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September 2020

Sport-Informations-Dienst (SID)

Rio de Janeiro (SID) Angesichts des schleppenden Ticketverkaufs vor den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro (05. bis 21. August) wächst bei den Organisatoren in Brasilien die Sorge vor leeren Tribünen. Vier Monate vor der Eröffnung wurden bislang lediglich 50 Prozent der OlympiaTickets verkauft. Das bestätigte Phil Wilkinson, Sprecher des Organisationskomitees, der Nachrichtenagentur AFP am Samstag. Für die anschließenden Paralympics wurden lediglich 12 Prozent der Eintrittskarten abgesetzt.

Angesichts der Verkaufszahlen denkt Brasiliens Sportminister Ricardo Leyser, der das Amt interimsmäßig übernommen hat, über alternative Möglichkeiten nach, die Stadien zu füllen. So könnte die Regierung vor allem Paralympics-Tickets aufkaufen und diese etwa an Schulen weitergeben.

„Es entsteht der Eindruck, dass Brasiliens Bevölkerung was die Spiele angeht noch nicht erwacht ist“, sagte Leyser der Zeitung Folha: „Wir arbeiten hart daran, denn Olympia hat es noch nicht in die Köpfe der Menschen geschafft. Wir müssen dafür sorgen, dass sie sich erinnern und Tickets kaufen.“

Doch IOC-Präsident Thomas Bach sieht keinen Grund zur Sorge. Ich habe keinen Zweifel, dass die Nachfrage nach Tickets steigt, wenn die Zeit gekommen ist“, sagte Bach in Lausanne. Auch die Tatsache, dass vor vier Jahren in London die Nachfrage deutlich höher war, beunruhigt den deutschen IOC-Präsident nicht. Rio ist eine andere Kultur als London. Die Brasilianer kaufen nicht so früh Tickets, wie es Engländer oder Deutsche tun, sagte der Fecht-Olympiasieger von 1976 und stellte klar: Wir hatten vergleichbare Zahlen vor Athen und vor anderen Olympischen Spielen.

Auch wollte Bach keine Kritik an den Marketing-Bemühungen der Organisatoren in Rio üben. Marketing ist viel schwieriger in einem Land mit solchen Krisen wie in Brasilien. Unter diesen Gesichtspunkten hat das Organisationskomitee einen guten Job gemacht, sagte der 62-Jährige, der nicht ohne stolz ergänzte: Das Organisationskomitee hat ein ausgeglichenes Budget präsentiert.

Rios OK-Präsident Carlos Nuzman versprach indes dem Exekutive-Board des IOC, dass alle Wettkampfstätten in Rio rechtzeitig fertig werden. 90 bis 95 Prozent sind jetzt bereit, so Nuzman, der aber auch zugab: Das Velodrom ist ein bisschen spät dran. Doch es wird bis zum Testevent im April stehen.

Nuzman konnte auch zusagen, dass die ausgebaute Metro in Rio rechtzeitig zu den Spielen ihren Betrieb aufnehmen werde. Die IOC-Mitglieder seien beruhigt und glauben, dass wir auf dem richtigen Weg sind, erfolgreiche Spiele zu liefern.

Auch mit Blick auf das grassierende Zika-Virus versuchte das OK, das IOC zu beruhigen. Es solle keine gesundheitsgefährdenden Auswirkungen geben. Margaret Chan, Generalsekretärin der Weltgesundheitsorganisation WHO, habe sich selbst in Rio ein Bild gemacht und beruhigend auf die Olympia-Macher eingewirkt, berichtete Nuzman: Deshalb sind wir zuversichtlich.

Chan habe die Bemühungen der brasilianischen Regierung begrüßt, die Bevölkerung besser zu informieren. Das von der Stechmücke Aedes aegypti übertragene Virus soll bei einer Infektion von Schwangeren Schädelfehlbildungen beim ungeborenen Kind zur Folge haben. Erst Anfang Februar hatte Kabinettschef Jaques Wagner Schwangeren von einem Besuch der Spiele abgeraten.