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September 2020

Sport-Informations-Dienst (SID)

Schladming/München (SID) Mit den Plätzen drei, vier und fünf hatten Felix Neureuther, Fritz Dopfer und Linus Strasser bei der WM-Generalprobe in Schladming ein Ausrufezeichen gesetzt. Nun soll bei den Weltmeisterschaften in Vail der große Wurf gelingen.

Viel Zeit hatte Felix Neureuther nach der beeindruckenden WM-Generalprobe nicht – doch für das obligatorische Jubel-Foto reichte es allemal. Diesmal zeigte sich der 30-Jährige nach Platz drei im Hexenkessel von Schladming aber nicht allein in Siegerpose, sondern zusammen mit dem Sensationsfünften Linus Strasser. Nur Fritz Dopfer als Vierter fehlte.

„Was für ein Wahnsinnsrennen!!! Schladming is burning! 3/4/5“, postete Neureuther, bevor er sich schnell auf den Heimweg machte. Bereits letzten Freitag ging es für die deutschen Slalom-Asse nach einem einzigartigen Ergebnis in Richtung USA. Und die Erwartungen für die alpinen Weltmeisterschaften in Vail und Beaver Creek/Colorado (bis 15. Februar) sind spätestens seit dem Weltcup-Slalom in Schladming enorm.

Drei Medaillen lautet die Vorgabe von DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier – eine bei den Herren, eine bei den Frauen und eine im Teamwettbewerb. Doch inzwischen darf gerade bei den erfolgreichen DSV-Männern in Slalom und Riesenslalom von mehr geträumt werden.

Neureuther (Partenkirchen) kam im Slalom in diesem Winter siebenmal ins Ziel und stand siebenmal auf dem Podest – zwei Siege inklusive. „Mister Zuverlässig“ Dopfer (Garmisch) erreichte bei insgesamt 13 Starts immer mindestens die Top 10, dreimal wurde er Zweiter. Und dazu gesellt sich nun auch noch der 22 Jahre alte Münchner Strasser, der in Schladming mit dem besten Ergebnis seiner Karriere für Aufsehen sorgte und entsprechend happy war: „Das ist ein Wahnsinn.“

Maier schwärmte anschließend von einem „kleinen, aber feinen Team. Die Entwicklung ist schon die ganze Saison außergewöhnlich“. Man könne, betonte Neureuther, „mit breiter Brust zur WM fahren“.

Ende Januar flogen die Techniker um Neureuther zunächst zum Training nach Park City/Utah, da in Vail/Colorado Slalom und Riesenslalom erst in der zweiten Woche auf dem Plan stehen. Schon zuvor war eine Gruppe um Medaillenanwärterin Viktoria Rebensburg (Kreuth) in die USA gereist.

Neureuther freut sich auf eine etwas ruhigere Phase der Vorbereitung nach zuletzt stressigen Wochen mit den Klassikern in Adelboden, Wengen, Kitzbühel und Schladming. In dieser Phase sei es „brutal schwierig, sich auf’s Skifahren zu konzentrieren“, gestand der Vize-Weltmeister: „Jetzt heißt es, Kraft tanken und die Pause gut nutzen.“

Druck will sich Neureuther nicht machen – zumal gerade im Slalom die Anzahl der Siegkandidaten groß ist. Spätestens seit Schladming zählt auch der Russe Alexander Choroschilow dazu. Mit zwei Traumläufen deklassierte er die Konkurrenz und verwies den Italiener Stefano Gross sowie die DSV-Asse deutlich auf die Plätze.

Neureuther schenkt für Vail zudem Henrik Kristoffersen (Norwegen), Mattias Hargin (Schweden) und nach wie vor seinem großen Rivalen Marcel Hirscher besondere Beachtung – auch wenn der Österreicher in Schladming nur 14. wurde und einigen Boden im Slalom-Weltcup verlor. Dennoch: „Für mich ist immer noch Marcel Hirscher der ganz große Favorit“, sagte Neureuther und fügte schmunzelnd an: „Ich liebe es, dem Marcel den Druck dieser Rolle zuzuschieben.“

 

Alpine Ski-WM 2015: Auf wen man achten sollte

LINDSEY VONN (USA/30): Hat gerade einen neuen Rekord für Weltcupsiege aufgestellt (64). Fährt seit ihrem Comeback nach einer Kreuzbandverletzung, wegen der sie Olympia verpasste, zum Teil in einer anderen Liga. Favoritin in Abfahrt und Super-G. Will auf jeden Fall bis Olympia 2018 weitermachen.

