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Ausgabe Dezember 2017

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Moskau (SID) Der Weg zum fünften Stern wird kein Spaziergang: Titelverteidiger Deutschland spielt bei der WM 2018 in der Vorrunde gegen Mexiko, Italien-Bezwinger Schweden und Südkorea.

Joachim Löw plauderte im Moskauer Kreml entspannt mit seinen Trainerkollegen aus aller Welt, die WM-Auslosung hatte den Bundestrainer nicht aus der Ruhe gebracht. Mexiko, Schweden und Südkorea – mit den Gegnern, die ihm die „Losfeen“ Diego Maradona, Cafu und Fabio Cannavaro zuteilten, konnte Löw zufrieden sein. Der Weg zum fünften Stern wird für den Weltmeister 2018 in Russland damit kein Spaziergang, es hätte aber auch weit schlimmer kommen können.

„Erschrocken bin ich sicher nicht“, sagte Löw im Moskauer Machtzentrum über die „sportlich sehr interessanten Gegner“. Als Weltmeister müsse sein Team aber „egal, in welcher Gruppe wir sind, weiterkommen. Das ist unser Anspruch“, sagte er im ZDF. DFB-Präsident Reinhard Grindel sprach von „reizvollen Aufgaben“ in GruppeF. Der aktuell verletzte Kapitän Manuel Neuer meinte: „Es sind alles sehr ernstzunehmende Gegner, bei denen es aber unser klares Ziel sein muss, uns als Gruppenerster durchzusetzen.“

Ein ganz dicker Brocken wartet wohl erst im Halbfinale, im Viertelfinale sind dagegen die hoch gehandelten Belgier und England mögliche Gegner. Dass es bereits im Achtelfinale zu einem Duell mit Rekordweltmeister Brasilien aus der Nachbargruppe E kommt, ist nur dann wahrscheinlich, wenn einer der beiden Favoriten in der Vorrunde schwächeln würde.

Am 17. Juni (17.00 Uhr/MESZ) bekommt es Löws Mannschaft im Moskauer Luschniki-Park zunächst mit Mexiko zu tun, das im Sommer im Halbfinale des Confed Cups 4:1 geschlagen wurde. Am 23. Juni (17.00 Uhr) ist in Sotschi Italien-Schreck Schweden – aktuell noch ohne Superstar Zlatan Ibrahimovic – der Gegner, zum Abschluss der Gruppenphase geht es am 27. Juni (16.00 Uhr) in Kasan gegen Südkorea mit dem früheren Leverkusener Heung-Min Son.

„Jetzt“, sagte Löw, „kennen wir auch unseren Weg durchs Turnier“ – und der würde als Gruppensieger über Sankt Petersburg und Samara zum Halbfinale und Endspiel zurück ins Luschniki führen. Die Mitfavoriten Frankreich, Spanien und Argentinien sowie Europameister Portugal befinden sich in der „oberen“ Turnierhälfte und sind erst im Halbfinale mögliche Gegner. Im Achtelfinale würde es gegen Brasilien, die Schweiz, Costa Rica oder Serbien gehen.

Weil der „deutsche Weg“ klar ist, wird der DFB in Kürze die Quartiersfrage klären. Die Tendenz könnte gen Moskau gehen – in Sotschi spielt der Weltmeister nur ein Mal.

Das Eröffnungsspiel am 14. Juni im Luschniki bestreiten Gastgeber Russland und Saudi-Arabien. In Gruppe B bekommt es Spanien mit Portugal zu tun, Vize-Weltmeister Argentinien trifft in der wohl schwersten Gruppe D auf Neuling Island, Kroatien und Nigeria.

Mit Highlights der WM-Geschichte, die über drei Leinwände flimmerten, sowie russischer Folklore wurden 1400 geladene Gäste auf die Ziehung eingestimmt. Löw, der bei seiner Ankunft gut gelaunt für Fotos posierte, verfolgte das Geschehen aus der vierten Reihe, eingerahmt von DFB-Manager Oliver Bierhoff und Grindel.

Als Ehrengast Miroslav Klose die WM-Trophäe in den Saal trug, blickte er interessiert auf die Bühne. „Wenn man ihn sich so anschaut“, sagte WM-Rekordtorschütze Klose über den Pokal, „kommen so viele emotionale Bilder hoch, das hat etwas Magisches“. Ginge es nach Löw, geht der Cup nur als Leihgabe nach Russland: bis zum Moskauer Finale am 15. Juli. Für Löw ist „alles unserem Ziel untergeordnet, in Russland erneut Weltmeister zu werden“.

Eintrittskarten direkt für die deutschen Spiele können seit dem 5. Dezember bestellt werden. Dann startet der Weltverband FIFA (über FIFA.com/tickets) den Verkauf der Ticketkontingente, die allen teilnehmenden Nationalverbänden zugeteilt werden – je acht Prozent der frei verfügbaren Stadionkapazität. Von bislang 750.000 verkauften Tickets gingen rund 28.000 nach Deutschland.

Russlands Staatspräsident Wladimir Putin versprach im Kreml ein „großartiges Turnier“. Sein Land beherrsche es meisterhaft, „Freunde zu empfangen – das weiß jeder, der einmal in Russland gewesen ist“.

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Fußball-Bundestrainer Joachim Löw ist nach der WM-Auslosung im Moskauer Kreml zur ersten Analyse der deutschen Gruppengegner übergegangen. Löw über…

…MEXIKO

„Mexiko ist eine Mannschaft von wahnsinnig gutem Niveau. Wir kennen sie noch vom Confed Cup, da haben wir sie geschlagen. Sie haben eine technisch und taktisch sehr gute Mannschaft. Das ist ein schwerer Brocken zum Auftakt. Ein erster Gegner, den keiner auf die leichte Schulter nehmen kann. Sie haben die letzten Jahre immer klasse abgeschnitten und gut gespielt. Man weiß bei einem Turnier: Wenn es losgeht, muss man bereit sein. Und danach muss man sich steigern.“

…SCHWEDEN

„Sie haben Italien in den Play-offs rausgekegelt, sie sind also absolut nicht zu verachten. Sie sind gefährlich, ich erinnere nur an das 4:4 in der WM-Qualifikation nach 4:0-Führung. Dieses Spiel hat gezeigt, dass man niemals aufgeben darf. Diesmal wollen wir 5:0 führen, um sicher zu sein. Ich war nicht überrascht, dass sie zur WM fahren. Sie sind harte Kerle, der Geist in der Mannschaft ist sehr gut, sie haben großes Selbstvertrauen und verteidigen gut. Sie wissen, dass für sie alles möglich ist.“

…SÜDKOREA

„Der größte Feind ist, wenn man glaubt, gegen Mannschaften wie Schweden oder Südkorea nur 80 oder 90 Prozent abrufen zu müssen. Aber die kämpfen ums Achtelfinale mit allem, was sie haben. Ich kenne sehr viele koreanische Spieler, Heung-Min Son von Tottenham Hotspur, klar, sie spielen ja auch teilweise in der Bundesliga – aber ich kann sie nur schwer aussprechen. Sie haben eine klasse Mentalität und sind sehr schnell. Sie werden besser und besser. 1981 habe ich in Frankfurt mit Bum-Kun Cha zusammengespielt, das war der Beste.“