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September 2020

Sport-Informations-Dienst (SID)

Berlin (SID) Die Gesten sind bei Florian Vogel schon wie bei einem ganz Großen. Seinen zweiten Titel bei der Schwimm-DM in Berlin feierte der 20-Jährige im Wasser mit dem Pistolen-Jubel – ein Wink in Richtung Frank Embacher. Der Heimcoach von Weltrekordler Paul Biedermann hatte seinen Schützling und Vogel, die gelegentlich gemeinsam trainieren, mit dem ungleichen Hau-Drauf-Duo „Bud Spencer und Terence Hill“ verglichen.

Vogel machte bei der DM aber nicht nur mit einem ungewöhnlichen Spitznamen auf sich aufmerksam. Er steht für eine Welle neuer Hoffnungsträger, die den zarten Aufschwung des deutschen Schwimmsports vier Monate vor der Weltmeisterschaft in Kasan/Russland bestätigen. So erfüllten auch Jacob Heidtmann (20), der erst 15-jährige Johannes Hintze sowie Johanna Roas (21) und Laura Simon (20) den schwierigsten Teil der WM-Norm.

Den größten Eindruck jedoch hinterließ Vogel. Zuerst trat der Münchner mit der weltweit sechstbesten Zeit in diesem Jahr (3:46,53) das Biedermann-Erbe über 400 m Freistil an, dann zog er auch über die doppelte Distanz zum Titel und zu Weltranglisten-Rang vier (7:52,57). Am Schlusstag der DM schlug Vogel im Vorlauf über 200 m zudem überraschend Weltrekordler Biedermann, war allerdings im Finale als Fünfter gegen den Weltjahresbestzeit schwimmenden Biedermann dann chancenlos.

Der Doppel-Weltmeister von 2009 zeigte sich beeindruckt vom gelegentlichen Trainingspartner. „Der Junge hat absolut was drauf“, sagt Biedermann: „Es ist erfrischend, es macht Spaß mit ihm. Er ist das komplette Gegenteil von mir.“

Während Biedermann vor allem über die Kraft aus seinem gewaltigen Oberkörper kommt, glänzt der deutlich kleinere Vogel mit einer fast perfekten Beintechnik. „Wenn die beiden eine Beinschlag-Einheit machen, nervt das den Paul natürlich, wenn der kleine Kerl immer an ihm vorbei zieht“, sagt Bundestrainer Henning Lambertz. Vogel relativiert: „Wenn es dann um den Armschlag geht, zahlt mir Paul das zigfach zurück.“

Jacob Heidtmann ist zwar seit seinem sechsten Platz bei der Heim-EM im vergangenen Sommer nicht nur Experten ein Begriff. Doch bei der DM explodierte die Leistung des Elmshorners förmlich. In 4:13,28 Minuten eroberte Heidtmann über 400 m Lagen Platz zwei der Weltrangliste. Der Student staunte: „Das hätte ich nicht erwartet.“

Im selben Finale ließ auch der Potsdamer Johannes Hintze als Vizemeister aufhorchen. Mit seiner Zeit von 4:16,58 Minuten war der 15-Jährige fast so schnell wie Rekord-Olympiasieger Michael Phelps in diesem Alter. Solche Vergleiche verbieten die Trainer, zumal Hintze im Vergleich zu Alterskollegen körperlich sehr reif wirkt.

„Es ist schön, dass wir Leute haben, die von hinten nachkommen“, sagte Bundestrainer Henning Lambertz über die neue Welle. Sollten die jungen Athleten nun auch noch in den kommenden Wochen bei einem anderen Wettkampf einen weiteren Leistungsnachweis erbringen, ist ihnen das WM-Ticket sicher.

Die Medaillen müssen dort aber noch die Etablierten Biedermann, Marco Koch und Steffen Deibler holen …