arag sid

Oktober 2020

Sport-Informations-Dienst (SID)

Recife (SID) Präsident Barack Obama feuert sein „Team USA“ an, „Beißer“ Luis Suárez bittet die Welt um Vergebung und Gastgeber Brasilien bricht alle Rekorde: Die sozialen Netzwerke sind bisher „DAS“ Barometer der WM, stets am Pulsschlag des Turniers. Doch Vorsicht: Das sorglose Gezwitscher kann schnell mal nach hinten losgehen.

So sorgte ein umstrittener Tweet der niederländischen Fluggesellschaft KLM zu Beginn der Woche für reichlich Internet-Ärger. Nach dem 2:1 der Elftal um Superstar Arjen Robben im Achtelfinale gegen Mexiko twitterte das „königliche“ Unternehmen den Spruch „Adios Amigos“ und dazu ein Foto eines Schildes mit der Aufschrift „Departures“ (Abflüge).

Der vermeintliche PR-Coup ging ordentlich nach hinten los. Weil sich vor allem mexikanische User durch den Eintrag rassistisch beleidigt fühlten, wurde er ruckzuck wieder gelöscht. KLM blieb nichts anderes übrig, als sich in aller Öffentlichkeit zu entschuldigen.

Für einen Eklat hatte zuvor schon die US-Fluglinie Delta gesorgt. Nach dem 2:1-Erfolg der USA in der Vorrunde gegen Ghana setzte die Fluggesellschaft einen Tweet ab, der das Ergebnis auf einem geteilten Bild zeigte – links war die Freiheitsstatue zu sehen, rechts eine Giraffe. „Glückwunsch, Team USA. Nettes Tor, Clint Dempsey“, hieß es in dem Eintrag. Dass es in Ghana gar keine Giraffen gibt – geschenkt. Der erhoffte positive Effekt war ins Gegenteil verkehrt.

Die sozialen Netzwerke werden immer mehr zur gezielten Eigenwerbung und Imagebildung genutzt. Ob Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Fotos aus der deutschen Kabine, Obama beim Anfeuern des US-amerikanischen Teams in der „Air Force One“ oder Brasiliens Staatspräsidentin Dilma Rousseff als Seleção-Fan von der Tribüne aus – auch die Politik hat Sportveranstaltungen inzwischen als multimediale Bühne für sich entdeckt.

Spieler wie Luis Suárez sind im Umgang mit Twitter und Co. längst Profis. Sie nutzen die Internet-Plattformen für eher belanglose Kommentare, oder aber auch für persönliche Stellungnahmen. So entschuldigte sich der uruguayische Bad Boy Suarez über das Kurznachrichten-Portal nun doch bei seinem Opfer „Giorgio Chiellini und der gesamten Fußball-Familie“.

Er „bedauere zutiefst, was passiert ist“, schrieb Suarez am Montag mit reichlich Verspätung bei Twitter, sechs Tage nach seiner neuerlichen Beiß-Attacke, und „verspreche der Öffentlichkeit, dass es nie wieder einen Zwischenfall wie diesen geben wird“.

Wie groß das Interesse an Fußball-Kurznachrichten bei Twitter inzwischen ist, belegen die Zahlen. Brasiliens Viertelfinaleinzug am Sonntag sorgte für einen nie dagewesen Boom. 16,4 Millionen Tweets machten den Erfolg des Gastgebers im Achtelfinale gegen Chile (3:2 im Elfmeterschießen) zum bislang meistkommentierten Fußball-Ereignis in der Geschichte der Plattform.

Die von einer Stunde vor Anpfiff bis 30 Minuten nach der Entscheidung gezählten Kommentare zu Brasiliens Sieg sind allerdings noch weit vom Twitter-Rekord bei einem einzelnen Sportevent entfernt: Beim Super Bowl der nordamerikanischen Football-Profiliga NFL zu Jahresbeginn verzeichnete das börsennotierte Unternehmen 24,9 Millionen Einträge.