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September 2020

Landessportbünde

Noch immer engagieren sich relativ wenige Sportvereine (3,1 Prozent) in Kooperationen mit Ganztagsschulen. Das ist eine der zentralen Aussagen des dritten und abschließenden Teils der dreijährigen Untersuchung von Prof. Dr. Lutz Thieme von der Hochschule Koblenz/RheinAhrCampus zur Kooperation von Ganztagsschulen und Sportvereinen in Rheinland-Pfalz. In Auftrag gegeben wurde die Studie vom rheinland-pfälzischen Bildungsministerium und dem Landessportbund Rheinland-Pfalz (LSB).

Demnach wird das Engagement der Sportvereine durch die mangelnde Verfügbarkeit von Mitarbeitern zur Planung und Durchführung von Kooperationen begrenzt. Auch im Bereich der Sportstätten hat sich die Situation im Vergleich zur 2012er Studie weiter verschärft. Insbesondere die Nutzer von Schwimm- und Sporthallen berichteten über eine deutliche Reduzierung der Nutzungszeiten in den vergangenen Jahren.

Die Studie zeigt deutlich, dass aus Sicht der Schulen an der besseren Verzahnung zwischen dem Sportangebot im Ganztag und dem Schulalltag gearbeitet werden muss. Auf Seiten der Vereine sind die Mitgliedergewinnung und Talentförderung die wichtigsten Ziele, wenn sie eine Kooperation eingehen. Es gelingt ihnen aber oft nicht, diese Ziele mithilfe des Ganztagsangebots umzusetzen. „Die strukturelle Kopplung zwischen Ganztagsschule und Sportverein ist weiter als Aufgabe für die Zukunft anzusehen“, so Thieme.

Wie der 48 Jahre alte Sportmanagement-Professor zudem herausgefunden hat, nehmen die Vereine die negativen Auswirkungen der Ganztagsschule auf ihre Mitgliederentwicklung stärker wahrals früher, auch wenn zahlenmäßig mittlerweile nur noch ein moderater Zuwachs an Ganztagsschulen festzustellen ist.

Präsidentin Augustin sieht „noch einige Baustellen“

Die dritte Studie bestätigt, dass mit der neuen Rahmenvereinbarung zum Sport in der Ganztagsschule zwischen Landessportbund und Bildungsministerium wichtige Problemfelder in Angriff genommen werden. „In der Umsetzung dieser Vereinbarung gilt es jedoch noch einige Baustellen zu bewältigen“, so LSB-Präsidentin Karin Augustin. Erfreulich ist laut Augustin, dass die Anzahl der Personen, die ohne eine Anbindung an einen Verein in den Ganztagsschulen Sport anbieten, um zehn auf 47 Prozent gesunken ist. „Wir können uns allerdings nicht damit zufrieden geben, dass nur 37,9 Prozent der Ganztagsschulen angeben, mit einem Sportverein zusammenzuarbeiten.“

Wie Dieter Krieger, LSB-Vizepräsident Sportentwicklung, betont, sind nach der Studie die fehlenden personellen Ressourcen die größten Probleme für Sportvereine, sich in Ganztagsschulen zu engagieren. „Dies gilt nicht nur für die Übungsleiter, es fehlt insbesondere auch an Vereinsmitarbeitern, die sich um die organisatorische Anbahnung und Begleitung der Kooperationen kümmern können. Besonders Vereine ohne hauptamtliches Personal – und dies sind die absolut meisten – benötigen hierbei substanzielle Unterstützung“, so Krieger.

Quelle: www.lsb-rlp.de