arag sid

Dezember 2020

Landessportbünde

Großer Wurf oder nur Windei? Was kommt raus bei der Reform der Spitzensportförderung in Deutschland? So lauteten die zentralen Fragen des kritischen LSB-Forums „Klartext Spitzensport NRW“ am 3. Mai in Duisburg. Der Landessportbund NRW hatte dazu Dirk Schimmelpfennig, Vorstand Leistungssport des DOSB, Franziska Liebhardt, Behindertensportlerin des TSV Bayer 04 Leverkusen, Henning Lambertz, Cheftrainer des Deutschen Schwimm-Verbandes und Jörg Mebus, Mitglied der Redaktionsleitung des Sport Informationsdienstes, in die Schauinsland-Arena eingeladen.

Im Oktober wollen das Bundesinnenministerium und der Deutsche Olympische Sportbund die Ergebnisse ihrer im Moment laufenden Beratungen vorlegen. Es geht dabei um viel Geld (160 Mio. Euro Bundesmittel), um Innovationen in den Sportfachverbänden, um verkrustete oder überkommene Strukturen und nicht zuletzt darum, wer eigentlich das Sagen hat. Gibt es ein Miteinander oder ein Gegeneinander? So ganz scheint das noch nicht geklärt zu sein, konnte man zwischen den Zeilen wahrnehmen.

„Wir geben keine Wasserstandsmeldungen ab“, machte Dirk Schimmelpfennig gegenüber Claus Lufen klar. Aber so viel konnte er dann doch sagen: „Wir brauchen ein zeitgemäßes Management im Sport und die Athletinnen und Athleten müssen im Vordergrund stehen.“ Der Eindruck ist: was da in den acht Arbeitsgruppen und weiteren Gremien diskutiert wird, das ist schon das Bohren am dicken Brett. Und es wird auch Zeit: die Medaillenausbeute des bundesdeutschen Sports bei Olympischen Spielen ist arg rückläufig, Nationen wie England haben Deutschland den Rang abgelaufen.

Eine Million Euro als Siegprämie?

Henning Lambertz hatte dazu einen genauso provokativen wie öffentlichkeitswirksamen Vorschlag. Jeder Goldmedaillengewinner solle doch eine Million Euro als Siegprämie bekommen. Bisher sind es nur 20.000 Euro – viel zu wenig und eigentlich nur eine Aufwandsentschädigung. Eine so hohe Geldsumme wäre aus Sicht von Lambertz ein Riesenanreiz. „Das muss doch drin sein in Deutschland“. Die Kritik an seiner Idee blieb nicht aus: Würde man mit so viel Geld operieren, wäre das auch eine Einladung für einige, zu unerlaubten Mitteln zu greifen.

Jörg Mebus von der Sportnachrichtenagentur „SID“ stellte kritische Nachfragen, was denn da eigentlich hinter geschlossenen Türen diskutiert werde. Der deutsche Sport habe nicht nur die Probleme der Medaillenausbeute und Athletenförderung, sondern nach drei gescheiterten Olympiabewerbungen offensichtlich auch ein Anerkennungsproblem in der Gesellschaft. „Die Gesellschaft muss sich darüber klar werden, was ihr der Spitzensport wert ist und sie sollte die Leistungen der Athleten mehr wertschätzen“, so der Journalist. Das konnte Leichtathletin Franziska Liebhardt nur unterstreichen. „Der Druck ist sehr hoch, es werden Medaillen erwartet und ehrlich: Viele fragen mich, warum ich mir das eigentlich antue, dieses harte Training parallel zu meiner Berufstätigkeit.“ Aber ihre Antwort war klar: Die Faszination und der Spaß an ihrem Sport sind einfach zu groß, um die Sportschuhe an den Nagel zu hängen.

Quelle: www.lsb-nrw.de