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Ausgabe November 2017

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Kaiserslautern (SID) Die Qualifikations-Rekordler um Doppel-Torschütze Leon Goretzka genossen in der Kabine noch Pizza, Würstchen und Bier, da gab Joachim Löw schon wieder den großen Mahner. „Man macht einen Fehler“, sagte Löw, „wenn man diese Qualifikation als Maßstab nimmt. Man sollte den Ball ein wenig flach halten.“ 

Nach dem 5:1 (1:1) gegen Aserbaidschan zum Abschluss einer perfekten WM-Qualifikation mit zehn Siegen in zehn Spielen attestierte der Bundestrainer seinen Spielern zwar eine „super Leistung“. Aber: „Bei der WM warten andere Gegner.“ Unter anderen die hoch talentierten Franzosen mit Wunderknabe Kylian Mbappe, ein rachedurstiges Brasilien um Superstar Neymar oder die starken Spanier.

Trotz des erhobenen Zeigefingers verabschiedete sich Löw aber mit einem guten Gefühl von seinen Spielern. Denn auch nach dem souveränen Durchmarsch nach Russland war von Überheblichkeit beim Fußball-Weltmeister nichts zu spüren. „Das ist cool, was für die Geschichtsbücher, aber das wird uns bei der WM nicht viel helfen“, sagte Ersatzkapitän Thomas Müller über den Quali-Rekord: „Wir müssen uns alles Richtung Russland wieder neu erarbeiten.“

Diese Arbeit für das laut Löw „schwerste Turnier überhaupt“ beginnt mit dem Klassiker im Wembley-Stadion am 10. November gegen England und dem voraussichtlichen Vergleich mit Vize-Europameister Frankreich vier Tage später in Köln. Man gehe mit einem Schuss Neugier, Spaß und Entschlossenheit in diese Spiele, sagte Müller: „Da können wir einiges ausprobieren und zeigen, wie weit wir gehen können.“

Löw wird dabei ganz genau hinschauen. In der makellosen Qualifikation, die selbst die der Spanier auf deren Weg zum WM-Triumph 2010 dank des besseren Torverhältnisses (43:4) übertraf, setzte der Weltmeistercoach 37 Spieler ein. Der verletzte Marco Reus war nicht einmal dabei. Dementsprechend heiß dürfte der Kampf um eines der begehrten 23 WM-Tickets werden. Nach den November-Spielen bleiben dem Bundestrainer bis zur Nominierung nur noch die Duelle im März gegen Spanien und Brasilien.

„Die Einspielphase für ein Turnier beginnt im Mai. Ich werde schon das ein oder andere testen“, sagte Löw mit Blick auf den Jahresabschluss. Sein WM-Casting ist bereits in vollem Gange. Und der 57-Jährige machte auch den Spielern Mut, die derzeit in der zweiten Reihe stehen: „Die Tür ist weiterhin offen. Es sind noch einige Monate hin. Es gibt keinen Grund, irgendwelche Spieler abzuschreiben.“

Etwa ein Dutzend Spieler dürfte einen Platz im WM-Kader sicher haben, dazu zählt inzwischen auch Goretzka. Der Schalker traf gegen Aserbaidschan doppelt (8. und 66.), zunächst zauberhaft mit der Hacke. Er hat bei den mahnenden Worten seines Chefs genau hingehört. „Für jeden Spieler gilt, dass er sich in Topform bringen muss. Wenn man zwei Wochen vor dem Turnier damit anfängt, dürfte es zu spät sein. Jeder muss Eigenverantwortung zeigen und sein ganzes Leben darauf einrichten, um bei der WM in Topform zu sein“, sagte der 22-Jährige.

Gegen wen es in Russland (14. Juni bis 15. Juli) in der Vorrunde geht, erfahren Goretzka & Co. bei der Auslosung am 1. Dezember im Moskauer Kreml. Nach aktuellem Stand droht eine Hammergruppe mit Spanien, Frankreich oder Italien. Löw gibt sich aber gelassen. Er kann aus einem weit größeren Pool an Kandidaten schöpfen als beim Titelgewinn 2014.

„Wir fangen bei einer guten Basis an“, sagte Löw. Gegen Aserbaidschan sah man dies erst in der zweiten Halbzeit, als auch Sandro Wagner (54.) und Emre Can (81.) trafen. Hinzu kam ein Eigentor von Badawi Hüseynow (64.).

