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November 2020

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Frankfurt/Main (SID) Das deutsche Fed-Cup-Team hat am Osterwochenende am anderen Ende der Welt Geschichte geschrieben. Nach dem 3:1 in Australien steht Deutschland erstmals seit 1992 wieder im Finale – und träumt vom Titel.

Mit Wodka-Lemon und einer Pyjama-Party an der Flugzeug-Bar feierten die deutschen Fed-Cup-Heldinnen ihren ersten Finaleinzug nach 22 Jahren standesgemäß in 10.000 Meter Höhe. Die Freude über den Halbfinal-Coup in Australien (3:1) war Angelique Kerber, Andrea Petkovic und Co. auch nach der knapp 24-stündigen Rückreise deutlich anzumerken.

„Wir haben an Bord gefeiert und hatten uns an der Bar auf Wodka-Lemon geeinigt. Dann hat uns die Müdigkeit eingeholt. Aber wir sind trotz der Strapazen sehr glücklich“, sagte Teamchefin Barbara Rittner dem SID am Gepäckband 55. Im Besucherbereich empfingen Fans und drei Kamerateams die Finalistinnen, die bei der Ankunft die Schlafanzüge gegen ein straßentaugliches Outfit eingetauscht hatten.

Die erste Strecke von Brisbane nach Dubai hatten die Spielerinnen und ihr Käpt’n in den bequemen Textilien absolviert, die ihnen von den Australierinnen geschenkt worden waren. Bei der Pyjama-Party im Riesen-Airbus 380 musste sich das Team allerdings am Riemen reißen. „Ein paar Leute aus der Business-Class hatten sich beschwert, dass da so laute Geräusche aus der Bar kamen. Die Stewardess hat um Ruhe gebeten. Dann haben wir noch ein bisschen geschlafen“ berichtete Petkovic und rief lauthals: „Jetzt wollen wir den Titel.“

Auch Spitzenspielerin Kerber, die in Brisbane wie bereits im Viertelfinale beide Einzel gewann, war „voller“ Glück. „Der Stress hat sich gelohnt. Wenn wir das Finale gewinnen, gibt es eine Mega-Party“, kündigte die Weltranglistenachte an. Kerber hatte durch ein 4:6, 6:0, 6:4 im Spitzenduell gegen Samantha Stosur den entscheidenden Punkt zum 3:0-Zwischenstand geholt. Danach tanzten die Gäste auf dem Hartplatz der Pat-Rafter-Arena Ringelreihen und sangen wenig später in den Katakomben den Tote-Hosen-Song „Tage wie diese.“

Auch die Glückwünsche von Edelfan Steffi Graf, die bereits vor dem Duell mit Rittner telefoniert hatte, ließen nicht lange auf sich warten. „Was für ein Riesenerfolg… Was für ein tolles Team!!!“, schrieb die 22-malige Grand-Slam-Siegerin bei Facebook und freut sich bereits auf das Titel-Duell am 8./9. November gegen Gastgeber Tschechien: „One more to go, Germany!!!“ Auch die wegen Formschwäche nicht berücksichtigte Sabine Lisicki twitterte: „YYYEEESSSS!!!!“.

Viel Zeit zum Durchschnaufen blieb aber nicht. Unmittelbar nach der Ankunft in Frankfurt ging es für die Spielerinnen weiter zum WTA-Hallenturnier nach Stuttgart. Bundestrainerin Barbara Rittner, die am 25. April ihren 41. Geburtstag feierte, war bewegt vom größten Erfolg seit 1992. „Ich bin unglaublich stolz auf die Mädels. Das ist ein bisschen Geschichte, die sie schreiben“, meinte Rittner mit Blick auf die widrigen Umstände rund um das Halbfinale in Australien. Die lange Anreise, der Jetlag, der Hexenkessel – alles gemeistert.

Dabei bewiesen ihre Spielerinnen auch in Down Under, dass sie den Teamgeist leben – und lieben. Ein Erfolg, der vor allen Dingen Rittner zuzuschreiben ist. „Die Geduld über all die Jahre ist belohnt worden. Das gibt mir schon Genugtuung“, sagte sie.

Bezeichnend, wie Kerber die Momente vor dem Matchball gegen Stosur erlebte. „Ich habe rausgeguckt in die Box und das ganze Team gesehen. Da habe ich gedacht: Du spielst für Deutschland und für jeden Einzelnen da draußen“, beschrieb die 26-Jährige, die längst eine zuverlässige Nummer eins ist. Mit einem Ass beendete Kerber die Partie.