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Dezember 2020

Sport-Informations-Dienst (SID)

Lausanne/Berlin (SID) IOC-Präsident Thomas Bach will den Reformprozess seiner Agenda 2020 weiter forcieren. Insbesondere beim Bewerbungsverfahren für die Ausrichtung Olympischer Spiele setzt Bach in Zukunft stärker auf eine verbesserte Kommunikation mit den Kandidaten. „Wir müssen erklären, erklären, erklären“, sagte Bach zum Abschluss der zweitägigen Exekutivsitzung des IOC: „Wir müssen dafür sorgen, dass der Prozess der Bewerbung transparenter wird.“

Besser erläutert werden müssten vor allem die Kosten, die den Gastgebern von Olympischen Spielen entstehen. Die Diskussion um den Gigantismus von Sotschi 2014, das anlässlich seiner Winterspiele 33 Milliarden Euro investiert hat, fügte dem IOC großen Schaden zu. Allerdings sei nicht richtig klargeworden, so Bach, dass in der gewaltigen Summe langfristige Investitionen wie etwa für Straßenbau und Umsiedlungen enthalten waren, die nicht in unmittelbarem Bezug zum operativen Geschäft der Spiele standen. „Das ist so, als würde jemand bei der Kalkulation seiner Hausparty die Kosten für den Hausbau angeben“, sagte Bach.

In Zukunft wolle man bei der „Logik der zwei Etats“ genauer hinsehen und die tatsächlichen Kosten besser kommunizieren, erklärte Bach. Damit soll auch möglichen Bewerbern für zukünftige Spiele die Angst vor zu hohen Kosten genommen werden. Das IOC muss sich angesichts eines drastischen Bewerber-Schwundes offen und flexibel zeigen, auch das verbirgt sich hinter Bachs Agenda 2020.

Für die Winterspiele 2022 hatten sich von ursprünglich acht Städten am Ende mit Oslo (Norwegen), Almaty (Kasachstan) und Peking (China) noch drei Metropolen beworben, die Anfang Juli durch die Exekutive allesamt den Status einer offiziellen Bewerber-Stadt („Candidate City“) erhielten. Vor allem in Oslo ist die Finanzfrage ein Problem. In der Bevölkerung hatte sich wegen der Kosten zuletzt großer Widerstand formiert.

Mit Blick auf die Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro konnte Bach indes positive Neuigkeiten vermelden. Es gebe in Brasilien eine große Dynamik, ausgelöst durch die Fußball-WM, sagte Bach. Das betreffe die Einstellung der Bevölkerung zu Olympia und auch den Wettkampfstättenbau.

Anfang Mai hatte IOC-Direktor Gilbert Felli noch angemahnt, dass es in Rio Bauverzögerungen von bis zu zwei Jahren geben würde. Erst zehn Prozent der Sportstätten seien zwei Jahre vor Beginn der Sommerspiele 2016 fertiggestellt, zum gleichen Zeitpunkt vor Olympia in London 2012 seien es bereits 60 Prozent gewesen, sagte Felli.