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Ausgabe Dezember 2017

Sport-Informations-Dienst (SID)

Abu Dhabi/Köln (SID)  Auch nach dem Saisonfinale Ende November war völlig unklar, wo und in welchem Umfang die deutschen TV-Zuschauer in Zukunft die Formel 1 sehen können. Immerhin eines wussten sie nach dem Saisonfinale der Formel 1 ganz genau: Niki Lauda wird nicht mehr als RTL-Experte auf den Bildschirm zurückkehren. Nach 22 Jahren hat der dreimalige Weltmeister seinen Dienst beim Kölner Sender quittiert – das war es allerdings auch schon mit den Gewissheiten. Wo und in welchem Umfang die deutschen Formel-1-Fans ab 2018 die Rennen der Königsklasse verfolgen können, ist weiterhin völlig unklar.

Die Rechteverträge von RTL und des Pay-TV-Senders Sky enden mit diesem Jahr. Eeine Einigung mit den neuen Formel-1-Besitzern Liberty Media konnten beide Unternehmen bislang nicht verkünden. Und es ist nicht unwahrscheinlich, dass die deutschen Fans sich bald von altbekannten Sehgewohnheiten verabschieden müssen.

Denn Liberty hat seit der Übernahme der Königsklasse viele Steine umgedreht, und die internationale Vergabe der TV-Rechte ist ein besonders großer. Man wolle in allen Märkten „auf einen Mix von Free- und Pay-TV“ setzen, sagte Marketingchef Sean Bratches zuletzt, „denn auf der einen Seite befindet sich das Geld, auf der anderen Seite die Reichweite.“

Besonders attraktiv ist für Liberty die Steigerung der Exklusivität für die Pay-TV-Sender, in vielen Märkten wird diese Idee auch schon umgesetzt. So wird im Formel-1-Kernland Großbritannien ab 2019 nur noch der Heim-Grand-Prix im frei empfangbaren Fernsehen live übertragen. Wer sämtliche Läufe verfolgen will, muss Abonnent von Sky UK sein. Auch daheim in den USA, wo die Formel 1 besonders wachsen soll, hat Liberty ein ähnliches Modell für die kommenden Jahre etabliert.

Dies lässt gerade in Deutschland aufhorchen, einem Land, in dem RTL seit 1991 alle Rennen live zeigte, den Schumacher-Hype begleitete und den Aufstieg Sebastian Vettels abbildete. Seit 1996 bieten Sky und die Vorgänger DF1 und Premiere zudem eine Alternative im Bezahlfernsehen.

Auch für die Teams wäre ein Verlust der Vollberichterstattung durch das Free-TV ein großes Problem, sie würden an Attraktivität für Sponsoren einbüßen. „RTL ist ein toller Partner für uns“, sagt Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff: „Das Free-TV in Deutschland zu verlieren, wäre ein ziemlicher Schlag für die Reichweite.“

RTL zeigt sich durchgehend sehr interessiert, stellt aber auch klar, dass „gewisse Kriterien“ erfüllt werden müssen: Die Übertragung nur einiger Rennen scheint nicht sonderlich interessant. Fraglich ist, wer sonst echtes Interesse hat. Im Free-TV galten ARD und ZDF noch im Sommer als heiße Kandidaten. Mittlerweile ist zweifelhaft, ob die Öffentlich-Rechtlichen überhaupt offiziell um die Rechte mitgeboten haben, denn beide haben sich nicht offiziell zum Thema geäußert.

Eine ernstzunehmende Größe ist zudem Olympia-Rechteinhaber Discovery mit seinen Ablegern Eurosport (Free-TV) und Eurosport 2 (Pay-TV), damit ist auch Sky in der Sparte Bezahlfernsehen ein Konkurrent erwachsen.

Die Hoffnung auf frei empfangbare Formel 1 ist so trotz allem auch in Zukunft berechtigt. Der TV-Markt in Deutschland ist ein völlig anderer als etwa in Großbritannien und den USA, wo Pay-TV-Abos deutlich weiter verbreitet sind. Und das ist auch den neuen Bossen klar. „Wir werden die Eigenheiten jedes Marktes berücksichtigen“, sagt Bratches.

Schließlich ist Wachstum das erklärte Ziel der neuen Formel 1. Und verschwindet die Königsklasse hierzulande aus dem Free-TV, dann brechen an jedem Rennwochenende über vier Millionen Zuschauer weg.