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September 2020

Sport-Informations-Dienst (SID)

München (SID) In der Diskussion über den Einsatz mehrerer Chinesinnen in der deutschen Tischtennis-Nationalmannschaft beim EM-Titelgewinn Anfang Oktober im österreichischen Schwechat hat Sportdirektor Dirk Schimmelpfennig die Debatte auf eine übergeordnete Ebene gehoben. „Die Spielerinnen leben und spielen seit vielen Jahren in Deutschland und haben auf dieser Grundlage die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten. Also, wenn man moralisieren will, stellt man damit auch unser gesellschaftspolitisches System in Frage“, sagte Schimmelpfennig in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung.

Die gebürtigen Chinesinnen Han Ying und Shan Xiaona waren beim insgesamt fünften EM-Erfolg für die Damen des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) die Leistungsträgerinnen und rechtfertigten damit ihre Nominierung nachdrücklich. „Sie sind Deutsche und werden von uns auch so behandelt. Und weil sie zu den fünf besten Spielerinnen Deutschlands gehören, haben sie gespielt. Insofern ist eine Nationalmannschaft immer auch nur ein Abbild unserer multikulturellen Gesellschaft“, sagte Schimmelpfennig weiter.

Für den 51-Jährigen ist die Debatte allerdings auch eine Auswirkung der unterschiedlichen Behandlung eingebürgerter Spielerinnen durch die internationalen Verbände. Während Han und Shan auf europäischer Ebene und auch bei Olympischen Spielen einsatzberechtigt wären, dürfen die beiden Asiatinnen bei WM-Turnieren nicht für den DTTB schmettern. Laut Reglement des Weltverbandes ITTF „haben sie die deutsche Staatsbürgerschaft zu spät erhalten“, erläuterte Schimmelpfennig die Problematik: „Darauf haben wir aber keinen Einfluss. Ich finde das auch nicht gut.“

Der Kölner unterstrich allerdings auch nachdrücklich den Qualitätszuwachs durch die beiden 30-jährigen Asiatinnen für die Trainingsarbeit im DTTB-Kader: „Diese beiden Spielerinnen bereichern das europäische und deutsche Tischtennis. Sie sind in unserem Tischtennis-Zentrum in der ständigen Trainingsgruppe, und es ist für unsere jungen Spielerinnen, die wir für Olympia 2016 in Rio und danach aufbauen wollen, eine hervorragende Grundlage, in den nächsten Jahren mit den besten Spielerinnen trainieren zu können.“