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Dezember 2019

Landessportbünde

Asterix und Obelix hätten ihre wahre Freude gehabt im Haus des Sports. Denn die phantasievollen Substanzen, die rund 180 junge Sportlerinnen und Sportler dort als „Wundermittel“ mit Namen wie „Darkosis“, „Kick“, „Jump-Star“, „Lolly 1.0” oder “Heronin 2.0”auf Plakaten skizzierten, wären so ganz nach dem Geschmack der beiden Gallier gewesen. Doch wie schnell der Spaß im Leistungssport bei Einnahme unerlaubter Mittel seine Grenzen erreicht, wurde den Kaderathletinnen und -athleten an diesem Abend auch bewusst.

Es war der Auftakt zur dritten Infowoche Dopingprävention „Saubere Leistung – kein D(op)ing!“ des HSB. Dass dieser mit der jüngsten Altersgruppe (12 bis 14 Jahre) eher spielerisch ablief, gehört zum bewährten Konzept. „Hier wird ihnen bewusst, dass es das perfekte Dopingmittel eigentlich nicht gibt“, so Referent Michael Sauer (Deutsche Sporthochschule Köln/Manfred Donike Institut für Dopinganalytik). An zwei weiteren Abenden vermittelte der Präventionsspezialist dann den älteren Kaderathleten/innen (C- und D/C-Kader) das Wichtigste zum Thema Doping und wie sie sich davor schützen können.

Warum wachsen die Hoden nicht mehr bei Anabolika-Einnahme? Ab welcher Liga gibt es eigentlich Dopingkontrollen? Dies waren nur zwei Fragen, die das Interessenspektrum der Zuhörer – von denen kaum jemand bislang eine Kontrolle selbst erlebt hat – illustrieren. So appellierte Sauer vor allem an die Selbstverantwortung jedes einzelnen, ganz nach dem  Motto: „Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.“ Egal, ob die unbeabsichtigte Einnahme eines verbotenen Wirkstoffes über ein Medikament oder ein Nahrungsergänzungsmittel – der Nachweis in Urin oder Blut führt immer zur Sperre. Sauer warnte auch: „Mit Cannabis, selbst wenn nur passiv geraucht, seid ihr sicher dran!“. Daher legte er den Athleten praktische Hilfen ans Herz, darunter die NADA App für das Smartphone und die NADA Medicard für das Portemonnaie. „Die müsst ihr noch nicht mal selbst lesen, holt sie einfach raus, wenn ihr beim Arzt oder in der Apotheke seid. Damit umgeht ihr 80 Prozent der Fettnäpfchen.“

Zu dem unter Jugendlichen beliebten Thema Nahrungsergänzungsmittel animierte Sauer seine Zuhörer zum Nachdenken: „Ergänzt oder ersetzt ihr damit eigentlich Nahrungsmittel?“ Für den 16-jährigen Alex Vollmer brachte der Abend viel Neues: „Das war informativ und so gestaltet, dass es nicht langweilig war. Ich wusste auch nicht, dass es so viele Gefahrenstellen gibt.“

Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie die App oder die Medicard

Bereits 2009 und 2011 erreichte der HSB mit den Infowochen rund 600 Sportler/innen zwischen zwölf und 19 Jahren. Diesmal kamen weitere 400 hinzu. Es gehört aber zum Konzept, auch mit dem Umfeld der Sportler/innen in Dialog zu treten. Traditionell daher der Elternabend, zu dem diesmal rund 50 Mütter und Väter von Kaderathlet/innen kamen. „Ihre Kinder sind keine Breitensportler, für sie gelten andere Regeln“, stimmte Referent Sauer die Anwesenden ein, machte aber auch ein Dilemma deutlich: Dass nämlich der Dopingbegriff außerhalb des Sports gesellschaftlich akzeptiert ist, verstärkt durch die suggerierende Werbung für Shampoo, Kleidung oder Medikamente zur Steigerung der Leistungsfähigkeit.

