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Oktober 2020

ARAG

Gehirnerschütterungen im Sport. –  Diese App unterstützt Sportler, Trainer, Physiotherapeuten, Betreuer, Lehrer und Eltern bei der Früherkennung

„Schiedsrichter – ist das hier das Finale?“ Wer erinnert sich nicht an die Frage von Christoph Kramer, der nach einem Zusammenstoß im WM-Finale 2014 zwischen Deutschland und Argentinien wegen einer Gehirnerschütterung ausgewechselt werden musste.

Nur ein prominenter Fall von vielen, denn mehr als 40.000 Gehirnerschütterungen werden jährlich in Deutschland diagnostiziert. Die Dunkelziffer liegt sogar deutlich höher. Ein Zusammenstoß beim Kopfball, ein Sturz vom Pferd, vom Trampolin, vom Rad oder einfach ein Kontakt mit dem Torpfosten: Schon eine vermeintlich harmlose Einwirkung auf den Kopf kann eine Gehirnerschütterung zur Folge haben. Häufig werden diese Unfälle nicht ausreichend ernst genommen. Doch die Langzeitfolgen können beachtlich sein.

Sportler unterschätzen derartige Unfälle häufig, dabei ist eine Gehirnerschütterung eine ernst zu nehmende Verletzung. Wird sie nicht richtig behandelt, können Spätschäden wie etwa Migräne oder Bewegungsstörungen die Folge sein. Die Sensibilisierung für und die Aufklärung über das Krankheitsbild Gehirnerschütterung, frühzeitiges Erkennen und korrekte Behandlung sollen helfen, mögliche Folgen zu minimieren und dem Sportler eine optimale Rehabilitation zu ermöglichen. Wichtigster Faktor bei der Gehirnerschütterung ist, sie zu vermuten und zu erkennen!

Das Gehirn ist unser Nervenschaltzentrum. Es besteht aus etwa 100 Milliarden Nervenzellen, von denen jede einzelne etwa 1.000 Quervernetzungen aufweist.

Eine Gehirnerschütterung kann – vereinfacht ausgedrückt – als Kurzschluss innerhalb der Nervenzellen aufgefasst werden, aus der eine meist kurz andauernde Leistungsstörung des Gehirns mit vielfältigen Symptomen resultiert.

Die häufigsten Symptome einer Gehirnerschütterung sind:

  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Übelkeit
  • Nackenschmerzen
  • Schwäche
  • Müdigkeit
  • verschwommenes Sehen

Die Gehirnerschütterung zeigt oftmals ein sehr unterschiedliches Symptombild: Ein Hinweis auf eine Gehirnerschütterung kann auch sein, dass der Betroffene sich häufig an den Kopf fasst, diesen abstützt oder einen leeren Blick hat. Circa 10 bis 30 Prozent der Betroffenen leiden an einem akuten Erinnerungsverlust. Auch wenn der Sportler darüber berichtet, dass er nach einem Zusammenprall „Sterne gesehen“ habe, unsicher auf den Beinen ist oder sich im Sozialkontakt plötzlich auffällig verhält (z.B. völlig unbeteiligt und still oder außergewöhnlich stimmungsgeladen ist), besteht der Verdacht auf eine Gehirnerschütterung.

Lieber einmal zu oft ins Krankenhaus, als eine gravierende Verletzung übersehen

Alle Anzeichen einer Gehirnerschütterung sind auf der PocketCard des Fußballweltverbandes FIFA zusammengefasst. Darauf basierend gibt es eine App für Mobilfunkgeräte. Die App „Schütz Deinen Kopf“ kann als Schnelltest am Spielfeldrand eingesetzt werden. In der App sind unter anderem fünf Fragen zur Orientierung aufgelistet, die Trainer oder Teamkollegen dem Betroffenen stellen sollten.

Die App kann kostenlos im App-Store oder für Android-Geräte bei Google Play heruntergeladen werden. Suchen Sie einfach nach „Schütz deinen Kopf“.

Sobald nur eine der dort aufgeführten Fragen nicht richtig beantwortet werden kann, besteht ein erster Verdacht auf eine Gehirnerschütterung. Als Folge muss der Spieler umgehend aus dem Spiel genommen werden, auch wenn die Symptome vorübergehen und der Sportler sich scheinbar wieder zu hundert Prozent fit fühlt. Die Zeiten, in denen man sich schämte, wenn man sich nach einem K.o. nicht sofort wieder aufgerappelt und weitergespielt hat, sollten der Vergangenheit angehören.

Sportler mit Verdacht auf Gehirnerschütterung sollten möglichst in einem abgedunkelten Raum liegen (leichte Kopfhochlage) und sanft betreut werden. Kühlende Kompressen am Kopf und im Nacken, kein Essen, Flüssigkeit nur sehr sparsam zuführen und bei Übelkeit bzw. Erbrechen Plastiktüte bereithalten.

  • Überwachen des Bewusstseinszustandes (Gut ansprechbar? Gibt der Sportler „seltsame“ Antworten?)
  • Sind seine Reaktionen und Bewegungen verlangsamt oder verwirrt?
  • Schläft er immer wieder ein?

Ruhe bewahren, Sportler nicht mit unnötigen Fragen bedrängen, für Ruhe im Zimmer sorgen.

Ist die Diagnose „Gehirnerschütterung“ durch einen Arzt bestätigt, dauert es mindestens sechs bis zehn Tage, bis sich die Nervenzellen erholt haben. Eine medikamentöse Behandlung gibt es nicht.

Jedoch sollten in dieser Zeit äußere Reize wie etwa Musik, Computer oder Lernen vermieden werden. Ruhe und Zeit sind die wichtigsten Therapiebestandteile.

Der Arzt legt fest, wann und wie eine Belastungssteigerung erfolgen kann und stellt somit auch die Sport- und Schulfähigkeit fest. Solange Beschwerden bei körperlicher und/oder geistiger Belastung vorliegen, ist es noch nicht zu einer kompletten Erholung des Gehirns gekommen.

Weil die Betroffenen den Schmerz oder die Schwellung nicht wie zum Beispiel bei einer Verletzung am Gelenk wahrnehmen, bedarf es häufig viel Überzeugungskraft, den Sportler davon abzuhalten, zu früh wieder aktiv zu werden. Eine Gehirnerschütterung hat bei einer korrekten Behandlung (frühzeitiges Erkennen und Behandlung) eine sehr gute Prognose. 85 Prozent der Betroffeen erholen sich vollständig innerhalb einer Woche.

Bleiben die Symptome länger als drei bis vier Wochen bestehen, sollte eine neurologische Untersuchung erfolgen.

Viele weitere Informationen zur Initiative finden Sie hier: http://www.schuetz-deinen-kopf.de/LSHT_home/