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September 2020

ARAG

Allergische Schocks haben in den vergangenen Jahren um das Siebenfache zugenommen. Immer häufiger sind auch Kinder betroffen. Wir möchten dazu beitragen, dass diesen Kindern und Jugendlichen die unbeschwerte Teilnahme am Sport ermöglicht werden kann. Wenn die Betreuer gut informiert und offen für alle notwendigen Maßnahmen sind, ist das schon ein großer Schritt in die richtige Richtung. Widerstand tritt meist aus Verunsicherung und Unkenntnis über die Anaphylaxie im Allgemeinen und über die möglichen Notfallmaßnahmen auf.

Ob bei Vereinsfeiern, Ferienfreizeiten oder beim Sport im Freien: Anaphylaktische Reaktionen treten oft auch im öffentlichen Bereich auf.

Was Betreuer, Übungsleiter und Helfer unbedingt wissen sollten !

Eine Anaphylaxie – auch „allergischer Schock“ genannt – ist die schwerste allergische Reaktion, die ein Mensch erleben kann. Sie ist lebensbedrohlich und erfordert schnelles Handeln.

Eine Anaphylaxie zeichnet sich dadurch aus, dass mindestens zwei verschiedene Organsysteme – Haut, Atemwege, Magen-Darm-Trakt und/oder Herz-Kreislauf-System – gleichzeitig betroffen sind. Der Betroffene leidet also zum Beispiel unter Hautausschlag (Nesselsucht) und Atemnot. Zudem tritt die Reaktion innerhalb kurzer Zeit nach Kontakt mit dem Auslöser auf und verschlechtert sich schnell.

Die häufigsten Auslöser schwerer allergischer Reaktionen sind:

  • Insektengifte von Wespe, Biene, Hummel oder Hornisse
  • Medikamente wie Schmerzmittel, Antibiotika, Narkose- und Röntgenkontrastmittel
  • Nahrungsmittel wie Milch, Ei, Nüsse, Erdnüsse, Fisch, Schalentiere, Sellerie und Soja

Im Vordergrund sollte natürlich der Schutz vor dem Auslöser und das Vermeiden des Kontaktes stehen. Sehr wichtig ist deshalb, dass die Betroffenen ihre Betreuer und alle Verantwortlichen über ihre Allergie informieren und ihren Allergiepass ständig mit sich führen. Bei Nahrungsmitteln ist es nicht immer ganz einfach, den auslösenden Bestandteil zu meiden. So sind zum Beispiel Nüsse oder Spuren davon in weit mehr Nahrungsmitteln enthalten, als man glaubt. Damit auch Allergiker bei Vereinsfeiern die mitgebrachten Speisen unbeschwert genießen können, ist es hilfreich und ohne großen Mehraufwand möglich, die Inhaltsstoffe aufzulisten und zur Information auszulegen.

Meist sind die Betroffenen selbst geübt im Umgang mit ihrer Anaphylaxie im Alltag.

Da ein Allergenkontakt aber nie ganz ausgeschlossen werden kann, ist es notwendig, Maßnahmen zur Behandlung einer anaphylaktischen Reaktion zu kennen und zur richtigen Zeit einsetzen zu können.

Eine oft geäußerte Sorge bei den Betreuungspersonen besteht darin, einen möglichen anaphylaktischen Schock nicht richtig einschätzen und behandeln zu können.

Symptome

Typische Hautreaktionen sind die „Nesselsucht“: ein bis fünf Zentimeter große Quaddeln, die stark jucken. Außerdem treten sehr häufig Schwellungen der Augenlider und der Lippen auf.

Reaktionen der Atemwege und des Kreislaufsystems können lebensbedrohlich sein. Sie äußern sich in Luftnot, zähem Auswurf und asthmatischen Beschwerden mit Hustenreiz. Die Kreislaufsymptome reichen von leichtem Schwindel und Blutdruckabfall bis zum Herz-Kreislauf-Stillstand. Bei Menschen mit wiederholten anaphylaktischen Reaktionen nimmt die Intensität der Symptome zu.

Die genannten Symptome müssen nicht plötzlich auftreten, sie können sich auch über Stunden langsam entwickeln.

Haben Sie eine anaphylaktische Reaktion festgestellt, informieren Sie als erstes einen Arzt.

Von der Allergie Betroffene sollten das von ihrem Facharzt verordnete Notfallset immer mit sich führen. Wenn die Notfallmedikamente gemäß der ärztlichen Vorgabe eingesetzt werden, bestehen keine besonderen Risiken.

Zögern Sie nicht, zu helfen. Strafbar ist nur unterlassene Hilfeleistung. Dagegen wird man für einen Schaden, der bei Erste-Hilfe-Maßnahmen passiert, nicht haftbar gemacht. Wer sich als Ersthelfer selbst verletzt, hat hingegen Anspruch auf Schadensersatz.

Unsicherheit unter den Betreuern bereitet vor allem die Gabe des Adrenalin-Pens, da das Medikament über eine Injektion verabreicht wird.

Da Adrenalin jedoch das am schnellsten wirksame Medikament ist, sollte es bei schweren Reaktionen immer als erstes eingesetzt werden. Der Betroffene selbst oder Angehörige können das Medikament mithilfe eines Autoinjektors injizieren. Die Injektion erfolgt in den seitlichen Oberschenkelmuskel.

In der Regel genügt die Hilfestellung durch den Betreuer. Die Allergiker wissen selbst am besten, was zu tun ist. Heiß diskutiert wird die Frage, ob Betreuungspersonen Medikamente verabreichen dürfen. Eine gesetzliche Verpflichtung dazu besteht nicht. In jedem Fall lohnt sich aber die Auseinandersetzung mit dem Thema. Dadurch können Hemmschwellen abgebaut werden, um im Notfall gelassen zu bleiben und dem Betroffenen eine gute Hilfe sein zu können.