TINA MAZE (Slowenien/31): Grundsätzlich in der Lage, in jeder Disziplin vorne mitzufahren und zu gewinnen. Olympiasiegerin im Super-G und Riesenslalom, Titelverteidigerin im Riesenslalom. Nach grandiosem Saisonstart zuletzt im Weltcup mit schwankenden Leistungen. Will nach der Saison Grundschullehrerin werden.

MIKAELA SHIFFRIN (USA/19): Neben Lindsey Vonn das „hometown girl“ (beide wohnen in Vail). Hat in Avon unterhalb von Beaver Creek sogar eine eigene Straße („Mikaela Way“). Olympiasiegerin und Titelverteidigerin im Slalom, auch im Riesenslalom für Gold gut. Nach durchwachsenem Saisonstart zuletzt in Topform.

ANNA FENNINGER (Österreich/22): Medaillenanwärterin in Abfahrt, Super-G und Riesenslalom. Fährt gerne Motorrad. Unterstützt eine Organisation für gefährdete Geparden. Hat bei der Fußball-WM zu Deutschland gehalten. Darling und Postergirl der Österreicher – nur, dass sie einen deutschen Manager hat, passt nicht allen.

JULIA MANCUSO (USA/30): Scheint lieber zu surfen als Ski zu fahren. Im Weltcup meist mittelmäßig unterwegs – hat bislang nur sieben Siege. Muss aber nichts heißen. Wenn es um Medaillen geht, ist die Amerikanerin plötzlich da. Vier Olympia-Medaillen (Gold 2006 im Riesenslalom), fünf WM-Medaillen – mehr als Lindsey Vonn.

LARA GUT (Schweiz/23): Das Glamour-Girl aus der Schweiz. Immer noch erst 23 Jahre alt. Olympiadritte in der Abfahrt in Sotschi. Drei WM-Silbermedaillen. 12 Weltcupsiege, zwei davon bei der WM-Generalprobe für die Frauen im November 2013 (Abfahrt, Super-G). Allerdings fehlte damals Lindsey Vonn.

KJETIL JANSRUD (Norwegen/29): Kreuzbandriss bei der WM 2013 in Schladming, seitdem auf dem Weg zum Superstar. Gold bei Olympia (Super-G), in dieser Saison in Abwesenheit von Landsmann Aksel Lund Svindal der Mann, den es in Abfahrt und Super-G zu schlagen gilt. Sympathisches Kraftpaket mit Bierruhe und Humor.

AKSEL LUND SVINDAL (Norwegen/32): Achillessehnenriss im Oktober, ist trotzdem schon wieder im Training, will bei der WM starten. Hat in Beaver Creek schon alles erlebt: schwerer Trainingssturz im November 2007 mit lebensgefährlichen Verletzungen, ein Jahr später Siege in Abfahrt und Super-G.

MARCEL HIRSCHER (Österreich/25): Hätte aufgrund der Herkunft der Mutter auch für die Niederlande starten können. Muss sich so aber der Vereinnahmung von acht Millionen Österreichern erwehren. Weltmeister im Slalom, bei Olympia Silber im Slalom. Der Sieg im Riesenslalom und im Slalom führt auch bei dieser WM nur über ihn.

TED LIGETY (USA/30): Der Kumpel von Felix Neureuther gibt Rätsel auf. Dreimal Gold bei der WM 2013, Olympiasieger im Riesenslalom 2014. Galt als unantastbar im Riesenslalom, hat aber in dieser Saison Probleme, seine Topform zu erreichen. Erst ein Sieg in diesem Winter – bei der WM-Generalprobe in Beaver Creek.

BODE MILLER (USA/37): Im November am Rücken operiert. Dachte danach über Rücktritt nach. Immer noch ein genialer Skifahrer, wenn nicht der genialste mit seinem unnachahmlichen Fahrstil im Grenzbereich des physikalisch Machbaren. Könnte in Abfahrt und Super-G jederzeit eine Medaille holen.

FELIX NEUREUTHER (Deutschland/30): Vielleicht der Rennläufer mit dem besten Ski-Gefühl – und dem kaputtesten Körper. Jederzeit in der Lage, im Riesenslalom aufs Podest zu fahren und im Slalom zu gewinnen – trotz immer wiederkehrender Probleme mit dem Rücken. Großes Charisma. Seit Schladming 2013 (Silber im Slalom) auch von dem Ruf befreit, nichts gewinnen zu können.