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Ausgabe September 2017

Sport-Informations-Dienst (SID)

Halle/Westfalen (SID) Seit zwölf Monaten verfolgt Roger Federer ein Ziel: den achten Titel im Tennismekka Wimbledon. Zunächst konnte der Schweizer jedoch seinen neunten Triumph in Halle genießen. Die Fragen nach seiner Rekordjagd im Tennismekka Wimbledon wollte Roger Federer lange Zeit nicht hören. „Für mich ist das kein Vorbereitungsturnier“, sagte der Rekordsieger während der Gerry Weber Open: „Ich finde es etwas respektlos und schade, Halle als solches abzustempeln.“

Die vier Grand Slams, darunter auch die Championships im Südwesten Londons, werden für Federers Geschmack auf ein „abnormales Level“ gehievt, er selbst spiele „viel lieber in Stuttgart und Halle auf Rasen als bei den French Open“ in Paris, sagte er der Schweizer Tageszeitung Blick.

Jeder Titel hat für Federer einen eigenen Wert, jeder Turniersieg eine eigene Geschichte. Nach seinem neunten Triumph in Halle und der Glanzleistung im Finale gegen Alexander Zverev (6:1, 6:3) erinnerte sich Federer an das vergangene Jahr, als sein „Knie in der Rasensaison nie gut wurde“, und ihm Zweifel kamen, „ob ich je wieder Halle gewinnen kann“.

Ein Jahr später sind die Beschwerden und Bedenken längst verschwunden. Nach einer Reihe richtiger Entscheidungen bei der Turnierplanung und vier denkwürdigen Turniersiegen 2017 in Melbourne, Indian Wells, Miami und Halle sagt Federer: „Ich bin bereit für Wimbledon.“

Im All England Club an der Church Road könnte er das nächste Kapitel Tennisgeschichte schreiben und sich mit seinem achten Titel zum alleinigen Rekordhalter krönen. Das sei für ihn aber gar nicht so entscheidend, verriet Federer in Halle, maximal „ein netter Nebeneffekt“. Er spiele eher für die Leute, als für die Geschichtsbücher, „für meine Familie, mein Team, meine Fans, mein Land“, sagte der 35-Jährige.

„Die Leute“ dürfen sich freuen, denn Federer hat sich auch durch seine zweimonatige Pause in der Sandsaison nicht aus der Bahn werfen lassen. Während Konkurrenten wie Andy Murray, Stan Wawrinka und Milos Raonic beim Parallel-Turnier im Queen’s Club überraschend früh scheiterten und Novak Djokovic sich weiterhin auf Sinnsuche befindet, stimmt Federers Kurs.

Eine Garantie für seinen 19. Grand-Slam-Titel sei das alles jedoch nicht. „In Wimbledon geht alles von null los“, sagte Federer. Das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten, das ihn seit seinem sensationellen Erfolg bei den Australian Open zu Beginn der Saison begleitet, kann ihm aber niemand mehr nehmen.

Daher ist es ihm auch egal, dass er bei den Championships als Vierter der Setzliste einem Viertelfinalduell mit seinen größten Kontrahenten aus dem Weg geht. „Wenn du in Wimbledon gewinnen willst, musst du eh die Besten schlagen“, sagte er. Dass er ein Jahr nach seiner Knieverletzung dazu in der Lage ist, hat Federer nicht erst in Halle eindrucksvoll bewiesen.