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September 2020

Landessportbünde

Anfang Mai beendeten die letzten Bergbahnen in Deutschland den Winterbetrieb. Für Skisportler geht eine, trotz des eher späten Starts, sehr gute Saison zu Ende. Denn im vergangenen Winter 2014/2015 gab es in den Bergregionen und in den Skigebieten ausreichend Schnee und viele herrliche Skitage. DSV aktiv nutzt den Abschluss der Saison, um ein Resümee des Winters in Bezug auf Wetterverlauf, Schneelage und Lawinengefahr in den Alpenländern zu ziehen.

Viertwärmster Winter in den vergangenen zehn Jahren

Laut MeteoSchweiz sowie dem Deutschen Wetterdienst waren die Monate November bis März, mit Ausnahme des Februars, zu warm. Die hohen Temperaturen im Frühwinter waren teilweise sogar rekordverdächtig. Insgesamt fiel der Winter 2014/2015 damit gegenüber dem langjährigen Mittelwert, der aus den Daten der Jahre 1961 bis 1990 ermittelt wird, zu warm aus. Der Durchschnittswert lag bei +1,8 Grad Celsius und damit um 1,6 Grad über dem langjährigen Mittelwert. Legt man die Referenzperiode von 1981 bis 2010 zugrunde, dann war der Winter 2014/2015 um +0,9 Grad wärmer als im Durchschnitt. Am 10. Januar 2015 wurde mit +20,5 Grad Celsius im oberbayerischen Piding die höchste Temperatur in einem Januar seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881 gemessen. Zudem wurden an diesem Tag an zahlreichen weiteren Wetterstationen in Deutschland Temperaturrekorde gebrochen. Die tiefste Temperatur wurde am 29. Dezember 2014 mit -24,9 Grad Celsius in Altheim (obere Donau) aufgezeichnet. Somit war der Winter 2014/2015 der viertwärmste Winter in den vergangenen zehn Jahren.

Schneelage Winter 2014/2015 im Überblick

Im Gegensatz zur Durchschnittstemperatur lag die Niederschlagsmenge im vergangenen Winter ziemlich genau im langjährigen Mittel. Wobei es im Nordosten mehr Niederschläge gab als im Südwesten. In der ersten Winterhälfte ging der überwiegende Teil der Niederschläge als Regen nieder. Besonders nach den Weihnachtsfeiertagen und im ersten Februar-Drittel gab es durch eine kältere Periode einen Wintereinbruch mit reichlich Schnee. Die ergiebigen Schneefälle Ende Januar und Anfang Februar sorgten in den Wintersportgebieten ab etwa 600 Meter aufwärts für sehr gute Bedingungen. Dadurch wurde auch eine durchschnittliche Anzahl von Schneetagen in den Skigebieten erreicht. Insgesamt betrachtet lag aber die Schneehöhe lediglich oberhalb von 2200 Meter etwas über dem Durchschnitt, unterhalb dieser Grenze lag sie weit darunter. Nur am Alpensüdhang waren die Schneehöhen überdurchschnittlich. Grund für die markanten Unterschiede in der Schneehöhe waren die überdurchschnittlich hohen Temperaturen, die den Schnee in mittleren und tiefen Lagen immer wieder wegschmelzen ließen.

Lawinensituation in der Saison 2014/2015

Die größte Gefahr im winterlichen Gebirge sind Lawinenabgänge. Obwohl die Wetter- und Lawinenberichte immer detaillierter werden und leichter abrufbar sind, und zudem die Ausbildungsangebote in Bezug auf Lawinen und Risikominimierung stetig zunehmen, zeigt sich immer wieder, dass natürliche alpine Abläufe sich nicht hundertprozentig kontrollieren lassen – und Ski- und Bergsportler sie nie unterschätzen dürfen. In der Wintersaison 2014/2015 kam es in den Bergregionen und Skigebieten erneut zu vielen Lawinenunfällen. Bei Lawinenabgängen in der Schweiz und in Österreich sind allein am ersten Februar-Wochenende insgesamt zehn Menschen ums Leben gekommen.

