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September 2020

Sport-Informations-Dienst (SID)

Gelsenkirchen (SID) Donis Avdijaj ist erst 17, aber schon sehr begehrt. So sehr, dass Schalke 04 dem Stürmertalent einen Vertrag bis 2019 gegeben hat. Wer ihn vorher verpflichten will, muss angeblich knapp 50 Millionen Euro zahlen. Der Spieler mit der vermeintlich teuersten Ausstiegsklausel der Fußball-Bundesliga sitzt aber wohl nur auf der Bank, wenn der königsblaue Nachwuchs seine aufsehenerregende Europa-Tour fortsetzt.

„Er ist einer der wenigen Straßenfußballer, die es noch gibt“, sagt Sportvorstand Horst Heldt im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (SID) über den gebürtigen Osnabrücker mit albanischen Wurzeln, „ein herausragendes Talent, auf das schon viele Vereine aufmerksam geworden sind“.

Beim Halbfinale der neuen UEFA Youth League gegen den FC Barcelona war Avdijaj, nach 44 Toren in einer B-Jugend-Saison in England schon als „Wunderkind“ und „neuer Mesut Özil“ gehandelt, nur zweite Wahl. „Er wurde als 16-Jähriger in den Himmel gehoben, gehypt bis zum geht nicht mehr. Damit muss er erstmal klarkommen“, sagt Trainer Norbert Elgert, „er muss jetzt nicht alle in Grund und Boden schießen.“

Behutsam soll das Supertalent aufgebaut werden, „er muss noch erwachsen werden und erkennen, was notwendig ist, um ein Profi zu werden“, merkt Heldt an. Auch weitgehend ohne Mitwirken des 17-Jährigen ist der Schalker Nachwuchs in die Elite Europas vorgestoßen. Neben Barca, der weltbesten Talentschmiede, stehen auch Real Madrid und Benfica Lissabon in Nyon/Schweiz in der Endrunde.

Die erfolgreichen Auftritte in der neuen Jugend-Champions-League sind der jüngste Beweis für die außergewöhnliche Arbeit, die Elgert und Co. auf Schalke leisten. Weltstars wie Mesut Özil und Manuel Neuer, ein von den Großklubs umworbenes Talent wie Julian Draxler brachten sie hervor. Sieben, acht Eigengewächse standen zuletzt beim Bundesliga-Dritten auf dem Platz – die sogenannte „Knappenschmiede“ hat Vorbildcharakter. „Wir investieren in Forschung und Entwicklung, um am Ende auch das Produkt zu präsentieren“, sagt Heldt mit Stolz.

„Bei unseren Konkurrenten ist im Moment der Teufel los“, hat Elgert festgestellt. Dass selbst Bayern München und Borussia Dortmund neidisch nach Gelsenkirchen schauen, liegt nicht an den drei bis vier Millionen Euro, die Schalke jährlich in seinen Nachwuchs steckt. „Es gibt Vereine, die mehr investieren“, sagt Heldt.

Ein wichtiger Faktor ist Elgert selbst. Der 57-Jährige ist seit 1996 als A-Jugend-Trainer der wichtigste Ausbilder auf Schalke. „Er ist wie ein Vater“, sagt Heldt und bezeichnet den ehemaligen Stürmer als „einen der besten Trainer der Welt in diesem Bereich“.

Elgert, in Gelsenkirchen „auf Kohle geboren und mit Emscherwasser getauft“, sieht sich „nicht nur als Angestellter, sondern auch als Fan“. Einen Job in der Bundesliga traut er sich durchaus zu, „aber ich habe mich ganz der Ausbildung verschrieben“. Der DFB ehrte ihn jüngst als Trainer des Jahres, Heldt adelt ihn als „Taktikfuchs mit einem guten Näschen für Qualität“.

Dass ihn auch seine ehemaligen Schützlinge sehr schätzen, bewies im vergangenen Jahr Mesut Özil. Der Nationalspieler lud Elgert zum Endspiel um die Copa del Rey nach Madrid ein.

Um Elgert herum hat Schalke in den vergangenen Jahren seine „Knappenschmiede“ professionalisiert. Als nach Özil und Neuer plötzlich nichts mehr kam und auch der DFB die Zertifizierung verweigerte, wurde vor allem in Personal investiert: Ex-Profis wie Christian Wörns, Frank Fahrenhorst und Tomasz Waldoch als Trainer, ein Pädagoge, ein Psychologe, Individualtrainer. Seitdem sprudelt die Quelle der Jugend wieder.