arag sid

Dezember 2020

ARAG

Rund ums Jahr grillen – eine schöne Idee, aber auf gar keinen Fall in geschlossenen Räumen oder ohne ausreichende Frischluftzufuhr.

Die Deutschen grillen leidenschaftlich gerne, ob privat oder unter Freunden zum Beispiel im Sportverein. Ist es draußen zu kalt, könnte man auf die Idee kommen, den Grill im Innenraum aufzustellen. Das ist allerdings überhaupt keine gute Idee.

Jedes Jahr erleiden Tausende von Menschen eine Kohlenmonoxid-Vergiftung. In Deutschland werden im Durchschnitt rund 3000 Fälle registriert, etwa 1000 Menschen sterben daran. Die Dunkelziffer ist aber hoch. Wie viele es wirklich sind, ist nicht bekannt, weil es in Deutschland kein Vergiftungsregister gibt. Beunruhigend ist jedoch, dass es immer mehr zu werden scheinen.

Das hat unter anderem mit unserem geänderten Freizeitverhalten zu tun. Die Menschen wollen grillen, egal bei welchem Wetter. Und wenn das Wetter nicht mitspielt, wird halt in der Garage, im Wintergarten oder sogar im Wohnraum gebrutzelt. Aber Vorsicht: Selbst wenn Fenster, Türen oder auch das Garagentor zum Lüften geöffnet sind, können CO-Konzentrationen entstehen, die zum Tod führen. Diese Gefahr besteht sogar bei Geräten, die als sogenannte „Indoor-Grills“ beworben werden, obwohl sie mit glühender Holzkohle heizen.

Ursachen und tragische Beispiele

Nicht nur der Grill, sondern auch ein Brand, eine defekte Gastherme, Zier- und Heizkamine, Öfen, sogar Shisha-Pfeifen können zu erhöhten CO-Konzentrationen führen. Gefährlich ist eine Konzentration von 0,03% des Gases in der Luft. Ein Wert, der sogar schon in Großstädten bei hohem Verkehrsaufkommen erreicht werden kann.

In Ahlen ist ein junges Elternpaar mit seinen beiden Kindern durch eine Kohlenmonoxid-Vergiftung ums Leben gekommen. Ein Dohlennest im Kamin war die Ursache für den tragischen Unfall. In Stuttgart entkam eine Familie knapp dem Tod, nachdem sie in einer geschlossenen Garage gegrillt hatte – sie wollten die Nachbarn nicht stören. Auch bei Ludwigsburg hat ein Mann fast fünf Kinder getötet, weil er die Wohnung mit einem Grill warm halten wollte, nachdem die Heizung ausgefallen war. Er hatte auf der Terrasse einen Grill angezündet und diesen zum Heizen in die Wohnung gestellt, als er nur noch Glut enthielt.

Gefahren

Kohlenmonoxid entsteht bei Verbrennungsprozessen ohne ausreichende Sauerstoffzufuhr.

Das sehr giftige unsichtbare und geruchlose Gas reizt die Atemwege nicht und kann unbemerkt als „silent killer“ selbst durch Betondecken und Wände dringen. Wer hohen Konzentrationen des Gases ausgesetzt ist, kann innerhalb weniger Minuten sterben. Kranke Menschen und ungeborene Kinder reagieren auf Kohlenstoffmonoxid sensibler als gesunde Erwachsene.

In Deutschland führen jährlich circa 3000 Kohlenmonoxid-Vergiftungen zum Tod. Die Dunkelziffer ist jedoch hoch, weil die Vergiftung oft nicht erkannt oder falsch interpretiert wird.

Symptome

Die Kohlenmonoxidvergiftung macht sich bemerkbar durch Übelkeit, Kopfschmerzen, Schwindel und oft auch eine unregelmäßige Atmung. Später treten eine zunehmende Bewusstseinstrübung bis hin zum Koma auf. Letztlich tritt der Tod durch Hirnschwellung, Atem- und Kreislaufversagen ein. Typisch ist eine Rosafärbung der Haut.

Bei einer chronischen Kohlenmonoxidvergiftung kommt es zu einer allgemeinen Leistungsminderung.

Bei Überlebenden stellen sich bei zehn bis 40 Prozent der Opfer bleibende Schäden wie Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, Psychosen, Bewegungsstörungen oder Herzerkrankungen ein.

Behandlung

Behandlungsbedarf besteht immer, wenn Menschen sich in mit Kohlenmonoxid verseuchten Räumen aufgehalten haben und klinische Zeichen einer Vergiftung aufweisen.

Die Behandlung besteht zunächst in der Gabe reinen Sauerstoffs und zwar möglichst unverzüglich nach Rettung aus dem Unfallort. Die Zufuhr von Frischluft ist bei ausgeprägten Vergiftungen jedoch nicht ausreichend. Bei Auffinden eines Patienten mit Kohlenmonoxidvergiftung ist stets auch an die eigene Sicherheit zu denken. Die Frischluftzufuhr muss unbedingt sofort hergestellt werden, um die Vergiftung der Helfenden zu verhindern.

Wenn innerhalb von vier Stunden nach der akuten Vergiftung eine sogenannte „hyperbare Sauerstofftherapie“ durchgeführt wird, bei der der Betroffene mit reinem Sauerstoff versorgt wird, kann das Risiko von Spätfolgen einer Kohlenmonoxidvergiftung stark verringert werden.

Spätfolgen einer Kohlenmonoxidvergiftung

Die Spätfolgen sollten nicht unterschätzt werden. Wochen und Monate nach einer Kohlenmonoxidvergiftung können gesundheitliche Spätschäden auftreten, die selbst dann noch zum Tod führen können. Sie können nicht nur bei schweren Vergiftungen auftreten, auch bei sogenannten leichten Intoxikationen mit einem CO-Hb-Wert um zehn Prozent.

Vorbeugung

Einer Kohlenmonoxidvergiftung lässt sich mit wenigen Sicherheitsmaßnahmen vorbeugen.

  • Die häufigste Ursache sind mangelhafte Verbrennungsöfen. Hier sollte unbedingt auf regelmäßige Wartung durch einen Fachmann geachtet werden.
  • Der Grill darf im Sommer wie im Winter ausschließlich im Freien und dort auch nur in ausreichendem Abstand zu geöffneten Fenstern aufgestellt werden.