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September 2020

Sport-Informations-Dienst (SID)

Köln (SID) Duften wie Topstar Hamsik vom SSC Neapel? Ein Leichtes mit dem Parfüm „Marek“ aus dem Napoli-Shop (29,95 Euro). Bei der Grünpflege seine Verehrung für Manchester City zeigen? Kein Problem mit der offiziellen Citizens-Gartenkralle (10,95 Pfund). In den Internet-Shops Fußball-Europas gibt es beinahe nichts, was es nicht gibt.

In der Weihnachtszeit brummte das Geschäft mit Fan-Artikeln mal wieder. Merchandising hat sich längst zu einem Multi-Millionen-Business entwickelt. Auf geschätzte acht Milliarden Euro sollen sich 2012 die weltweiten Einzelhandelsumsätze mit Fußballartikeln belaufen haben.

Auch in Deutschland schießen die Verkäufe in den Himmel. „In der vergangenen Saison dürften die deutschen Erst- und Zweitligavereine ihre Merchandising-Einnahmen erstmals über die Marke von 200 Millionen Euro getrieben haben“, sagte Marketing-Spezialist Peter Rohlmann dem Manager Magazin: „Knapp ein Drittel davon dürfte auf das Konto des Trikotverkaufs gehen.“

Die Klub-Jerseys sind damit immer noch der König unter den Fanartikeln, bieten sie doch ein Höchstmaß an Identifikation mit dem Klub. Weltführer Real Madrid setzt rund 1,5 Millionen Trikots pro Saison ab. Bei einem Stückpreis von 80 Euro bleiben letztlich 20 Prozent beim Klub – damit lässt sich problemlos der eine oder andere Star bezahlen.

Bayern München, sportlich wie wirtschaftlich Deutschlands Topklub, vermeldete für die Saison 2012/13 Rekordzahlen. „Beim Merchandising war es ein unglaubliches Jahr“, sagte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge: „Es wurden erstmals über eine Million Trikots verkauft. Das habe ich früher nicht für möglich gehalten, dass das einem deutschen Klub mal gelingt.“

Um das Ganze möglichst auszuschöpfen, bieten die Klubs Trikots in den unterschiedlichsten Varianten an. Borussia Dortmund beispielsweise offeriert Heim-, Auswärts-, Ausweich-, Europapokal- und Weihnachts-Trikot – in der Hoffnung, dass eisenharte Fans sämtliche Versionen haben möchten.

Kompromisslose Anhänger können das gesamte Leben in Vereinsfarben bestreiten: Alle Bundesligisten haben Baby-Strampler und Schul-Ausrüstung im Angebot, für ältere Semester bietet ein Lizenznehmer von Borussia Dortmund sogar den BVB-Rollator an (399 Euro).

Die Marketing-Profis der Klubs haben erkannt: Es gibt quasi nichts, auf das sich kein Klub-Logo drucken, sprühen oder dübeln ließe. Wer der Tierwelt etwas Gutes tun will, wird mit dem Fortuna-Düsseldorf-Vogelfutterhaus (29,95 Euro) glücklich. Für gegenteilige Maßnahmen eignet sich die Schalke-Bratpfanne in Königsblau (29,95) in Kombination mit dem FC-Bayern-Grillwürzer (7,90) und der Eintracht-Braunschweig-Grillzange (3,00).

Noch „vogelwilder“ geht es international zu. Der russische Erstligist ZSKA Moskau verkauft für 1290 Rubel (28,50 Euro) eine Gummi-Pferde-Maske, mit der Fans problemlos den eigenen Nachwuchs traumatisieren könnten. Dieser dürfte sich eher über Leeds-United-Schwimmflügel (4,50 Pfund/5,30 Euro) oder den Coventry-City-Bauarbeiterhelm für vernünftige drei Pfund (3,50 Euro) freuen.

Ein Pionier im „Merch-Business“ ist Neil Lennon. Der Teammanager von Celtic Glasgow hat kürzlich als erster Coach einen eigenen Online-Fanshop eröffnet, bietet darin eine stattliche Palette vom Mousepad bis zum pinken Frauen-Shirt mit seinem Logo und Konterfei. Höhepunkt ist der „Neil Lennon Calendar 2014“ (15 Pfund/17,70 Euro) mit zwölf Schwarz-Weiß-Fotografien des Übungsleiters in Posen von nachdenklich bis lasziv. Ein Produkt, das sich in der Bundesliga glücklicherweise noch nicht durchgesetzt hat.