Frankfurt/Main (SID) Nach dem Desaster von München will sich der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) bei der nächsten Olympia-Bewerbung keine Blöße mehr geben. Die DOSB-Spitze hat den Interessenten Berlin und Hamburg einen Fragenkatalog vorgelegt, mit dem die Rahmenbedingungen in den beiden Großstädten erörtert werden sollen. Damit gehen die Vorbereitungen auf einen möglichen neuen Bewerbungsversuch in die heiße Phase.
Der Katalog, der Ende Mai bei der DOSB-Präsidiumssitzung verabschiedet wurde, besteht aus 13 Fragen. Berlin und Hamburg sollen die Fragen, bei denen es unter anderem um Finanzierung, Nachhaltigkeit und Bürgerwillen geht, bis Ende August beantworten. In der Zwischenzeit will der DOSB erörtern, ob eine Bewerbung für 2024 oder erst für 2028 angestrebt werden soll.
„Wir haben in den vergangenen Wochen mit den politisch Verantwortlichen und den Präsidenten der Landessportbünde von Berlin und Hamburg Informationsgespräche geführt. Dabei haben beide Städte ihr großes Interesse an einer Bewerbung unterstrichen“, sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann.
Der DOSB-Chef erklärte, dass ein nationales Ausscheidungsverfahren von keinem Beteiligten gewünscht sei: „Vom DOSB wird erwartet, dass er sich frühzeitig festlegt, mit welcher Stadt Deutschland ins Rennen geht.“ Die Rahmenbedingungen und die internationalen Chancen seien dafür laut Hörmann die entscheidenden Kriterien.
Der DOSB will deshalb die Frage der „internationalen Konkurrenzsituation“ klären und darüber beraten, ob eine parallele Bewerbung um die Spiele 2024 und die Fußball-EM 2024 durch den Deutschen Fußball-Bund (DFB) möglich ist.
Sollte eine Entscheidung für eine Bewerbung 2024 fallen, müsste das DOSB-Präsidium im Herbst anhand der vorgelegten Antworten auf den Fragenkatalog und in Abstimmung mit den weiteren Beteiligten (Spitzenverbände, Landessportbünde und Verbände mit besonderen Aufgaben) seinen Favoriten benennen.
Dieser würde dann der Mitgliederversammlung am 6. Dezember 2014 in Dresden zur Entscheidung vorgelegt werden. Die Bewerbung muss im Herbst 2015 beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) verbindlich angekündigt werden.
Die bisher letzte deutsche Bewerbung um die Winterspiele 2022 war nach Bürgerentscheiden in München und Garmisch-Partenkirchen sowie den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land gescheitert.
Neben der Olympia-Bewerbung sprach das DOSB-Präsidium erneut über eine Strukturreform. „Dabei geht es um die Wahrung der klassischen Präsidiumsstruktur in Verbindung mit einer modernen Führungsstruktur im Hauptamt“, sagte Hörmann. Wer vom jetzigen Präsidium dem künftigen Gremium nicht mehr angehören will, soll sich in den kommenden Tagen klären.
Zudem soll die Mitgliederversammlung laut Hörmann „mehr Entscheidungskompetenz“ erhalten: „Wir wollen mehr Demokratie wagen. Das ist notwendig, richtig und zeitgemäß. Acht Jahre nach der Gründung des DOSB ist das der nächste Schritt.“
Außerdem beschloss das Präsidium, dass sich der DOSB mit 20.000 Euro an der Errichtung des Gedenkraums für die Terroropfer der Olympischen Spiele 1972 in München beteiligen wird.
Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat den Interessenten an einer Olympia-Bewerbung einen Fragenkatalog vorgelegt. Berlin und Hamburg müssen folgende 13 Fragen beantworten: