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September 2020

Landessportbünde

Claudia Heckmann, neue Präsidentin beim Schwimmverband NRW, im Interview über vereinseigene Schwimmbäder und drohende Bäder-Schließungen.

Frau Heckmann, gibt es für die Schwimmfreunde genug Wasserflächen in NRW?

Claudia Heckmann: „Das ist sehr unterschiedlich. Generell werden seit Jahren zunehmend Bäder geschlossen, weil den Kommunen Geld für Erhalt oder Sanierung fehlt.“

Ist die Übernahme von Bädern durch Vereine ein Patentrezept, um Bäderschließungen zu vermeiden?

Claudia Heckmann: „Ein ganz klares Nein. Es ist ein großer Aufwand, ein Bad zu betreiben und bedarf vieler Kräfte und Personen, die daran mitarbeiten. Der Einzelfall entscheidet, ein Verein muss sich ein Bad leisten können. Das geht in der Regel nicht ohne einen Betriebskostenzuschuss durch die Kommune, ohne einen fairen Lastenausgleich. Es profitieren ja auch die Kommunen, da den Bürgern weiterhin ein Bad zur Verfügung steht.“

Berät der Schwimmverband übernahmewillige Vereine?

Claudia Heckmann: „Wir haben seit vielen Jahren eine „Arbeitsgruppe Bäder“ mit erfahrenen Experten. Aus dieser AG heraus beraten wir die Vereine, die sich an uns wenden. Dabei kommen wir auch vor Ort oder führen für sie Gespräche mit den Kommunen, wenn es Schwierigkeiten gibt. Alles ehrenamtlich und kostenlos für unsere Mitgliedsvereine.“

Braucht unsere Gesellschaft vereinsgebundene Bäder?

Claudia Heckmann: Ja. Sie sind wichtiger Bestandteil der Bäderlandschaft. Ihren Beitrag kann man wirtschaftlich gar nicht ermessen. Die Vereine arbeiten gemeinnützig, tragen mit dem Erhalt des Bades für die Öffentlichkeit zum Wohlbefinden der Bevölkerung bei. Gerade für die Gesundheit ist Schwimmen bestens geeignet, in jedem Alter. Darüber hinaus bieten die Bäder Freizeitmöglichkeiten für alle, Kinder, Jugendliche, Familien, Ältere. Wer sich entschließt, Vereinsmitglied zu werden, profitiert darüber hinaus von allen Vorteilen des Vereinslebens mit seinem sozialen Gefüge, günstigen Kursmöglichkeiten usw. Ein Mitgliedsbeitrag rechnet sich so über das ganze Jahr sehr schnell. Und Vereinsmitglieder setzen sich natürlich für ihr Bad ganz anders ein, weil das ihre „Heimstatt“ ist.“

Können auch andere Bäder übernehmen?

Claudia Heckmann: Von den ca. 1.400 Bädern in NRW sind rund 130 vereinsgebunden. Das ist das, was wir erfassen. Es gibt aber immer wieder Vereine, Interessengemeinschaften oder Fördervereine, die ein Bad übernehmen, ohne es an die große Glocke zu hängen.“

Quelle: www.lsb-nrw.de