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Ausgabe Oktober 2017

Sport-Informations-Dienst (SID)

Los Angeles/Paris (SID) Paris 2024, Los Angeles 2028: Die Entscheidung über die Reihenfolge der Doppelvergabe der Olympischen Spiele ist gefallen. Beide Städte sehen sich als Gewinner, zumal die kalifornische Metropole sich das Einlenken versüßen ließ.

Erst Eiffelturm und Champs-Élysées, dann kalifornische Sonne und Hollywood Boulevard: Los Angeles hat sich wie erwartet aus dem Rennen mit Paris um Olympia 2024 zurückgezogen und gibt sich mit den Sommerspielen vier Jahre später zufrieden. Die Reihenfolge der Doppelvergabe ist damit geklärt, eine Kampfabstimmung um die Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Spiele in sieben Jahren abgewendet.

Letztendlich auch, weil das Internationale Olympische Komitee (IOC) und die kalifornische Metropole ein Angebot aushandelten, das die Verantwortlichen in LA nicht mehr ablehnen konnten. „Diese Vereinbarung war zu gut“, sagte Bürgermeister Eric Garcetti. Das finanzielle „Trostpflaster“ könnte bis zu zwei Milliarden Euro betragen. Kein Wunder also, dass sich alle Parteien als Gewinner fühlen.

Garcetti sprach vom „besten Preis“ für seine Stadt, IOC-Präsident Thomas Bach freut sich auf eine „Win-win-win-Situation“, und Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron würdigte die Entscheidung des Konkurrenten als „wichtigen Schritt“. Und US-Präsident Donald Trump erklärte: „Zum ersten Mal seit einer Generation kehren die Olympischen Spiele in die USA zurück. Und ich bin stolz, LA 2028 zu unterstützen.“

Die Vereinbarung zwischen dem IOC und LA 2028 sieht vor, dass die Organisatoren umgerechnet rund 1,5 Milliarden Euro finanzielle Unterstützung vom IOC bekommen. Diese Summe kann durch weitere Marketing-Deals noch anwachsen. Das IOC werde darüber hinaus Programme finanzieren, mit denen der Jugendsport in den Jahren bis zu den Spielen gefördert werden soll. Zudem verzichte das IOC auf eine Beteiligung an einem möglichen Überschuss der Spiele. Experten schätzen, dass dies Los Angeles noch einmal mehrere hundert Millionen Euro bringen könnte.

Die Zustimmung des Stadtrats und des Nationalen Olympischen Komitees der USA (USOC) vorausgesetzt, steht damit der Doppelvergabe am 13. September in Lima nichts mehr im Weg. Die formelle Einigung mit Paris und dem IOC ist sicher und soll spätestens bis Ende August stehen. „Wir sind zuversichtlich, dass wir eine „Win-win-win-Situation für alle Partner erreichen können“, sagte Bach.

Denn auch für den Deutschen ist die Einigung ein Sieg. Vor rund vier Wochen hatte das IOC die erste Olympia-Doppelvergabe seit 100 Jahren beschlossen. Damit reagierte das IOC auf die Tatsache, dass auch unter der von Bach initiierten Agenda 2020 letztendlich nur zwei Kandidaten für die Sommerspiele 2024 übrig blieben. Boston, Hamburg, Rom und Budapest zogen sich zurück, Bach hatte sich deswegen für die ungewohnte Vergabe ausgesprochen – um nicht auch noch einen weiteren Bewerber zu vergraulen.

Paris hatte sich dreimal vergeblich um die Spiele beworben und diesmal deutlich gemacht, dass es bei einer Niederlage der letzte Versuch wäre. Auch die USA waren zuletzt mehrfach mit ihren Kandidaten bei Olympia-Abstimmungen gescheitert. Ein ähnliches Szenario müssen beide Städte in Lima nicht befürchten. Die Zustimmung durch die IOC-Mitglieder ist sicher. Paris und LA werden damit zum jeweils dritten Mal Sommerspiele ausrichten.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) lobte die Einigung als „gute Entscheidung. Das IOC hat damit die wertvolle Chance, in der notwendigen Ruhe die Weichen für die Olympische Zukunft zu stellen. Thomas Bach kann man zu dieser taktischen Meisterleistung nur gratulieren“, sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann.

Mögliche Probleme durch die Verschiebung wischte Garcetti derweil beiseite. Politische oder ökonomische Veränderungen würden nichts an den Vorbereitungen ändern. „Los Angeles ist unverwüstlich“, sagte Garcetti.

Mit der Einigung steht zudem ein weiterer Gewinner fest: Die Olympia-Initiative Rhein-Ruhr, die die Sommerspiele 2032 wieder nach Deutschland holen will. Diese Aufgabe wäre noch einmal deutlich schwieriger geworden, wenn Paris und damit eine Stadt in Europa vier Jahre zuvor Austragungsort wäre.