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September 2020

Sport-Informations-Dienst (SID)

Berlin (SID) Nur acht statt 38 Millionen Euro – und dennoch von Enttäuschung keine Spur. Die von Bundesinnenminister Thomas de Maizière angekündigte Aufstockung der Spitzensport-Förderung um acht Millionen Euro pro Jahr traf auf breite Zustimmung, auch wenn erst im vergangenen Jahr das knapp Fünffache an Mehrbedarf errechnet worden war – dem Sport scheint der Spatz in der Hand lieb und teuer zu sein.

„Das ist eine gute Sache und entspricht etwa der Summe, die wir als Defizit für die Projektförderung ermittelt haben“, sagte Schwimm-Präsidentin Dr. Christa Thiel, zugleich Vize-Präsidentin Leistungssport im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) über den Zuschuss, der weitgehend für die Projektförderung eingesetzt werden soll. „Das ist grundsätzlich ein gutes Signal“, meinte Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV).

Thiel hatte noch im vergangenen Herbst als Vorsitzende einer internen Kommission des DOSB für den gesamten deutschen Spitzensport einen Mehrbedarf von 38 Millionen Euro errechnet, wenn Deutschland denn in ganzer Breite weiter in der Weltklasse mitmischen wollte. „Das war allerdings nur eine absolute Zahl, die den gesamten Bedarf aufdecken sollte. Dass es nicht immer zu einer hundertprozentigen Sättigung eines solchen Bedarfs kommt, wissen wir nur zu gut“, sagte Thiel.

Die Sportfunktionärin und Rechtsanwältin kann gut mit der von de Maizière in Aussicht gestellten Summe leben, auch wenn eine Million Euro davon fest für die Nationale Anti Doping Agentur (NADA) verbucht wird. „Die Spitzenverbände werden das goutieren“, sagte Thiel. Die Projektförderung wird jährlich festgelegt und beinhaltet Kostenpunkte wie Entsendungen zu Meisterschaften oder Trainingslagern. Dazu erhalten die Verbände eine Grundförderung, die etwa Personalkosten für Trainer und Betreuer beinhalten.

Auch Prokop wertete die Aufstockung des Etats als „Schritt in die richtige Richtung“. Zwar wisse man noch nicht genau, wie das Bundesinnenministerium (BMI) die Mittel im Einzelnen einsetzen werde, dennoch erhöhe sich der Spielraum. „Die acht Millionen Euro können schon eine große Hilfe sein“, betonte Prokop.

Prokop begrüßte es auch ausdrücklich, dass die NADA mehr Geld bekommt und damit Projekte anstoßen könne, die lange auf Eis gelegen hätten. „Die NADA ist auf weitere Zuwendungen angewiesen, um den Anti-Doping-Kampf in Deutschland sinnvoll fortzusetzen. Deshalb hilft das Geld“, sagte Prokop.

Selbst aus der Opposition gab es Zustimmung für den Zuschuss. „Grundsätzlich ist es natürlich zu begrüßen, wenn mehr Geld in den Sport fließt“, sagte der sportpolitische Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen, Özcan Mutlu. Allerdings bleibe weiterhin leider offen, wie die Leistungssportförderung zukünftig ausgestaltet werden soll, meinte Mutlu und forderte in Zeiten der Großen Koalition mehr Transparenz: „Bevor mehrere Millionen Euro zusätzlich für die Projektförderung bereitgestellt werden, wäre eine Diskussion hierüber im Vorfeld wichtig und notwendig gewesen.“

Wichtige Detailfragen über die Verteilung der Gelder stehen in der Tat noch im Raum. Man werde gemeinsam nach Wegen suchen, hatte DOSB-Präsident Alfons Hörmann gesagt, „wie wir die Leistungssportförderung in Deutschland weiter stärken und durch verbesserte Strukturen noch zielgenauer und erfolgsorientierter einsetzen können. Wir sind uns mit Minister de Maizière in dem Ziel einig, den deutschen Sport auch künftig an der Weltspitze zu positionieren.“