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Ausgabe Mai 2017

Sport-Informations-Dienst (SID)

Köln (SID) Als Athlet hat Heinrich Popow alles gewonnen. Auch bei der RTL-Show Let’s Dance tritt der Paralympics-Star mit Ehrgeiz an. Und einer Mission. Das Outfit ist geschmackvoll, sein Lächeln natürlich, nur die schnellen und ungewohnten Schrittfolgen muss Heinrich Popow erst noch verinnerlichen. „Ich versuche, entspannt zu sein, aber das ist gar nicht so einfach“, sagte Popow über die ersten Eindrücke auf dem Tanzparkett: „Ich lerne extrem viel dazu, es ist eine krasse Erfahrung.“

Für die RTL-Show Let’s Dance betritt der zweimalige Paralympics-Sieger unbekanntes Terrain. Statt Spikes an den Sohlen trägt der 100-m-Weltrekordler elegante schwarze Absatzschuhe, statt Fans in Stadien jubeln ihm Zuschauer im TV-Studio und – so Popows Hoffnung – Millionen in deutschen Wohnzimmern zu. Nur sein Ehrgeiz ist der gleiche. „Ich bin Sportler, ich will immer gewinnen“, sagte Popow mit einem Lachen.

Seit Wochen schuftet der 33-Jährige dafür mit Tanzpartnerin Kathrin Menzinger an gemeinsamen Choreografien, er trainiert in unzähligen Wiederholungen neue Bewegungsabläufe und lernt dabei viel über sich selbst. „Das Tanzen gibt dir ein ganz anderes Gefühl für den Körper. Ich bekomme nochmal einen ganz anderen Impuls, ich bin happy, hier eine andere Aufgabe zu haben“, sagte Popow, der nach Weitsprung-Gold 2016 in Rio seine paralympische Karriere beendet hatte.

Dabei ist Popow seine besondere Rolle als unterschenkelamputierter Teilnehmer bewusst. Er sei „nicht realitätsfremd“, sagte Popow, der im deutschen Paralympics-Team als Spaßvogel und kritischer Geist auftrat: „Ich sehe mich in der Motivationsrolle, ich will Berührungsängste nehmen. Ich hoffe, dass die Zuschauer erkennen, was das Tanzen für mich bedeutet.“

Für Popow zählen Tugenden. Leidenschaft, Lebensqualität, Freude, „der Stolz, dass ich dabei bin und ich mich dem stelle“ – damit will Popow Vorbild sein. Und dies gelingt ihm augenscheinlich bestens.

Die Reaktionen auf seinen Tanz-Exkurs fallen überwiegend positiv aus. „Auf Facebook bekomme ich Nachrichten, in denen steht: Mist, jetzt kann ich meiner Frau nicht mehr sagen, dass ich wegen meiner Behinderung nicht tanzen kann. Das ist das, was ich erreichen wollte“, sagte Popow.

Vorerst wird es für den Leverkusener bei einem Ausflug auf das Tanzparkett bleiben, im Sommer richtet sich sein Fokus voll auf die Para-Leichtathletik-WM in London (14. bis 23. Juli). „Ich fahre da nicht hin, um ein bisschen Sperenzien zu machen. Ich weiß, was ich im Training zu tun habe und fahre nicht dahin, um mich abschlachten zu lassen“, sagte Popow. Das Training auf ungewohntem Parkett soll ihm dabei helfen.