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September 2020

Landessportbünde

Gewinner sind weiterhin Großvereine – Gewichtheben, Bergsport und Behindertensport legen deutlich zu

Die Bestandserhebung 2014 ist ausgewertet und erlaubt dieses Jahr erstmals einen „neuen Blick“ auf den Mitgliederbestand. Die nun jahrgangsweise vorliegenden Meldungen der Vereine ermöglichen neue Formen der Auswertungen wie Alterspyramiden oder Zusammenstellungen neuer Altersgruppierungen, die wichtige Lebensabschnitte abbilden. Die baden-württembergischen Sportbünde haben sich auf 12 neue Altersgruppen verständigt, die zukünftig, zusätzlich zu den altbekannten, ausgewertet werden. Blickt man auf die Gesamtentwicklung der Mitglieder in Nordbaden, so ist ein leichter Rückgang um 0,3 Prozent auf ziemlich genau 759.000 festzustellen, was einem Verlust von gut 2.000 Mitgliedern entspricht. Das vollständige Zahlenmaterial ist auf der Homepage des BSB Nord zu finden.

Zu- und Abnahmen nach Alter und Geschlecht

Spannend ist der Blick auf die einzelnen Altersgruppen. Mehr als nur erfreulich ist der fünfprozentige Zuwachs um rund 2.000 Mitglieder bei den unter Sechsjährigen. Das zeigt, dass die Bemühungen der Vereine und auch die Programme des BSB Nord greifen und an der Basis gewinnbringend umgesetzt werden – ein gutes Signal. Denn mit Sport und Bewegung kann man nicht früh genug beginnen. Wie wichtig das ist, zeigte jüngst auch der Kongress „Vision Bewegungskinder“ in Heidelberg, bei dem auch BSB-Präsident Heinz Janalik und Vizepräsidentin Jutta Hannig sowie Dr. Sabine Kubesch, Expertin im BSB-Kooperations-Projekt PFiFF für Sportvereine und Kindergärten, referierten.

Im Negativen sticht der deutliche Rückgang bei den 19-21-Jährigen ins Auge, also in der Phase nach dem Abitur im Übergang zu Studium oder Ausbildung. Eine mögliche Erklärung könnten verstärkt wahrgenommene Orientierungsphasen fernab der Heimat sein – dies gilt es weiter zu beobachten. Bei der geschlechterbezogenen Betrachtung zeigt sich deutlich, dass der Gesamtverlust nahezu ausschließlich durch einen Rückgang der männlichen Mitglieder eingefahren wird.

In welchen Lebensabschnitten erreicht der Sport Männer und Frauen besonders gut?

  • 0-2 Jahre (Kleinkindalter): Hier ist der Mitgliederanteil im Vergleich zur Bevölkerung noch gering ausgeprägt – das verwundert nicht.
  • 3-6 Jahre (Vorschulalter): Bereits in diesem Altersabschnitt beginnt die größte Stärke des Vereinssports: die Kinder- und Jugendarbeit.
  • 7-10 Jahre (Grundschulalter) sowie 11-14 Jahre (Frühe Pubertät): In diesem Alter ist der Anteil der Mitglieder am höchsten. Die mitgliederstärksten Jahrgänge finden sich in diesen Abschnitten.
  • 15-18 Jahre (Späte Pubertät): Der Anteil der Mitglieder geht bereits zurück.
  • 19-26 Jahre (Berufsausbildung und -einstieg): In dieser Phase, die auch in vielen Sportarten die Hauptphase des aktiven Wettkampfsportes ist, sinkt der Mitgliederanteil bei beiden Geschlechtern, bleibt bei den Männern im Gegensatz zu den Frauen aber noch überdurchschnittlich.
  • 27-35 Jahre (Berufliche Ausrichtung, Familiengründung) und 36-45 Jahre (Berufliche Entwicklung, Kinder): In diesen Lebensphasen spielt der Sport nicht die Hauptrolle, was sich am Anteil der Mitgliedschaften ablesen lässt.
  • 46-65 Jahre: In einer Phase, in der beruflich die Weichen meist gestellt sind und Kinder erwachsen werden, schlagen sich die neu gewonnenen Freiheiten auch bei den Mitgliedschaften nieder, allerdings nur bei den Männern in deutlichem Umfang.
  • 66-79 Jahre (Rentenalter): Erstaunlicherweise sinkt der Anteil der Frauen in diesem Alter wieder etwas, während er bei den Männern auf einem ordentlichen Niveau bleibt. Da der Männeranteil auch bei den Hochaltrigen (80-89 und 90+) erstaunlich hoch ist, während er bei den Frauen kontinuierlich sinkt, darf bezweifelt werden, ob es sich bei den Männern überwiegend um aktive Mitglieder handelt.

Unter dem Strich bleibt nach wie vor Luft nach oben, um Frauen für den Vereinssport zu gewinnen – auch wenn der Frauenanteil in den letzten Jahren bereits größer geworden ist. Bekanntermaßen fällt es dem Sport nach wie vor nicht leicht, Menschen im Verein zu halten oder zu gewinnen, die sich in der Phase der beruflichen Ausrichtung und in Familiengründung befinden – natürlich ist das eine Lebensspanne, in der Sport für Einige nicht die höchste Priorität besitzt.

Interessant ist aber auch der Aspekt, dass bei den Frauen bereits in der nachschulischen Phase im Übergang von Jugend- zu Erwachsenensport ein deutlicher Bruch erfolgt, der in der Folge, anders als bei den Männern, nicht wieder kompensiert wird.

Vereine und Fachverbände

Schaut man danach, welche Vereine sich besonders gut entwickeln, so gibt es einen klaren Gewinner: die Großvereine. Die zwölf größten Vereine können alle einen z.T. deutlichen Zuwachs verbuchen. Von den 20 größten Vereinen verlieren nur zwei Vereine mehr als 100 Mitglieder und unter dem Strich steht ein Wachstum von über 2,5 Prozent.

Bei den Sportarten bzw. Fachverbänden ist ein kräftiger absoluter Zuwachs v.a. beim Behinderten- und Reha-Sport, bei Bergsport und Klettern sowie beim Gewichtheben festzustellen. Federn lassen mussten Boxen, Handball, Leichtathletik und Tennis. Auch die beiden großen Fachverbände Turnen und Fußball verlieren Mitglieder, wobei sich dort der prozentuale Verlust noch im Rahmen hält.

http://www.badischer-sportbund.de