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September 2020

Landessportbünde

„Wir müssen das ganze Umfeld der jungen Menschen sensibilisieren.“ – Interview mit Hanno Krüger, Vorstandsmitglied des Landesjugendringes NRW, Referatsleiter für Kinder- und Jugendpolitik der Sportjugend NRW

Herr Krüger, warum ein Bündnis für Freiräume?

Hanno Krüger: „Junge Menschen brauchen neben Schule, Ausbildung und Universität Zeit, die sie selbstbestimmt ausfüllen können. Sei es für freies Spiel, Sport, Ehrenamt oder einfach zum ‚Nichtstun‘. Dies ist bedeutsam sowohl für ihre Entwicklung als auch für unser Gemeinwesen. Unter den gegebenen Bedingungen von Ganztag, G 8 oder der Bologna-Hochschulreform sehen wir dies nicht mehr ausreichend gegeben. Die zeitliche Verdichtung, Leistungsdruck und Stress wirken sich zudem negativ auf ihre Gesundheit aus. Experten stellen eine signifikante Anzahl von Burnout-Fällen bei Jugendlichen fest.“

Richten sich die Forderungen nur an die Politik?

Hanno Krüger: „Wir müssen das ganze Umfeld der jungen Menschen sensibilisieren. Eltern müssen darauf achten, dass ihre Kinder Zeit zum freien Spiel haben und sich der Bedeutung darum bewusst sein. Es ist ja nicht ungewöhnlich, dass heute Kinder von einem ‚Hobby‘ zum nächsten chauffiert werden. Ungeplante Zeit bleibt auf der Strecke. Es stellt sich auch die Frage nach der Generationengerechtigkeit. Junge Menschen sollen immer früher in Lohn und Brot gehen, um das Rentensystem aufrecht zu erhalten.“

Können die Verbände selber etwas tun?

Hanno Krüger: Jugendverbände wie die Sportjugend NRW beschäftigen sich seit jeher grundsätzlich damit, wie sie Rahmenbedingungen für die selbstbestimmte und freiwillige Mitarbeit junger Menschen schaffen können. Das werden sie auch weiterhin tun.“

Was erwarten Sie von der Politik?

Hanno Krüger: „Junge Menschen brauchen eine entschleunigte Ausbildung. Diese muss sich an den Bedürfnissen der Lernenden und an verkürzte Bildungsgänge anpassen. Sie brauchen Zeit, zum Beispiel gemeinsame freie Nachmittage in der Woche. Und sie brauchen jugendgerechte Räume und Plätze. Grundsätzlich gilt: Bei allen politischen Entscheidungen oder baulichen Maßnahmen, die die Jugend betreffen, sollten deren Belange mitbedacht und auch bei ihnen erfragt werden. Vorhandene Gesetze sollten in diesem Sinne überprüft und auch konsequent umgesetzt werden.“

Quelle: www.lsb-nrw.de