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September 2020

Landessportbünde

bayernsport: Herr Lommer, 2008 stand das Jahresinterview unter der Überschrift „Die Zeiten werden nicht einfacher“, 2009 hieß es dann „Das bisher angenehmste Jahr“, 2010 „Trotz der Erfolge immer schön auf dem Teppich bleiben“, 2011 „Wir müssen uns gut aufstellen“ und 2012 unser Verbandstagsmotto „Nur gemeinsam geht‘s“. Wie sieht Ihre Bilanz zum Jahresende 2013 aus und welche Schlagzeile würden Sie dem abgelaufenen BLSV-Jahr geben?

Günther Lommer: „Zum sechsten Mal hintereinander gute Gewinne gemacht, 750.000 Euro noch einmal zusätzlich für die Vereine herausgehandelt, durch ein 20 Millionen-Sonderprojekt die Wartezeit für Vereine bei Baumaßnahmen auf unter ein Jahr gedrückt, 1,5 Millionen Euro für die Fachverbände herausgeholt, einen fast perfekten Verbandstag über die Bühne gebracht, noch mehr Professionalität im Präsidium bekommen, die Schulden trotz neuer Investitionen erneut abgebaut, als Sprecher aller Landessportbünde keine schlechte Figur gemacht, mit über 4,4 Millionen Mitgliedern eine neue Höchstmarke geknackt – da könnte man eigentlich hoch zufrieden sein mit dem abgelaufenen Jahr, wäre da nicht die bittere Niederlage beim Bürgerentscheid über Olympia 2022 gewesen. Dieser Dämpfer schmerzt ein wenig, motiviert aber umso mehr, auch in Zukunft den Sport in Bayern in der Erfolgsspur zu halten. Dabei vergesse ich nie, dass diese Erfolge das Werk einer tollen Mannschaft im Haupt- und Ehrenamt war. Und weil ich weiß, dass ich mich auf alle Mitarbeiter hundertprozentig verlassen kann, weil ich weiß, dass hier überwiegend Profis am Werk sind, heißt die Parole: ‚Professionell neuen Zielen entgegen‘, die da heißen ‚die Marke BLSV stärken‘ und ‚fünf Millionen Mitglieder‘ zu erreichen.“

 

bayernsport: Der BLSV hat ein Jahr der Neuausrichtung hinter sich. Bei den sieben Bezirkstagen und dem großen Verbandstag im Juni wurden die Führungsgremien neu- oder wiedergewählt. Dies ist ja auch auf der politischen Bühne passiert, so gibt es mit Joachim Herrmann einen neuen bayerischen Sportminister. Wie ist der BLSV für die neue Legislaturperiode bis 2018 aufgestellt?

Lommer: „Besser als je zuvor. Mit Harald Stempfer und Klaus Drauschke haben wir absolute Fachleute ins Präsidium bekommen, die schon in den ersten Monaten ihre Fähigkeiten unter Beweis gestellt und die Sportfachverbände noch näher an den BLSV herangebracht haben. Der Wechsel vom Kultus- ins Innenministerium ist reibungslos verlaufen, zumal wir im Wesentlichen unsere bisherigen Ansprechpartner behalten haben, und wir fühlen uns im neuen Ministerium gut aufgenommen. Darüber hinaus hat Minister Herrmann uns gegenüber deutlich gemacht, dass ihm der Sport eine Herzensangelegenheit ist.“

 

bayernsport: In diesem Jahr gab es ja viele gute Nachrichten für den organisierten Sport in Bay­ern. Genannt seien das von Ihnen bereits erwähnte Sonderprogramm im Sportstättenbau, das 20-Millionen-Versprechen für ein mögliches Sportcamp in Nordbayern sowie nachhaltig 1,5 Millionen Euro für den Nachwuchsleistungssport. Wie bewältigt der BLSV diese vielen Aufgaben?

Lommer: „Wir sind in der Tat gut bedient worden und haben für die Anliegen unserer Vereine und Verbände bei der Staatsregierung und den meisten Parteien im Landtag in allen Bereichen ein offenes Ohr gefunden. Mit den neuen Sportförderrichtlinien ist uns zudem gemeinsam mit dem Kultusministerium ein großer Wurf gelungen, der den Vereinen bei Baumaßnahmen in puncto bürokratischer Aufwand bei den Kleinanträgen und schnellerer Auszahlung der Mittel mächtig entgegenkommt. Mein Lob und Dank gilt in diesem Zusammenhang vor allem den Mitarbeitern in der Staatsmittelabteilung, die mit kaum größerer Personalkapazität fast sechsmal so viel Geld für die Vereine auf den Weg gebracht haben. Es wäre fatal gewesen, wir hätten mehr Geld bekommen und wären nicht in der Lage gewesen, die Anträge abzuarbeiten. Das war eine Meisterleistung unserer Mitarbeiter! Sehr froh bin ich über die 1,5 Millionen Euro für die Fachverbände, die dringend notwendig waren, um mit zusätzlichen Trainermitteln den Nachwuchsleistungssport zu fördern. Bleibt schließlich noch das Sportcamp in Oberfranken. Auch da sind wir voll im Zeitplan, werden im Frühjahr die endgültige Auswahl treffen, danach in die Planung gehen und mit Hilfe des 20-Millionen-Pakets der Staatsregierung in Nordbayern ein Projekt erstellen, an dem unsere Vereine und Mitglieder viel Freude haben werden. Wir werden der Staatsregierung auch dieses Mal beweisen, dass wir sehr wohl in der Lage sind, solche Aufgaben zu stemmen.“

