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Oktober 2020

Sport-Informations-Dienst (SID)

Leipzig (SID) Bissig, humorvoll und mit viel Klartext: DOSB-Präsident Alfons Hörmann legte bei der Bundestrainer-Konferenz in Leipzig einen seiner bislang lebhaftesten Auftritte in seiner knapp sechsmonatigen Amtszeit hin. Der 53-Jährige sparte nicht mit Selbstkritik, forderte aber auch mehr Professionalität und Gestaltungswillen.

„Im deutschen Sport wird an vielen Stellen nicht gestaltet, sondern verwaltet“, sagte Hörmann. Der 53-Jährige beschwor mit Blick auf die 98 Mitgliedsorganisationen im DOSB einen neuen Geist. „Wir haben kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem. Wir brauchen nicht wieder ein neues Papier, lassen Sie uns anpacken.“

Als Beispiel nannte der Allgäuer die anhaltende Debatte um die unzureichende Trainerausbildung in Deutschland. Angesichts des großen Mangels an guten Übungsleitern sei es wichtig, dass der Bachelor-Abschluss an der Trainer-Akademie in Köln endlich eingeführt werde. Hörmann machte das Thema zur Chefsache: „Ich verspreche Ihnen, bis zur Mitgliederversammlung im Dezember ist dieses Problem gelöst.“

Bei den Delegierten kam der klare Ton gut an. „Alfons Hörmann steht für Sachpolitik und Professionalität. Diese Dinge brauchen wir jetzt“, sagte Sportdirektor Dirk Schimmelpfennig vom Deutschen Tischtennis-Bund (DTTB). „Ich danke Alfons Hörmann für die klaren Worte. Wenn es uns nicht gelingt, die Trainer in Deutschland zu akademisieren, werden wir in Zukunft mit der Weltspitze nicht mithalten können“, sagte Martina Münch, Bildungsministerin von Brandenburg.

Anders als Funktionärskollegen wertete Hörmann das Abschneiden der deutschen Mannschaft bei Olympia in Sotschi mit 19 Medaillen weiter als Enttäuschung. Nur mit Reformen bei der Förderung von Trainern und Athleten sei die Talfahrt zu stoppen. Bis zu den nächsten Winterspielen schaffe man die Kehrtwende aber nicht: „Wir können nicht alle Schwachstellen in den nächsten vier Jahren lösen. Das ist keine Frage des Fingerschnippens. Ich denke, es dauert eher acht bis zwölf Jahre. Und wenn wir nichts verändern, wird sich die Abwärtsspirale fortsetzen.“

Einen kleinen Seitenhieb konnte sich Hörmann in Richtung Geldgeber Bund nicht verkneifen. Nachdem Gerhard Böhm, Abteilungsleiter Sport im BMI, mit zwei Stunden Verspätung in Leipzig erschienen war, meinte Hörmann. „Zwei Stunden dauerte die Reparatur auf dem Rollfeld? Wenn der deutsche Sport doch auch nur so schnell zu reparieren wäre.“

Einig waren sich alle Teilnehmer, dass die Ausrichtung von Olympischen Spielen in Deutschland neue Kräfte freisetzen würde. „Das betrifft auch das Generieren neuer Gelder“, sagte Hörmann. Auch die Trainer begrüßten eine Bewerbung Berlins oder Hamburgs für Olympische Sommerspiele. „Lasst uns endlich mal wieder diesen Heimvorteil nutzen“, formulierten sie einheitlich.