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September 2020

Sport-Informations-Dienst (SID)

Jerez de la Frontera (SID) Sebastian Vettels Lachen ist zurück. Nach seinem ersten offiziellen Tag im Ferrari strahlte der viermalige Weltmeister wieder diese fast kindliche Freude aus, die typisch für ihn in den erfolgreichen Red-Bull-Jahren war. Vettel erfüllt sich bei der Scuderia seinen Kindheitstraum – und lässt den Rest der Welt daran teilhaben.

„Maranello hat etwas Magisches“, sagte der 27-Jährige nach seiner Bestzeit am ersten Tag der neuen Saison, „ich war früher schon mal da, aber jetzt werden mir alle Schranken geöffnet.“ Die italienische Presse feierte den Deutschen nach dem gelungenen Debüt bereits. „Ferrari hat Flügel, Vettel ist von Beginn an super“, schrieb der Corriere dello Sport, Il Messaggero titelte: „Der Start hätte nicht positiver sein können.“

Vettel atmet den Mythos Ferrari mit jedem Atemzug ein. Auf den ersten Blick wirkt der Heppenheimer glattrasiert und ganz in Rot wie neugeboren, doch zwischen die bekannt launigen Antworten mischen sich auch ernste Töne. Viel habe er gelernt in der Pleiten, Pech und Pannen-Saison in seinem letzten Jahr bei Red Bull, auch über sich selbst.

Vettel scheint einerseits gereift, anderseits ist sein Feuer, seine Liebe für die Formel 1 neu entfacht worden, auch wenn er sich weiter lieber „einen Zwölfzylinder“ ins Heck seines SF15-T wünschen würde. Der bekommt übrigens auch seinen eigenen Namen – aber erst in Melbourne.

Mit einer anderen Tradition will Vettel dagegen brechen: die ständig wechselnden Helm-Designs. In Jerez fährt er mit einem schlicht-klassischen Helm in Weiß mit den Deutschland-Farben. „Ich will das Design in Zukunft auch nicht mehr so oft ändern“, so Vettel.

Geändert hat sich dagegen bei seinem Arbeitgeber einiges. Das weiß auch Vettel. „Viele Leute haben ihren Schreibtisch räumen müssen. Andere Leute haben die Position gewechselt oder sind aufgestiegen. Einige Leute sind neu dazugekommen. Ich bin auch neu. Man braucht seine Zeit, bis man sich zurechtfindet“, sagte Vettel, der trotzdem optimistisch ist: „Ich denke, das Potenzial ist groß.“

Die Eingewöhnungszeit beim neuen Team war kurz. „Man hat es mir leicht gemacht. Die Leute haben mich mit offenen Armen empfangen. Dass die Italiener sehr herzlich sind, kennen wir vom Italiener um die Ecke. So ist es auch beim Team“, sagte Vettel.

Doch Vettel wäre nicht Vettel, wenn er nicht auch gleich klarstellen würde: „Es wird aber nicht nur gelacht und gegessen, sondern auch sehr hart gearbeitet.“ Denn bei aller Verliebtheit in den Mythos Ferrari: Sebastian Vettel ist und bleibt ein ehrgeiziger Sportler, für den letztlich nur Siege und Titel zählen. Nur wenn er mit der Scuderia mittelfristig Erfolg haben wird, können sich die Ferraristi weiter an seinem Lachen erfreuen.