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September 2020

Landessportbünde

Das Friedrichsbad ist das älteste Hallenbad Essens. Heute befindet sich in dem ehrwürdigen Bad ein modernes Sport-, Fitness- und Gesundheitszentrum (SGZ). Mit über 200 Kursen auf knapp 1.000 Quadratmetern Trainingsfläche hat das SGZ das größte Kursangebot in der Ruhrmetropole. Ein guter Ort also, um im Kurs „Gesund und Fit“ nach dem alltäglichen Bewegungsverhalten von Teilnehmern zu fragen.

Zu Fuß zum Sport statt mit dem Auto

Teilnehmerin Salvatrice La Grech scheint sehr bewegungsfreudig zu sein: „Ich komme immer zu Fuß hierher“, sagt die 33-jährige Lehrerin, immerhin sind das 15 Minuten Gehweg von zu Hause. Großartig! „Allerdings habe ich kein Auto.“ Ach so… „Wenn ich eins hätte, würde ich bestimmt gemütlich werden“, lacht sie. „So bin ich froh, dass ich keines habe. Ich bin mir sehr bewusst, dass es mir gut tut, zu Fuß zu gehen.“

Treppen statt Aufzug nehmen

Ohne Auto ginge es bei Christoph Kinzelt nicht. Der 42-jährige Bauleiter für Windenergieanlagen ist beruflich darauf angewiesen. Bewegungsmuffel im Alltag ist er dennoch nicht. „In unserer Firma nutze ich häufig die Treppen.“ Großartig! „Wir haben aber auch keinen Aufzug.“ Ach so… „Wenn ich aber auf eine Windenergieanlage hoch muss, nehme ich immer die Leiter, nicht den Aufzug. Und auch im Kaufhaus nutze ich immer die Treppen.“ Beides gehe einfach schneller.

Für Bewegung am Arbeitsplatz sorgen

Aus der „Not eine Tugend“ macht auch Teilnehmer Hans Kneller. „Ich bewege mich eigentlich den ganzen Tag“, sagt der 65-jährige Freiberufler, „Ich habe einen sehr großen Arbeitstisch und habe es bewusst so eingerichtet, dass ich da stehen und sitzen kann und viel in Bewegung bin.“ Der Mann weiß Bescheid: „Ich habe beruflich mit Arbeitsmedizin und Ergonomie zu tun.“

Bewegungsmangel ist eine der häufigsten Ursachen für Zivilisationskrankheiten

Bewegungsmangel ist eine der häufigsten Ursachen für Zivilisationskrankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes mellitus und koronare Herzkrankheit. Er begünstigt Übergewicht, Rücken- und Gelenkschmerzen. An den Folgen von Bewegungsmangel sterben weltweit jährlich fast so viele Menschen wie an den Folgen von Alkoholmissbrauch. Gerade wer viel sitzt, setzt sich einem erheblichen Gesundheitsrisiko aus.

Vielsitzen verringert die Lebenserwartung

„Wer lange sitzt, ist früher tot“, titelte sogar die „Zeit“. Bereits mehr als drei Stunden tägliches Sitzen kann die Lebenserwartung reduzieren, zeigt eine US-amerikanische Studie mit 17.000 Menschen. Andere Forscher kommen zu dem Ergebnis, dass ein normaler Arbeitstag in einem Sitzberuf gerade einmal neun Minuten Aktivität umfasse! Und selbst wer in seiner Freizeit aktiv sei, trage gesundheitliche Schäden vom Dauersitzen davon. Hans Kneller macht es also genau richtig: Bewegungsausgleich beginnt bereits am Arbeitsplatz. Einfache Mittel reichen dabei völlig aus!

Bewegungsmangel schon bei Kindern

Doch Bewegungsmangel trifft nicht nur Erwachsene. „Deutsche Kinder sitzen zu viel und bewegen sich zu wenig“, sagt die Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP). Die Folge: motorische Defizite und eine reduzierte körperliche Leistungsfähigkeit. Nach einer aktuellen Umfrage des Emnid-Instituts ist die Hälfte aller vier- bis zwölfjährigen Kinder noch nie allein auf einen Baum geklettert. Ein Grund: ängstliche Eltern. Ebenfalls erschreckend: Der Übergang vom Kindergarten zur Schule ist das Altersfenster mit der größten Gewichtszunahme, da hier die „Sitzende Lebensweise“ ihren Ursprung finde.

Der Landessportbund NRW empfiehlt

„Das flächendeckende Kurs- und Sportangebot unserer Vereine bietet die beste Möglichkeit, sich gesundheitsorientiert zu bewegen. Viele Menschen haben bedingt durch Familie und Beruf aber häufig wenig Zeit. Gerade für sie ist es umso wichtiger, Bewegungselemente in den Alltag einzubauen. Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt“, sagt Dr. Michael Matlik, Referatsleiter Breitensport im Landessportbund NRW.

Tipps für mehr Bewegung im Alltag

  1. Öfter mal das Auto stehen lassen oder etwas weiter weg vom Ziel parken
  2. Mit dem Rad zur Arbeit, eine Station früher aus der Straßenbahn aussteigen
  3. Treppen nutzen statt Aufzüge oder Rolltreppen, auch in der Firma
  4. Im Stehen telefonieren, in der Mittagspause bewegen
  5. Einfache Dehn- und Streckübungen: Nach dem Aufstehen und immer wieder zwischendurch – gerade auch im Büro!
  6. Zum Plaudern gemeinsamen Spaziergang oder Joggen einplanen
  7. Garten- und Hausarbeit sportlich nehmen, Bewegungen bewusst und klug ausführen
  8. Beim Fernsehen in Werbepausen bewegen

Broschüre Städte in Bewegung

Der LSB engagiert sich mit seinem Programm „Bewegt GESUND bleiben in NRW!“ bei der Schaffung einer Infrastruktur, die Bewegung ermöglicht und zu Bewegung, Spiel und Sport motiviert. Eine Broschüre mit guten Beispielen finden Sie hier.

ÜdiS-Aufkleber motiviert zum Treppensteigen

Ein neuer Üdis-Aufkleber mit flotten Sprüchen und dem „inneren Schweinehund“ motiviert dazu, statt dem Aufzug Treppenstufen zu nehmen. Er ist kostenlos zu erhalten.

Quelle: www.lsb-nrw.de