arag sid

September 2020

Sport-Informations-Dienst (SID)

London (SID) Wie lange er noch spielt, wohin es ihn noch verschlägt oder was danach kommt – über all das macht sich Mesut Özil keine Gedanken. Doch eines ist für den Weltmeister klar: Was auch passiert, Fußball spielen wird er immer. „Ob im Affenkäfig oder auf Asche, völlig egal“, sagt der 27-Jährige im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (SID): „Mit Fußball spielen werde ich nie aufhören.“

Während so mancher Kollege die Erfüllung im Geschäft Profifußball zu immer größeren Anteilen auf roten Teppichen sucht, geht es dem Edel-Techniker Özil trotz einer Sängerin als ehemaliger Lebensgefährtin und 30 Millionen Facebook-Fans immer noch um eins: den Ball. „Ich liebe Fußball spielen, dabei blühe ich auf“, sagt der Spielmacher des FC Arsenal mit leuchtenden Augen: „Da kann ich meinen ganzen Spaß oder meinen ganzen Frust rauslassen. Noch heute, wenn ich auf Heimat-Urlaub in Gelsenkirchen bin, treffe ich mich mit meinen Freunden zum Spielen. Wenn ich einen Ball sehe, muss ich einfach kicken. Dann bin ich immer noch der kleine Mesut von damals.“

Der „kleine Mesut“ war als „Junge schon sehr klein und dünn“, wie er sich erinnert. Ein Präsident von Galatasaray, der ihn als Teenager beobachtete, soll gar geurteilt haben: „Der Junge ist technisch überragend, aber schwach wie ein Wurm.“ Doch der „Affenkäfig“, ein Bolzplatz in Gelsenkirchen-Bulmke, hat ihn gelehrt, sich durchzusetzen. „Dort habe ich immer gegen vier, fünf Jahre Ältere gespielt“, berichtet der heute immerhin 1,82 m große Mesut Özil: „Aber ich war schnell und flink.“ Und vor den nur einen Kopf größeren Gegenspielern in den Jugendmannschaften „hatte ich nie Angst, weil ich es gewohnt war, gegen regelrechte Pakete zu spielen“.

So startete er eine Karriere als Weltstar: Mit 17 das Debüt in der Bundesliga, mit 21 zu Real Madrid, mit 24 in die Premier League, mit 25 Weltmeister. Und nun? In der Weltmetropole London ist er heimisch geworden. Er nennt sie eine „unglaubliche Stadt“, in der „immer Action ist“. Beim FC Arsenal ist er mit 50 Millionen Euro der teuerste Einkauf der Klubgeschichte, der Star des Teams. Er war nominiert als Spieler des Jahres in der Premier League und hat nach 18 Assists Chancen, den Vorlagen-Saisonrekord von Thierry Henry (20) aus dem Jahr 2003 zu brechen.

Doch die Entwicklung der Gunners ist offen. Zur Zeit haben sie Manchester United, den FC Chelsea oder den FC Liverpool hinter sich gelassen. Doch der Meistertitel geht wohl an Außenseiter Leicester City. Eine verschenkte Chance für Arsenal, das zuletzt 2004 (mit Torhüter Jens Lehmann) Meister geworden war. „In dieser Saison wäre es möglich gewesen“, sagt Özil: „Doch dafür haben wir vor allem gegen kleine Mannschaften zu viele Punkte liegen gelassen.“

Seit Vertrag bei Arsenal läuft noch bis 2018, aber angeblich wirbt der FC Barcelona um ihn. Deshalb hat er die von den Gunners angebotene Vertragsverlängerung mit Gehaltserhöhung nicht sofort angenommen. Was im Umkehrschluss nicht heißen muss, dass er geht. Doch erst einmal will er Platz drei und die Champions League sichern und dann Europameister werden. Der EM-Titel werde „nicht leicht, wir dürfen keinen unterschätzen. Aber wenn wir unser Potenzial komplett ausschöpfen, bin ich überzeugt, dass wir Europameister werden können.“

Ein spielfreudiger und spielstarker Mesut Özil könnte dabei zu einem der größten Trümpfe werden.