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September 2020

Sport-Informations-Dienst (SID)

Madrid (SID) Durch die Arena Las Ventas in Madrid schallen Paso-Doble-Rhythmen – die traditionelle Musik beim spanischen Stierkampf. Der Matador wartet in der Mitte, das rote Tuch hält er vor seinem Körper. Plötzlich tönt ohrenbetäubender Lärm durch das weite Rund: Statt des Stiers rast eine Motocross-Maschine aus einem Gang in die Arena.

An diesem Tag im Juli wurde zur Abwechslung kein Blut vergossen. Es dröhnte Hip-Hop aus den Boxen, während Tom Pagés über die Rampen raste und mit seiner Yamaha durch die Luft wirbelte. Der 30-jährige Franzose, einer der Favoriten beim dritten Tourstopp der Red Bull X-Fighters, sagte dem SID. „Madrid ist für uns wie Monaco für die Formel 1, das ist die Königsklasse.“

Schon zweimal stand Pagés ganz oben auf dem Treppchen, sein dritter Sieg hob ihn auf eine Stufe mit Extremsport-Ikone Travis Pastrana. Der Amerikaner ist bisher der einzige Fahrer, der in Las Ventas dreimal gewonnen hat. „Der Kurs hier ist sehr klein, die Rampen sind steil – das macht es für mich so besonders“, sagte Pagés. Bei der 14. Auflage hatten sich die Veranstalter etwas ganz Besonderes ausgedacht: Neun Rampen und drei Hügel boten auf 60 Metern Durchmesser eine gefährliche Spielwiese.

Das musste auch Lokalmatador Dani Torres schmerzhaft erfahren: Der Publikumsliebling stürzte im Training, zum Qualifying trat der Spanier erst gar nicht an. Auch Pagés war nervös, auf seinen besonderen Wunsch wurde extra eine weitere Rampe in den Kurs integriert. Im Finale zeigte der Franzose, der schon 2013 die World Tour gewinnen konnte, gleich vier der schwierigsten FMX-Tricks überhaupt: Volt, Special Flip, Alley-Oop Flair und Bike Flip.

Ob Double Flip, Switchblade, Rock Solid oder Tsunami: die 23.000 Zuschauer bekamen einiges geboten. Wenn Maschinen und Fahrer in 15 Metern Höhe scheinbar schwerelos durch die Luft fliegen, zum Teil ohne direkten Kontakt, stockt auch dem hartgesottenen Fan der Atem.

60 Stunden Zeit benötigten die Organisatoren für den Aufbau, direkt nach der „Corrida“ ging es los. Aufgrund des Einsatzes von Stahlkonstruktionen wurden dieses Mal nur rund 500 Tonnen Sand verbaut – im vergangenen Jahr waren es noch 2000 Tonnen. Nach dem Rennen am Freitagabend musste es schnell gehen, bereits am Sonntag bot Las Ventas wieder die Bühne für eine makabre Stierkampf-Show. Tom Pagés und Co. bekamen davon nichts mit, der Motocross-Zirkus war längst weitergezogen.

Der vierte Stopp der Red Bull XFighters World Tour findet am 12. September in Pretoria (Südafrika) statt. Das große Saisonfinale steigt am 30. Oktober in den Vereinigten Arabischen Emiraten.