arag sid

September 2020

Sport-Informations-Dienst (SID)

Freiburg (SID) An Brasiliens Fußball-Tempel Maracana hat Horst Hrubesch eher schlechte Erinnerungen. „Hitze, Sonne, Schwitzen“ verbindet der 62-Jährige seit dem 0:1 im März 1982 mit dem legendären Stadion in Rio. 34 Jahre später will der neue, alte Trainer der deutschen U21 mit dem DFB-Nachwuchs an die Copacabana zurückkehren, im Juli 2016 wird dort der Olympiasieger ermittelt.

Die ersten Schritte auf dem Weg zum großen Ziel hat der Trainer-Rückkehrer Mitte August im Test gegen Frankreich in Freiburg gemacht. Und war am Ende zufrieden: „Das Fazit ist absolut positiv. Ich habe gewusst, dass viel Potenzial in der Mannschaft steckt. Aber dass es teilweise so gut läuft, da war ich doch überrascht“, so Hrubesch nach dem 0:0 gegen eine französische Mannschaft, die mit sechs aktuellen U20-Weltmeistern angereist war.

„Olympia ist eindeutig unser Ziel. In meinen Überlegungen, den Job zu übernehmen, hat das eine wichtige Rolle gespielt“, sagte Hrubesch im Interview mit dem SID. Nach der verkorksten EM in Israel mit dem Vorrunden-Aus und der Trennung von Rainer Adrion hat das einstige „Kopfballungeheuer“ wieder das Zepter übernommen. So wie 2009, als er die DFB-Junioren zum EM-Titel führte und anschließend seinen Hut nahm.

Nun soll es ähnlich erfolgreich werden, die EM 2015 in Tschechien ist das Minimalziel. Für die Olympia-Qualifikation ist dort ein dritter Rang nötig, seit Bronze in Seoul 1988 war keine deutsche Mannschaft mehr im Schatten der fünf Ringe dabei. „Ich habe nie bei Olympischen Spielen gespielt, das reizt mich. Aber das ist das Endziel, der Weg dorthin ist lang, zuerst müssen wir uns für die EM qualifizieren. Diesen Weg gehen wir Schritt für Schritt“, sagt Hrubesch, der gegen Frankreich auf Torwart Marc-André ter Stegen, Stürmer Kevin Volland und Defensivspezialist Robin Knoche verzichten musste.

Sorgen macht Hrubesch indes die Schritt-Geschwindigkeit. Sechs der acht Qualifikationsspiele finden noch in diesem Jahr statt, der Vergleich mit Frankreich war der einzige Test. „Wir hatten nur dieses eine Vorbereitungsspiel. Ich möchte die Mentalität sehen, den Willen, das Spiel zu bestimmen. Das ist die Philosophie, die wir haben: Wir wollen attraktiven Fußball spielen, direkten Fußball zeigen. Und gewinnen.“

Für diese Aufgabe scheint Hrubesch bestens geeignet. Seit 15 Jahren arbeitet er als Junioren-Trainer, fast alle ehemaligen Schützlinge sind von ihm angetan. „Ich weiß, dass ich gut mit Jugendlichen kann. Schon als Profi in Hamburg oder Lüttich habe ich die jungen Spieler an die Hand genommen“, so Hrubesch, der um Austausch mit seinen Spielern offen für Neues ist: „Wir lernen voneinander. Wenn mir vor acht Jahren jemand gesagt hätte, dass ich heute alles mit einem Computer mache, hätte ich ihn für verrückt erklärt. Ich denke, dass meine Stärke die Offenheit ist.“

Bei seinen Neuanfang setzt Hrubesch dennoch auf die Spieler des „älteren“ Jahrgangs als Stützen. Nicht mit dabei sind Spieler, die sich bei Bundestrainer Joachim Löw bereits etabliert haben, wie Bayern-Star Mario Götze, daran wird sich nach einer Absprache mit Löw auch nichts ändern. „Das sind Spieler, die zum A-Team gehören, und dabei bleibt es“, so Hrubesch. Mit einer kleinen Einschränkung: „Natürlich kann es auch immer Verletzungen geben und dann kann man den Jungs weiterhelfen. Man weiß nicht, was dann passiert.“