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September 2020

Sport-Informations-Dienst (SID)

Köln (SID) Das Sportjahr 2013 bot neben vielen Highlights auch Stoff, aus dem Albträume gemacht sind: Die Steuer-Affäre von Bayern Münchens Präsident Uli Hoeneß, die Aufdeckung der unwürdigen Bedingungen von Wanderarbeitern im WM-Gastgeberland Katar oder die Doping-Enthüllungen über die Sprint-Stars Tyson Gay und Asafa Powell waren die unrühmlichen Tiefpunkte.

Es wirkte wie ein verspäteter Aprilscherz, doch schnell wurde klar: Uli Hoeneß, Moralapostel und Bayern-Boss mit einem weichen Herzen, hat Steuern in Millionenhöhe hinterzogen. Am 20. April berichtete das Magazin Focus über ein geheimes Konto des 61-Jährigen in der Schweiz. Hoeneß hatte im großen Stil an der Börse gezockt, die erzielten Gewinne zum großen Teil nicht versteuert.

Hoeneß zeigte öffentlich Reue, behielt aber sein Amt als Aufsichtsratsvorsitzender des FC Bayern. Ende Juli erhob die Staatsanwaltschaft München II Anklage wegen Steuerhinterziehung gegen Hoeneß, seine Bayern hatten zu diesem Zeitpunkt das Triple aus Meisterschaft, DFB-Pokal und Champions League gewonnen. Anfang November wurde die Anklage „unverändert“ zur Hauptverhandlung zugelassen.

Auf der Jahreshauptversammlung Mitte November rührte Hoeneß die Unterstützung der Vereinsmitglieder zu Tränen. Nach dem am 10. März 2014 beginnenden Prozess will der Präsident die Vertrauensfrage stellen. Er werde, sagte Hoeneß, dem Verein „so lange dienen, wie ich atmen kann.“

Derweil sorgten die Folgen des gewaltigen Baubooms in Katar vor der Fußball-WM 2022 für weltweite Bestürzung und jede Menge Kritik. Laut einer Recherche der englischen Tageszeitung The Guardian herrscht in dem Emirat eine verheerende Situation für Gastarbeiter aus Nepal und Indien. 44 von ihnen sollen auf den Baustellen gestorben sein, der Internationale Gewerkschaftsbund IGB sprach im August von „moderner Sklaverei“.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International erhöhte Mitte November den Druck: Sie dokumentierte in einem 153-seitigen Bericht miserable Zustände auf den Baustellen. „Es ist einfach unentschuldbar, dass in einem der reichsten Länder der Erde dermaßen viele Gastarbeiter skrupellos ausgebeutet werden“, sagte Amnesty-Generalsekretär Salil Shetty.

Kein Sportjahr ohne Doping-Skandal. Neben den drei schnellsten 100-m-Läufern des Jahres, Tyson Gay aus den USA, Nesta Carter und Asafa Powell sowie Sherone Simpson und Veronica Campbell-Brown (alle Jamaika) wurden auch die jamaikanischen Diskuswerfer Travis Smickle und Allison Randall Mitte Juli knapp einen Monat vor der WM in Moskau positiv getestet.

Besonders die Überführung von Powell und Gay, dem ein Steroid nachgewiesen wurde, erschütterte die Leichtathletik in ihren Grundfesten. Die Enthüllungen warfen zudem einen Schatten auf die Anti-Dopingagentur der Karibikinsel, die aufgrund ihrer niedrigen Testfrequenz zunehmend unter Beschuss geriet. Sprint-Legende Usain Bolt hingegen wurde nicht müde zu erwähnen, dass er sauber sei.

In der 2. Bundesliga zeigte der Fußball Mitte August seine hässliche Fratze, als sogenannte Anhänger von 1860 München den Ingolstädter U21-Nationalspieler Danny Da Costa auf das Übelste rassistisch beleidigten. „Mehrere Leute meinten, bei Einwürfen oder Ballkontakten Sachen wie ‚Nigger‘ oder ‚Schwarzes Schwein‘ in meine Richtung rufen zu müssen. Das war ein Scheißgefühl“, sagte der 20-Jährige dem SID.

Da Costas Mitspieler Ralph Gunesch hatte den Vorfall bei Facebook öffentlich gemacht. In Richtung der Täter schrieb Gunesch, deren Verhalten zeige, „dass Euer IQ knapp über dem eines verbrannten Toastbrotes liegt“.