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Ausgabe Dezember 2017

Sport-Informations-Dienst (SID)

Barcelona (SID) Ist es mit der Dominanz von Mercedes vorbei? Bei den Formel-1-Testfahrten in Barcelona deutete sich an, dass Ferrari näher dran ist. Das freut vor allem einen: Sebastian Vettel hat wieder Hoffnung. „Mein Bauchgefühl ist besser als im Vorjahr“, sagte der Ferrari-Pilot in Barcelona. Die Eindrücke der Testfahrten Anfang März stimmen den viermaligen Weltmeister äußerst positiv. Es scheint, als hätte seine Scuderia im Winter vieles richtig gemacht und den Rückstand auf Branchenprimus Mercedes aufgeholt.

Ob es nach drei Jahren erdrückender Dominanz der Silberpfeile in der Formel 1 aber wirklich wieder spannend wird, bleibt fraglich. „Wo das Potenzial dieses Autos liegt, ist heute unmöglich zu sagen. Wir versuchen, nicht links und nicht rechts zu schauen“, sagte Vettel.

Den 29-Jährigen interessierte es deswegen auch nicht, dass er in Schlagdistanz zu Mercedes war, Ferrari in Spanien regelmäßig schnelle Zeiten fuhr und als einziges Team auf dem Niveau des Überteams der Vergangenheit lag. „Es ist wichtig, dass wir viele Runden fahren. Das ist uns an den ersten drei Tagen recht gut gelungen“, sagte Vettel.

Bei einem kleinen Experiment blieb sein Wagen zwar einmal auf der Zielgeraden liegen, doch es war der einzige kleine Patzer. Ansonsten lief die neue „Rote Göttin“ in der spanischen Sonne wie ein Uhrwerk. Gleiches gilt allerdings auch für die Silberpfeile. Der dreimalige Champion Lewis Hamilton (Großbritannien) und sein neuer Teamkollege Valtteri Bottas (Finnland) spulten routiniert ihr geplantes Programm ab, die Technik spielte – abgesehen von einem Elektronikfehler – ohne Murren mit.

„Das war ein großartiger Test. Wir haben versucht, so viel wie möglich zu erledigen“, sagte Hamilton. Knapp drei Wochen vor dem Saisonstart in Melbourne (26. März) gilt der 32-Jährige als großer WM-Favorit, genau wie Bottas fuhr er in Barcelona schon eine komplette Renndistanz zur Probe.

Kaum jemand zweifelt, dass Hamilton in die Fußstapfen seines zurückgetretenen Stallrivalen Nico Rosberg treten wird und seinen vierten Titel einfahren kann. Allerdings ist die Sehnsucht groß, dass ihn mehr Teams dabei ärgern, es wieder verstärkt Spannung und Spektakel gibt.

Vettel gibt allerdings noch keine Prognosen ab. „Ich habe keine Kristallkugel. Ich habe nur zwei andere Kugeln, aber die nützen dafür nichts“, sagte Vettel und grinste. Am 2. März schaute er nur zu, als Kimi Räikkönen das Steuer übernahm. Erst beim zweiten und letzten Test in der zweiten März-Woche (7. bis 10. März) sitzt der 42-malige Grand-Prix-Sieger in Barcelona wieder im bislang überzeugenden SF70-H.

Seit September 2015 in Singapur hat der Heppenheimer nicht mehr gewonnen, 2016 gab es keinen einzigen Sieg für Ferrari. „Die Latte liegt hoch, das wissen wir, aber wir sind dran!“, meinte Vettel. Auch bei Mercedes hat man die Fortschritte der Italiener registriert. „Ferrari ist genauso gut vorbereitet wie wir“, sagte Niki Lauda, der Aufsichtsratschef der Silberpfeile, dem Fachportal Motorsport-Magazin.com.

Beide Teams haben das neue Reglement mit anderen Vorgaben für Aerodynamik und Reifen bislang offenbar am besten umgesetzt. Die Autos sind in den Kurven deutlich schneller, die Rundenzeiten sinken und die Fahrer werden körperlich mehr beansprucht. „Das ist schon beachtlich“, sagte Hamilton: „In der neunten Kurve habe ich unter meinem Helm gejubelt, man fühlt sich wie ein Kind in der Achterbahn.“