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September 2020

Landessportbünde

Die Ergebnisse einer Pilotstudie zu den demokratischen Kulturen in niedersächsischen Sportvereinen waren Thema eines Akademie-Forums Ende September. Grundlage war eine online-Befragung im Februar/März 2015 an 45.762 Personen/Organisationen. 2659 Personen öffneten die Befragung, 1785 haben diese vollständig beantwortet. Von diesen waren rund 33 Prozent Frauen und 66 Prozent Männer. Den größten Anteil stellen die Befragten aus der Region Hannover, höhere Beteiligungen zeigen auch die Kreise Hildesheim, Emsland, Osnabrück und Schaumburg.

Fragestellungen

  • Welche Partizipationsmöglichkeiten nehmen die Mitglieder in ihrem Sportverein wahr?
  • Inwiefern besteht die Bereitschaft, sich für die Schaffung und Gestaltung eines vereinsinternen Gemeinwesens einzusetzen, das sich auf den zentralen demokratischen Prinzipien der Anerkennung und Gleichwertigkeit aller Vereinsmitglieder gründet?
  • Welche Einstellungsmuster bestehen, die einen umfassenden wie gleichwertigen Zusammenhalt fördern?
  • Existiert der vielbeschworene integrierende und demokratisierende Motor der Vereinskultur oder wirken auch im Mikrokosmos Sportverein desintegrative, abwertende und diskriminierende Einstellungen?

Ergebnisse

Mehrheitlich geben die Mitglieder an, „nur wenige Probleme der unterschiedlichen Interessengruppen festzustellen. Konfliktreich gestalten sich vor allem die Konstellationen zwischen den Mitgliedern selbst und ihrem jeweiligen Vorstand, zwischen Eltern und Trainer oder älteren und jüngeren Mitgliedern. (….) Die Heterogenität in den Lebensstilen scheint kaum einen Einfluss auf die spezifischen Konfliktlagen im Verein zu nehmen, während Schwierigkeiten im Verhältnis der hauptberuflich und ehrenamtlich Beschäftigten wiederum nur geringfügig durch die Diversität in der Mitgliederstruktur bestimmt sind. (…) Die Wahrnehmung verschiedener Lebensstile und -formen, Werthaltungen oder auch religiöser Weltanschauungen bedeuten keinesfalls immer und zwangsläufig Risiken für die Ausgestaltung des Miteinanders im Verein.“

Die Studie zeigt weiter, dass die Abwertung einzelner Bevölkerungsgruppen bei Vereinsmitgliedern deutlich geringer ist als in der Gesamtbevölkerung. Allerdings steigt die kritische Haltung, wenn die Vereinsmitglieder die Situation außerhalb des Vereins beurteilen sollen.

Deutlich wird zudem, dass Funktionsträger und Mitglieder eine unterschiedliche Wahrnehmung von Partizipationsmöglichkeiten und demokratiestärkendem Vereinsengagement haben.

Die Studie hat Madlen Preuß vom Institut für Interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld im Auftrag des LandesSportBundes Niedersachsen verfasst. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat das Vorhaben im Rahmen des Bundesprogramms „Toleranz fördern – Kompetenz stärken“ gefördert.

Über die sozialförderlichen Potenziale des Sports und Vereine als Schule der Demokratie diskutierte Madlen Preuß mit Doris Schröder-Köpf (Niedersächsische Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe), Olaf Zajonc (Vorsitzender IcanDo e.V.), Horst Josch (Abteilungsleiter Rugby SV Odin und Integrationsbeauftragter für Schulen) und Reinhard Rawe (Vorstandsvorsitzender LandesSportBund Niedersachsen). Auf dem Foto (Quelle LSB Niedersachsen) außerdem: Karl-Heinz Steinmann (Leiter Akademie des Sports) und Moderatorin Franciska Wölki-Schumacher (Leibniz-Universität Hannover, Kompetenzgruppe „Fankulturen und Sport bezogene Soziale Arbeit).

Mehr Informationen erteilt Patrick Neumann

Abschlussbericht „Demokratische Kulturen in Sportvereinen“

Quelle: www.lsb-niedersachsen.de