne Angriffe auf ihn. Sportler, Trainer und Klubbesitzer quer durch den US-Sport werfen ihm vor, das Land zu spalten.

Gregg Popovich, allseits respektierter Coach des NBA-Klubs San Antonio Spurs und der US-Nationalmannschaft, nannte Trumps Verhalten gegenüber den Warriors „widerlich“. Trump benehme sich „wie ein Sechstklässler, der in seinem Hinterhof eine Party veranstalten will und feststellt, dass jemand nicht kommen will und ihn deshalb wieder auslädt“, sagte Popovich voller Häme und ergänzte bissig: „Unser Land ist eine Peinlichkeit für die Welt.“

Auch Spieler aus der Baseball-Liga sowie der Fußball-Profiliga und der Basketball-Profiliga der Frauen protestieren mittlerweile auf Knien oder untergehakt am Spielfeldrand gegen Rassismus – und damit auch gegen Trump. Selbst dessen Freunde ziehen sich zurück. Etwa Tom Brady, Quarterback der New England Patriots. „Jeder hat das Recht zu tun, was er möchte“, sagte Brady, es sei „Teil unserer Demokratie“, Missstände offen anzusprechen.

Bemerkenswert war auch die Reaktion von Jerry Jones, dem einflussreichen Besitzer der Dallas Cowboys, die sich als „America’s Team“ verstehen. Jones, der Trump im Wahlkampf mit einer Million Dollar unterstützt hatte, ging vor dem Spiel gegen die Arizona Cardinals gemeinsam mit seinen Spielern in der Mitte des Spielfeldes auf die Knie – anschließend standen alle gemeinsam bei der Nationalhymne untergehakt am Spielfeldrand.

James ergänzte beim Medientag der NBA, „es frustriert und pisst mich an, dass er (Trump) den Sport als Plattform für seinen Versuch benutzt, uns zu spalten“. Trump verstünde nicht, welche Macht er als Anführer dieses „wunderbaren Landes“ habe, er verstünde nicht, dass Kinder, egal welcher Rasse, zum US-Präsidenten aufschauten. „Es macht mich mehr als alles andere krank, dass er das nicht versteht.“

Wie aufgewühlt das Land ist, versuchte die Tageszeitung USA Today in einen Kommentar zu fassen. Dieser endete mit den Worten: „Unsere Nation ist heute gespalten wie seit der Vietnam-Ära nicht. Wir können uns dem auch nicht in unseren Stadien und Arenen entziehen. Nicht, wenn wir einen Präsidenten haben, der denkt, dass NFL-Spieler einfach den Mund halten und ihr Gehirn zu unserer Unterhaltung verrühren lassen sollten.“