 

bayernsport: Sie haben derzeit den Vorsitz der Konferenz der Landessportbünde. Damit sind Sie noch bis März 2014 der Sprecher der 16 Länder. Heuer ist mit Dr. Thomas Bach ein Bayer zum IOC-Präsidenten gewählt worden, ebenso vor wenigen Tagen mit Alfons Hörmann ein Bayer an die Spitze des DOSB. Es ist viel passiert, ist dadurch die Position Bayerns gestärkt worden?

Lommer: „Nun, zunächst einmal erfüllt es uns mit Stolz, dass Vertreter aus Bayern an der Spitze des internationalen und nun auch wieder des deutschen Sports stehen. In beiden Fällen bin ich der festen Überzeugung, dass dies jeweils eine gute Wahl war. Ich traue Dr. Bach zu, dass er die vielfältigen Probleme – zuvorderst die Dopingproblematik und die Imagefragen des IOC – zügig angeht und die kritische Begleitung der Medien in ein vertrauensvolles Miteinander umwandeln kann. Alfons Hörmann schätze ich als Menschen, der zielstrebig an seine Aufgaben herangeht und nichts auf die lange Bank schiebt. Auch wenn er vom Spitzensport kommt, weiß ich die Belange der Landessportbünde bei ihm in guten Händen. Der BLSV wird alles tun, um ihn bei seinen sicher nicht leichten Aufgaben zu unterstützen. Die Position Bayerns ist dadurch nicht unbedingt gestärkt. Aber wir fühlen uns wohl, weil wir an den Schalthebeln des Sports Menschen wissen, zu denen wir einen guten Zugang haben und bei denen wir Gehör für unsere Anliegen finden werden.

 

bayernsport: Nicht alles hat geklappt. Im November haben sich die Bürgerinnen und Bürger in den vier betroffenen bayerischen Regionen gegen eine Münchner Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2022 ausgesprochen. Sie haben sich ja auch persönlich sehr stark für diese Bewerbung eingesetzt. Wie tief sitzt der Stachel der Enttäuschung?

Lommer: „Eigentlich kann ich immer noch nicht verstehen, wie man sich eine solche Chance entgehen lassen kann. Wir hatten Olympia praktisch schon in Händen, hätten auf vielfache Art davon profitiert und haben es dann verschenkt. Es wird uns sicher noch mehrfach leidtun. Leider mussten wir einmal mehr erkennen, dass der Sport in Bayern nicht kampagnenfähig ist. Das haben wir erlebt, als der Sport vor etwa drei Jahrzehnten in den Senat wollte und kläglich gescheitert ist und das hat sich 2013 wiederholt. Dabei hätten die Mitglieder in den Vereinen in Garmisch, München und in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land locker gereicht, um die Abstimmungen zu gewinnen. Der Sport hätte von diesem sportlichen Großereignis sicher profitiert, aber nicht nur der Sport. Wir konnten das anscheinend unseren eigenen Leuten nicht vermitteln und müssen daher nicht lamentieren. Selbst schuld! Nun werden die Olympischen Winterspiele 2022 und die Paralympischen Spiele woanders stattfinden, mit einem weitaus schlechteren ökologischen Konzept, mit denselben „Knebelverträgen“ des IOC, wie sie von den Olympiagegnern bezeichnet wurden, und die im Übrigen nicht nur dem Sport in Deutschland, sondern auch der Wirtschaft, dem Tourismus in den Regionen einen gewaltigen Schwung und gute Gewinne gebracht hätten. Aber jetzt werden halt andere das Geld einstecken, das wir nicht wollten. Die Welt des Sports geht für uns deswegen aber dennoch nicht unter. Wir werden aus diesen Abstimmungen unsere Lehren ziehen. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass Olympische Spiele irgendwann auch wieder bei uns stattfinden werden.“

 

bayernsport: Traditionell steht am Ende unseres Jahres-Interviews immer die Frage: Was wünschen Sie sich für den BLSV im Jahr 2014?

Lommer: „Zufriedene, hoch motivierte Mitarbeiter, die mit Freude ihrer Arbeit nachgehen, weiterhin eine harmonische Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen auf Landes-, Bezirks- und Kreisebene, ein wirtschaftlich erfolgreiches Jahr, weil das die Arbeit wesentlich erleichtert, viel Verständnis der Politik für unsere Anliegen im Interesse unserer Vereine, weiterhin steigende Mitgliederzahlen trotz des demographischen Wandels, innovative Vereine, die das sportliche Angebot kontinuierlich erweitern, sportlich faire Wettkämpfe auf allen Ebenen, möglichst verletzungs- und katastrophenfreie Einsätze unserer Sportlerinnen und Sportler und allen unseren Mitgliedern weiterhin viel Spaß und Freude bei der Ausübung ihrer Sportart.“

Quelle: www.blsv.de