Neben Informationen über das Dopingkontrollsystem sowie unerlaubte Wirkstoffe und Methoden nahmen die Eltern auch mit nach Hause, dass die größten Dopingfallen in vermeintlich harmlosen Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln lauern. Folgerichtig die „Hausaufgabe“ von Michael Sauer: „Schauen Sie mit Ihrem Kind die Hausapotheke durch!“ Hilfreich ist hierbei auch die Datenbank NADAmed. „Der Infoabend ist ein gutes Angebot. Hier erfährt man wichtige Dinge für den Alltag. In Apotheken habe ich schon mehrmals schlechte Erfahrungen mit der Beratung gemacht“, befand denn auch Heike Reinhold, deren 15-jähriger Sohn Basketball-Auswahlspieler ist. Claudia Justus war bereits zum zweiten Mal beim Elternabend. „Ich habe hier viel Neues erfahren.“ Auch Markku Slawik, leitender Landestrainer Hockey, mischte sich unter die Zuhörer: „Bei diesem Thema ist mir der Kontakt zu den Eltern wichtig, um zu wissen, wo Sorgen, Fragen oder Probleme sind.“ Insgesamt, so Slawiks Fazit, sei die Veranstaltung noch besser auf die Zielgruppe abgestimmt worden als noch vor zwei Jahren.

Viel Neuland für Anti-Doping-Beauftragte

Am letzten Abend der Infowoche war Slawik als Anti-Doping-Beauftragter seines Verbandes beim Workshop gefordert. Gemeinsam mit acht anderen Amtsinhabern oder deren Vertretern ging es insbesondere um Fragen, wie Dopingprävention sinnvoll praktiziert werden kann, welche Qualifikationen man eigentlich für diese Aufgabe benötigt und welche Erfahrungen im Umgang mit jungen Sportler/innen vorliegen. Für die meisten, so zeigte sich, sei Präventionsarbeit mehr oder weniger noch Neuland. Slawik weiß aber: „Die besten Multiplikatoren für das Thema sind die Athleten selbst. Insbesondere diejenigen, die die Infowoche beim HSB schon besucht haben, müssten jüngere Sportler dazu motivieren, ebenfalls zu kommen.“ Sauers genereller Rat: „Arbeiten Sie vor allem an der Haltung der Athleten. Es geht nicht primär um das Thema Doping. Sprechen Sie über die Randthemen und stärken Sie die Sportler gegen mögliche negative Einflüsse. In der Wissenschaft sprechen wir von Resilienz.“

Wie fließend die Grenzen manchmal sind, zeigte sich an der Diskussion um Schmerzmittel im Leistungssport. Wenngleich vielfach erlaubt, verschieben sie körperliche Grenzen der Belastbarkeit. Und: Insbesondere Profisportler liefern hier kein rühmliches Vorbild für den Nachwuchs, wenn sie propagieren, nicht mehr ohne Tabletten in den Wettkampf zu gehen.

Was manchem an diesem Abend wohl nicht klar war, brachte Sauer unmissverständlich auf den Punkt: „Sie sind qua Amt der verlängerte Arm der Exekutive im Sport.“ Gleichzeitig gebe es aber viel Gestaltungsspielraum für jeden Einzelnen, und den gelte es zu nutzen. „Ich möchte Sie ermutigen, sich aktiv einzubringen und Veranstaltungen in Ihren Reihen durchzuführen“, so Sauers Appell an die Anti-Doping-Beauftragten. Hamburg profitiert beim Thema Prävention nicht nur von kurzen Wegen, sondern auch von gewachsenen Strukturen. Das weiß niemand besser als Michael Sauer, der seit vielen Jahren bundesweit zu diesem Thema referiert und auch Mitglied der Kommission Prävention der NADA ist. Sein Lob für den HSB am Schluss des Elternabends: „Ich kennen keinen Landessportverband, der so hartnäckig und akribisch Prävention betreibt.“

Hinweis: Der HSB hat seine Aktivitäten in der Dopingprävention sowie nützliche Tipps in einer neuen Broschüre zusammengefasst. Diese erhalten Sie im Haus des Sports oder als Download unter http://www.hamburger-sportbund.de/resourcen/0026/HSB_Dopingpraevention_Webansicht.pdf.

Quelle: www.hamburger-sportbund.de