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September 2020

Sport-Informations-Dienst (SID)

Kailua/Frankfurt (SID) Das Ende seiner Höllentour durch das Paradies genoss Jan Frodeno in vollen Zügen. Gemächlich und mit einem breiten Grinsen im Gesicht spazierte der neue König der Triathleten über die Ziellinie – ehe ihn die Tortur der vergangenen Stunden doch übermannte. „Es war so unfassbar hart und unendlich heiß“, sagte der 34-Jährige: „Aber jetzt bin ich Weltmeister. Ich fühle mich wie auf Wolke sieben, oder neun, oder 35.“

Gerade hatte Frodeno das historische Triple perfekt gemacht und als erster Sportler überhaupt nach dem Olympiasieg 2008 und dem Erfolg bei der WM über die Halbdistanz auch den legendären Ironman auf Hawaii gewonnen. „Wahnsinn, das ist ein surreales Gefühl und momentan sehr, sehr viel auf einmal“, sagte der werdende Vater danach im hr-Fernsehen: „Ich glaube, wir haben gerade einen Lauf.“

Den abschließenden Marathonlauf über 42,195 Kilometer nutzte der gebürtige Kölner zur entscheidenden Attacke und siegte vor dem Rostocker Andreas Raelert. Nach den 3,86 Kilometern Schwimmen und 180,2 Kilometern auf dem Rad distanzierte Frodeno während der letzten Teildisziplin die Konkurrenten, insbesondere den hoch gehandelten Titelverteidiger Sebastian Kienle (Mühlacker).

„Wenn ich irgendwann meine Beine wieder finde, wird es nächstes Jahr den Rückschlag geben“, tönte der 31-Jährige, der sich diesmal mit dem achten Rang begnügen musste – und dennoch irgendwie ein Sieger war. „Ich bin megahappy, dass ich an so einem Tag gefinished habe. Denn die Verlockung ist groß, wenn das Podium außer Reichweite ist, sich einfach in eine Wiese zu legen und zu denken: Scheiß drauf!“

Frodeno (Endzeit: 8:14:40 Stunden) wurde derweil auf dem Podest mit dem zweitplatzierten Raelert (3:03 Minuten zurück) und dem Dritten Timothy O’Donnell (USA/+4:10) gefeiert. „Das war der beste und zugleich schlechteste Schampus meines Lebens“, sagte Frodeno augenzwinkernd.

Geschmeckt haben dürfte der Sieger-Champagner neben dem härtesten aller „Eisenmänner“ insbesondere Raelert. Der 39-Jährige war zwischen 2009 und 2012 Stammgast auf dem Podium gewesen, bei den vergangenen beiden Ausgaben aber erlebte er schwere Enttäuschungen. „Das war ein sensationeller Saisonabschluss“, schwärmte Raelert daher: „Mit dem zweiten Platz aber will ich nicht aufhören. Ich werde versuchen, mir den Traum noch zu erfüllen.“

Ob Frodeno dann aber zu schlagen ist? Der Wahl-Spanier feierte erst im vergangenen Jahr sein Debüt auf der Langdistanz, das vermeintlich beste Alter hat er noch gar nicht erreicht. Vielleicht aber könnte der Trubel um seine Person fortan den Gegner in die Karten spielen. „Es wird jetzt einiges auf mich zukommen“, sagte Frodeno vorausblickend.