Doch auch die Konkurrenz ist stärker geworden, dies betonte Löw zuletzt immer wieder. Trotz aller Euphorie hat der Bundestrainer „Baustellen“ ausgemacht, etwa auf den defensiven Außen. Aber noch bleibt bei der Jagd auf den fünften Stern ein wenig Zeit.

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Fragen und Antworten nach der WM-Qualifikation

Zehn Siege in zehn Spielen, 43:4 Tore – so gut wie die deutsche war noch nie eine Mannschaft in der WM-Qualifikation. Aber reicht es in Russland 2018 auch zum Titel? Ist die DFB-Elf besser oder schlechter als beim Triumph 2014? Wer sind für die „historische Mission“ Titelverteidigung (Bundestrainer Joachim Löw) die Kandidaten? – Der SID beantwortet die wichtigsten Fragen nach der WM-Quali.

Was sind die Erkenntnisse aus der WM-Qualifikation?

Bundestrainer Joachim Löw hat es nach zwei verschenkten Jahren nach dem Triumph von Rio 2014 geschafft, der Mannschaft neues Leben einzuhauchen. Der Siegeszug durch die – allerdings schwach besetzte – Gruppe C war beeindruckend, Löw lebte den „unglaublichen Hunger“, den er von seinen Spielern fordert, mustergültig vor. Die Mannschaft habe „immer die Spannung und die Konzentration hochgehalten. Das ist nicht selbstverständlich“, sagte Löw nach dem 5:1 zum Abschluss gegen Aserbaidschan.

Ist die DFB-Elf jetzt Titelfavorit?

„Aus der Rolle können wir uns nicht mehr rausstehlen“, sagte DFB-Manager Oliver Bierhoff, Löw aber betonte: „Man macht einen Fehler, wenn man diese Qualifikation als Maßstab nimmt.“ Bei der WM warten „andere Kaliber“. Frankreich ist seit dem 2:0 im EM-Halbfinale gegen Deutschland stärker geworden, zu rechnen ist auch mit Brasilien oder Spanien. „Es wird das schwerste Turnier überhaupt, das ist klar. Der Kampf, an der Spitze zu bleiben, wird brutal hart“, sagte Löw.

Welche Baustellen gibt es in der Mannschaft?

„Wir müssen hart daran arbeiten, um uns in allen Bereichen zu verbessern“, sagte Löw. Allerdings: Verglichen mit 2014 ist das DFB-Team bereits in einigen Bereichen stärker geworden. Löw hat es geschafft, seine Elf variabler auszurichten, in der Defensive ist die Dreierkette ein neues, inzwischen oft erprobtes System. Im Mittelfeld herrscht personeller wie taktischer Überfluss, im Angriff sind die Optionen vielfältiger. Die defensiven Außen aber sind noch immer nicht doppelt besetzt, und: Nach den Rücktritten von Größen wie Philipp Lahm oder Miroslav Klose fehlen weiter ein paar Anführer.

Welche Spieler gehören dem 23er-Kader für die WM an?

Löw setzte in der Quali 37 Spieler ein (2014: 24), 42 waren nominiert, dazu käme Marco Reus – die Auswahl ist so groß wie nie. Ein gutes Dutzend Spieler darf sich sicher wähnen, dahinter ist spätestens seit dem berauschenden Confed-Cup-Sommer „der größte Konkurrenzkampf aller Zeiten“ (Löw) entbrannt. Selbst Weltmeister wie Benedikt Höwedes oder André Schürrle wackeln.

Gegen wen spielt Deutschland bei der WM?

Die Auslosung findet am 1. Dezember im Moskauer Kreml statt. Der DFB-Elf droht nach aktueller Lage eine Hammergruppe mit einem früheren Champion wie Frankreich, Spanien, England oder Italien. Grundlage der Lostopf-Einteilung ist die Weltrangliste, die am 16. Oktober veröffentlicht wird, Deutschland ist als Gruppenkopf gesetzt. Eine Vorrunde mit den Gegnern Frankreich, Uruguay und Nigeria ist möglich.

Was passiert bis zur Endrunde (14. Juni bis 15. Juli)?

Löw will die nächsten Länderspiele gegen Hochkaräter wie England, voraussichtlich Frankreich, Spanien und Brasilien nutzen, um „das ein oder andere“ zu testen. Ende Mai beginnt mit dem Trainingslager in Südtirol „die Einspielphase“. Und dann? Müsse jeder Spieler mit „übermenschlicher Motivation“ nach dem fünften Stern greifen, sagte Löw. Erfolgreich seinen Titel verteidigt hat zuletzt Brasilien 1962…