Obwohl es im Frühwinter sehr wenig Niederschlag in Form von Schnee gab, entstand in den Höhenlagen dennoch eine Altschneeschicht. Die alte, teilweise verharschte Schneeschicht wurde durch die ergiebigen Niederschläge, die es zwischen Ende Dezember und Mitte Februar gab, überdeckt. Innerhalb der gesamten Schneedecke entstanden schwache, aufbauend umgewandelte Schichten. In den kalten, niederschlagsfreien Zeiträumen bildete sich auf der Schneeoberfläche Oberflächenreif, der eingeschneit wurde. Das führte dazu, dass die unterschiedlichen Schichten der Schneedecke störanfällig wurden. Insgesamt entstand im Winter 2014/2015 somit ein außergewöhnlich schlechter Schneedeckenaufbau in allen Hangrichtungen, durch einen Wechsel von Krusten und lockeren, aufbauend umgewandelten Kristallen. Die Situation wurde erst Mitte Februar besser. Aber bereits im Frühjahr kam es durch die Durchfeuchtung der Schneedecke zu einer neuerlichen Aktivierung dieser schwachen Schichten. Die Nass- und Gleitschneeaktivität besonders im Frühjahr war aufgrund der großen Neuschneemenge Anfang April sehr groß.

Einen zusammenfassenden Überblick über die Lawinensituation des vergangenen Winters in Deutschland, Österreich und der Schweiz liefern die Experten der Lawinenwarnzentralen in München und Innsbruck sowie das WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung in Davos (SLF).

Lawinengefahr im Alpenraum

Die Verteilung der prognostizierten Gefahrenstufen im Winter 2014/2015 unterscheidet sich wesentlich im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt. Auffällig ist, dass die Gefahrenstufe 2 (mäßig) weniger häufig, die Gefahrenstufe 3 (erheblich) dafür häufiger herausgeben wurde als im Durchschnitt. Außergewöhnlich ist die lange Zeitspanne, in der die Lawinengefahr mit der Stufe 3 angegeben wurde: ab kurz vor Weihnachten bis Mitte Februar. Zum Teil herrschte darüber hinaus eine sehr heikle Situation für den Wintersportler mit Gefahrenstufe 4: Anfang Januar und an den Osterfeiertagen. Diese Gefahrenstufe (groß) wurde in der Schweiz und in Österreich jeweils an sechs Tagen prognostiziert. Die Tage, an denen die Gefahrenstufe 1 (gering) ausgegeben wurde, liegen im Bereich Anfang Dezember sowie in der zweiten Märzhälfte. Aber bereits Ende März und Anfang April herrschte dann wieder eine heikle Lawinensituation. Insgesamt betrachtet war der Winter 2014/2015 im Vergleich zu den Vorjahren viel gefährlicher, die Anzahl der Todesopfer durch Lawinen lag weit über dem langjährigen Mittelwert.

Lawinenunfälle in Deutschland

In Deutschland kam es im Winter 2014/2015 zu zahlreichen Lawinenunfällen, wobei zwei Personen auf dem Feldberg und am Herzogenhorn (Baden-Württemberg) Ende Januar ums Leben kamen. Die Lawinenunfälle ereigneten sich nach starken Schneefällen. Ein 20-jähriger Mann und eine 58-jährige Frau erlagen nach der Bergung ihren Verletzungen. Die Verschütteten waren rund zwei Stunden im Schnee begraben. Sie konnten wegen einer außergewöhnlichen Wettersituation nicht sofort geborgen werden. Auf der Nordseite des Feldbergs, die zu den lawinengefährdetsten Gebieten in Baden-Württemberg gehört, gehen im Winter immer wieder Lawinen ab. Da es im Gegensatz zum Hochgebirge im Mittelgebirge keine Lawinenlageberichte oder entsprechende Warnungen gibt, wird die Lawinengefahr dort oft unterschätzt. Laut Auskunft der Lawinenwarnzentrale Bayern gab es im Winter 2014/2015 in den Bayerischen Alpen zwar zahlreiche Lawinenunfälle, aber darunter keinen Unfall mit einem Lawinenopfer. Im Winter 2013/2014 war ein tödlicher Lawinenunfall zu verzeichnen.

Lawinenunfälle in Österreich

In den österreichischen Alpen kamen im zurückliegenden Winter im Vergleich zur letztjährigen Saison überdurchschnittlich viele Ski- und Bergsportler bei Lawinenabgängen ums Leben. Obwohl der Winter in weiten Teilen Österreichs relativ schneearm war, starben 25 Menschen durch Lawinen. Seit dem Winter 2009/2010, als 35 Lawinentote verzeichnet wurden, gab es nicht mehr so viele Lawinenopfer zu beklagen. Die Anzahl der Verunglückten gegenüber der Vorsaison (13) wurde bereits im Januar übertroffen. Das Hauptproblem des lawinenträchtigen Winters war ein außergewöhnlich schlechter Schneedeckenaufbau.

