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Juli 2020

Sport-Informations-Dienst (SID)

Hamburg/Teneriffa (SID) Robby Naish schaute ganz genau hin, als der junge Deutsche vor Ho’okipa durch sein Revier pflügte. Atemberaubende Sprünge, spektakuläre Drehungen, waghalsige Manöver: Was die Surf-Ikone vor der eigenen Haustür auf der Insel Maui vom zweimaligen Weltmeister Philip Köster geboten bekam, beeindruckte den 50-Jährigen zutiefst.

„Philip ist groß, kraftvoll und springt höher als alle anderen Jungs“, sagte Naish: „Er ist erst 19 und wird auf jeden Fall für lange Zeit einer der Besten der Welt sein – und das in verschiedenen Disziplinen. Da bin ich mir sicher.“

Worte, die wie ein Ritterschlag klingen und Köster stolz machen. Doch der Sonnyboy von der Insel Gran Canaria, der nach eigenem Bekunden jede Frau für die perfekte Welle stehen lassen würde, hebt – zumindest abseits des Wassers – nicht ab. Der WM-Hattrick im Wellenreiten wird auch für das Wunderkind kein Selbstläufer.

In den vergangenen beiden Jahren sicherte sich der Teenager jeweils den Titel in der Disziplin Wave und kündigte direkt nach seinem großen Triumph im vergangenen September die Attacke auf die dritte Trophäe an. „Klipp und klar: Das Projekt heißt Titelverteidigung. Ich möchte so viele WM-Titel holen, wie es geht.“

Also hatte sich Köster zur Vorbereitung auf die neue Saison, die Anfang August mit dem Weltcup auf Teneriffa begann, das radikalste Windsurf-Revier der Welt ausgesucht. Auf Maui, der zweitgrößten Insel des Archipels Hawaii, wo die Besten der Szene aneinander vorbei fliegen und sich mit spektakulären Tricks immer wieder übertrumpfen, legte er die Basis für neue Höhenflüge.

Köster ist dabei vor eine neue Herausforderung gestellt. Bisher konnte er sich in seinem Heimspot Pozo auf Gran Canaria perfekt auf alle Weltcup-Stationen vorbereiten, doch in diesem Jahr kommt im Dezember ein Stopp in Chile hinzu, bei dem der Wind ungewohnt von rechts weht.

Doch Köster, der nach Naish jüngste Weltmeister aller Zeiten, liebt es, sich an neuen Orten an die Wellen heranzutasten. „Starke und extreme Wetterbedingungen zu meistern, wie zum Beispiel auf Fidji, haben mir gezeigt, dass dieser Sport nie langweilig wird“, sagte er: „Es gibt noch so viele verschiedene Spots, die ich nicht kenne und die mir meine Grenzen zeigen, zum Beispiel extrem hohe brechende Wellen.“

Köster, der auf die typischen Surfer-Partys und Alkohol gerne verzichtet und an Land eher schüchtern daher kommt, gelingt es immer wieder, an Aufgaben zu wachsen und sein Limit zu verschieben. Am Triple Loop, einer dreifachen Drehung um die eigene Achse, will er weiter arbeiten, bevor er seinen Saisonhöhepunkt beim Super Grand Slam im September auf Sylt erlebt. Dort hat vor 29 Jahren schon Robby Naish triumphiert. Und Köster hat für seinen Auftritt an der Nordseeküste wie immer nur einen Wunsch: „Wind!“