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Ausgabe Dezember 2017

Sport-Informations-Dienst (SID)

Cottbus (SID) Beim Weltcup in Cottbus Ende November fehlte Pauline Schäfer am Schwebebalken nur eine Winzigkeit zum Sieg. Sieben Wochen nach dem Gewinn des Weltmeistertitels in Montreal fühlt sich für die Chemnitzerin dieser Erfolg noch immer ein wenig unwirklich an.

Die erste Reaktion auf die direkte Frage ist ein kraus gezogenes Näschen, erst dann kommt Pauline Schäfers Antwort: „Weltmeisterin zu sein, fühlt sich immer noch ein bisschen unwirklich an“, sagt die Chemnitzerin etwas zögerlich. Vor sieben Wochen hatte sich die 20-Jährige in Montreal zur Schwebebalken-Queen gekrönt, seither ist in ihrem Leben wenig so wie vorher.

Die Live-Schalte aus Cottbus nach Saarbrücken zur Ehrung als Saarsportlerin des Jahres war da schon fast Routine. Denn dieser Titel ging bereits zum dritten Mal an die im Stadtteil Dudweiler geborene Athletin.

Andere Anforderungen abseits der Wettkämpfe sind dagegen neu: Zahlreiche Autogrammstunden, die Sportlerwahl-Gala im Dezember in Baden-Baden – einiges an Lebenszeit hat sich aus der Trainingshalle heraus verlagert, auf rote Teppiche und vor TV-Kameras.

Umso glücklicher war die Sportsoldatin über Rang zwei am Schwebebalken und einen dritten Platz am Boden beim Weltcup-Turnier in Cottbus: „Das war ein schöner Abschluss für mich. Es ist schon cool, dass ich das schaffen konnte. Auch mit weniger Training als sonst üblich.“

Zwei Tage nach ihrem Weltcup-Auftritt rückte die deutsche Bodenmeisterin zu einem Bundeswehrlehrgang in Warendorf ein, eine nicht unwillkommene Abwechslung in derzeit hektischen Zeiten. Viel hat sich für Schäfer geändert, eines allerdings zu ihrem Leidwesen nicht: „Ich bin immer noch so aufgeregt, wenn ich ans Gerät gehe. Da macht auch meine Goldmedaille keinen Unterschied.“

Aber allein durch gelegentliches in-die-Hand-Nehmen hilft Schäfer die Plakette in Form eines Bagels, den bislang größten Erfolg ihrer sportlichen Laufbahn mehr und mehr zu verinnerlichen. „Ich sehe sie nicht nur als Auszeichung für mich, sondern auch als Anerkennung für das Turnen in Deutschland“, sagt sie mit einer partiellen Selbstlosigkeit.

Am 22. Dezember kehrt die Wahl-Sächsin nach Hause ins Saarland zurück, zehn Tage lang will Schäfer dann die Beine hochlegen und Rückschau halten auf die turbulentesten Monate ihrer Karriere: „Diese Zeit nehme ich mir einfach.“ Bis zum 2. Januar, dem nächsten Lehrgang. Dann aber wieder in der Turnhalle.