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Februar 2018

Sport-Informations-Dienst (SID)

Köln (SID) Die Fragen beschäftigen die ständigen Begleiter der Tennistour seit Jahren, einige bringen sie sogar um den Schlaf. „Wie wird es wohl werden, wenn er gegangen ist? Wird der Sport jemals wieder so sein wie in den goldenen Jahren zu Beginn des Jahrtausends? Wer kann die Lücke ausfüllen, die Roger Federer in absehbarer Zeit hinterlassen wird?“

Der Schweizer selbst teilt die Befürchtungen nicht, dafür ist er selbst zu bescheiden und demütig. Das Tennis, sagt Federer, wird immer größer sein als seine Spieler. Nach Rod Laver kamen Jimmy Connors, Björn Borg, John McEnroe, Boris Becker und Pete Sampras. Auf Billie Jean King folgten Martina Navratilova, Chris Evert, Steffi Graf und schließlich Serena Williams. Doch wer folgt auf Federer?

Die nächsten Superstars des milliardenschweren Zirkus, der sich von seiner europäischen Keimzelle in die USA, nach Australien und Südamerika bis nach Asien über beinahe den gesamten Erdball ausgebreitet hat, stehen bereits in den Startlöchern. Ob Alexander Zverev, Hyeon Chung oder Belinda Bencic – sie alle werden allerdings tapfer gegen den drohenden Bedeutungsverlust kämpfen müssen.

Federer ist nicht nur der größte Spieler der Geschichte, der wie durch Zauberei die natürlichen Grenzen ausdehnt. Er hat sich dem Tennis verschrieben wie selten jemand zuvor. Er ist der perfekte Botschafter, hält die Vergangenheit in respektvoller Erinnerung, bestimmt die Gegenwart ohne Arroganz, aber mit unvergleichlicher Hingabe und kümmert sich gleichzeitig liebevoll um die Zukunft.

In Melbourne beehrte Federer Legende Laver, schickte seinem Dauerrivalen Rafael Nadal nach dessen Verletzung aufbauende Worte und tröstete die Supertalente Alexander Zverev und Belinda Bencic nach ihren bitteren Niederlagen.

Auch wenn sich die Tenniswelt sicher weiterdreht: Roger Federer wird fehlen wie nie ein anderer Spieler vor ihm. Den Fans, den Turnieren, den Sponsoren – und auch seinen Konkurrenten. Möge er dem Tennis noch ein paar Jahre länger erhalten bleiben, ehe er sich als beispielhafter Sportsmann in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet.