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November 2020

ARAG

Die Temperaturen steigen. Das Risiko, bei Spiel und Sport im Freien von Zecken befallen zu werden, ist nach dem milden Winter recht hoch, sogar höher als in den Jahren zuvor.

Zecken sind außer in der Arktis und Antarktis weltweit verbreitet. Als Parasiten benötigen sie andere Lebewesen, um sich von deren Blut zu ernähren. Als Wirte dienen Vögel, Reptilien und Säugetiere – aber auch Menschen. Viele Zeckenarten übertragen dabei gefährliche Krankheiten zwischen den Wirten.

Die weitverbreitete Vorstellung, dass Zecken sich von Bäumen auf ihre Opfer fallen lassen, ist ürigens falsch. Zecken bevorzugen Waldränder und Waldlichtungen in Laub- und Mischwäldern; ebenfalls beliebt bei Zecken sind Bachufer oder Bachläufe sowie Gebüsche und hohe Gräser an Wegrändern.

Die Spinnentiere sind auf dem Vormarsch. Der Klimawandel macht sich auch bei den Verbreitungsgebieten der Zecken bemerkbar. Da sich in Deutschland die Durchschnittstemperatur in den vergangenen Jahren erhöht hat, kann inzwischen kaum noch ein Gebiet als absolut zeckenfrei angesehen werden.

Die Lyme-Borreliose ist die häufigste durch Zecken übertragene Infektion in Europa. Die Zecken übertragen das Bakterium während des Blutsaugens innerhalb weniger Stunden auf den Menschen. Deswegen kann durch ein Entfernen der Zecke möglichst bald nach dem Einstich eine Infektion meist vermieden werden. Jährlich erkranken in Deutschland schätzungsweise zwischen 50.000 und 70.000 Menschen an einer Borreliose.

Anders als der Name „Frühsommer-Meningoenzephalitis“ (FSME) es vielleicht vermuten lässt, kann man sich nicht nur im Frühsommer mit dem Virus infizieren. Das FSME-Virus löst Erkrankungen aus, die mit grippeähnlichen Symptomen, Fieber und bei einem Teil der Patienten mit einer Meningoenzephalitis, der Entzündung des Gehirns, einhergehen. Da es sich um ein Virus handelt, lässt sich die Grunderkrankung nicht mit Antibiotika heilen. Es ist nur möglich, einzelne Symptome zu lindern.

Anders als bei der Borreliose können für FSME flächenhafte Endemiegebiete abgegrenzt werden. Die Zahl der Risikoregionen in Deutschland hat seit 2001 allerdings stetig zugenommen, und es kommen weitere hinzu – selbst in Brandenburg und Norddeutschland ist es schon zu einzelnen Infektionen durch Zecken gekommen.

Ein paar Verhaltensregeln sollten Spaziergänger und Sportler im Freien beherzigen: Der Aufenthalt im hohen Gras oder Unterholz sollte vermieden werden. Wer geschlossene Kleidung mit langen Ärmeln und lange Hosen trägt, bietet den Parasiten wenig Angriffsfläche. Helle Kleidung ist dabei günstiger als dunkle, denn die Zecken kann man gut darauf erkennen und entfernen bevor es zum Stich kommt. Insektenabweisende Mittel helfen zumindest eine Weile, stellen aber keinen sicheren Schutz vor Zecken dar. Wer sich in der freien Natur aufgehalten hat, sollte anschließend seinen Körper gründlich nach Zecken absuchen. Zecken sind winzig klein und krabbeln auf dem Körper und der Kleidung herum, um eine geeignete Einstichstelle für das Blutsaugen zu finden. Sie bevorzugen dünne und warme Haut. Deshalb sollten die Arme, Kniekehlen, Hals, Kopf und der Schritt gründlich nach Zecken abgesucht werden.

Gegen die Lyme-Borreliose gibt es keinen zugelassenen Impfstoff, wohl aber gegen die gefährlichere FSME. Die FSME-Impfung kann allen empfohlen werden, die in einem Risikogebiet leben oder dorthin reisen und Zecken ausgesetzt sind.