Lawinenunfälle in der Schweiz

Auch in den Schweizer Alpen lag die Gesamtopferzahl deutlich über dem langjährigen Mittelwert. In der Wintersaison 2014/2015 starben 32 Menschen bei Lawinenabgängen. Wobei es bei zwei großen Lawinenunfällen ungewöhnlich viele Todesopfer gab. Am 31. Januar 2015 kamen in Vilan in Graubünden fünf Personen ums Leben, am 21. Februar 2015 starben vier Personen am Combe des Morts im Wallis.

Aufruf des Lawinenlageberichtes

Eine äußerst positive Bilanz kann in Bezug auf die Nutzung des Lawinenlageberichts (LLB) gezogen werden. Es besteht bei den Wintersportlern weiterhin ein sehr großes Interesse, sich mit Hilfe des LLBs über die Lawinen-, Schnee- und Wettersituation zu informieren. Sehr erfreulich ist insbesondere die Entwicklung in den neuen Medien: so wurde etwa der Blog des Tiroler Lawinenwarndienstes insgesamt bereits über 1,7 Millionen Mal aufgerufen.

Fazit

Das Erkennen und Einschätzen der Lawinengefahr ist und bleibt für Wintersportler schwierig. Warum gab es im Winter 2014/2015 so viele Lawinenunfälle? Ist es wirklich so schwierig, die Gefahr von Lawinen zu beurteilen? Wird der Lawinengefahr zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt? Es gibt zahlreiche Faktoren, wie etwa Schneedeckenaufbau, Wetterbedingungen oder die Protagonisten im alpinen Gelände selbst, die die bestehende Gefahrensituation beeinflussen. Der Deutsche Skiverband und DSV aktiv möchten, dass sich alle Wintersportler, die sich abseits der gesicherten Skipisten aufhalten – ob Skitourengeher, Freerider oder Schneeschuhgeher – dieser Lawinengefahr bewusst sind. Eine hervorragende Möglichkeit, sich über die Lawinengefahr zu informieren, bietet der Lawinenlagebericht. Er liefert unverzichtbare und wertvolle Informationen für Touren im winterlichen Gebirge. Es ist äußerst wichtig, dass der Inhalt des Lageberichts auch richtig verstanden und interpretiert wird, denn leider kommt es immer wieder zu Fehlinterpretationen des Lawinenlageberichts. So bedeutet etwa die Lawinenwarnstufe 1 (gering) nicht, dass ein Lawinenabgang per se unwahrscheinlich ist. Lawinenwarnstufe 1 (gering) bedeutet, dass eine Lawinenauslösung im Allgemeinen nur bei großer Zusatzbelastung an vereinzelten Stellen im extrem steilen Gelände möglich ist. Lawinen sind aber eben auch bei Stufe 1 möglich!

Bei der Analyse von Bergunfällen fällt auf, dass die Ursache von Berg- und Lawinenunfällen nicht darauf zurückzuführen ist, dass seit Jahren immer mehr Menschen bergsportliche Aktivitäten wie etwa Skitouren betreiben. Die Ursachen von Bergunfällen liegen größtenteils in einer mangelhaften Tourenplanung, einem schlechten Fitnesszustand sowie ungenügendem Wissen über die Wetterentwicklung und Lawinengefahr.

Know-how und Versicherungsschutz

DSV aktiv unterstützt die Lawinenkommissionen, die zum Beispiel Gutachten über die Sperrung von Straßen, Pisten und sonstigen Gebieten bei Lawinen- oder Schneebrettgefahr erstellen und das künstliche Auslösen von Lawinen veranlassen, beim Versicherungsschutz. Genau der wird auch Einzelpersonen empfohlen: Bei aller Vorsicht kann ein Unfall passieren, ein Ski im Gelände verloren gehen. Auf der Homepage von DSV aktiv sind Informationen zu Versicherungsangeboten von DSV aktiv zu finden. Die DSV-Skiwacht ihrerseits dient der Sicherheit im organisierten Skiraum. Die „Roten Engel“ unterstützen die Bergwacht bei den Rettungsmaßnahmen und sind bei Unglücken schnellstmöglich vor Ort. Spender leisten einen wertvollen Beitrag für die Arbeit der Roten Engel, als „Unterstützer der DSV-Skiwacht“ (Konto „Stiftung Sicherheit im Skisport“ bei der SEB AG Köln, Kontonummer: 1022 222 400, BLZ: 370 101 11). Die „Stiftung Sicherheit im Skisport“ ist wegen der Förderung des Umweltschutzes und der Unfallverhütung eine Körperschaft i. S. d. § 5, Abs. 1, Nr. 9 des Körperschaftssteuergesetzes. Ihre Zuwendungen sind i. S. d. § 10 b des Einkommenssteuergesetzes in vollem Umfang steuerlich absetzbar. Spender erhalten eine Spendenquittung.

 

Quelle: www.ski-online.de